Wirtschaftliche Bedeutung steigt
Music Copyright Report 2025: Globale Urheberrechts-Einnahmen erreichen neuen Rekordwert
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© Miguelangel Perez
Die Erkenntnisse des Music Copyright Reports basieren auf einer umfassenden Analyse von Lizenz- und Urheberrechtsdaten, Streaming-Statistiken, Einnahmen der Tonträgerindustrie sowie Angaben von Verwertungsgesellschaften und Musikverlagen.
Pivotal Economics konnte dabei auf die Unterstützung aller drei großen Handelsorganisationen zurückgreifen: der IFPI, der CISAC und des Internationalen Verbands der Musikverlage (ICMP). Außerdem wurden über 250 Verlage im Rahmen einer Befragung durch MIDIA einbezogen.
Wachstum mit geringerer Dynamik
Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der globale Copyright-Markt laut Bericht im Jahr 2024 um etwas mehr als fünf Prozent. Dieses Wachstum fällt geringer aus als in den Jahren zuvor, signalisiert jedoch eine nachhaltige Stabilisierung.
Tonträgerunternehmen und Künstler konnten ihre Erlöse weiter steigern. Die Einnahmen der Labels erhöhten sich auf etwa 29 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von rund fünf Prozent entspricht.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Einnahmen von Songwritern durch Verteilungen von Verwertungsgesellschaften aus: Diese stiegen um 8 Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar. Die direkten Einnahmen von Musikverlagen blieben mit 4,6 Milliarden US-Dollar ungefähr konstant.
Wer die Einnahmen erhält
Der Report verdeutlicht eine veränderte, aber aus ökonomischer Sicht logische Aufteilung der Einnahmen.
Labels und ausübende Künstler profitieren vor allem vom direkt an Konsumenten gerichteten Geschäft, insbesondere durch Streaming-Abonnements. Musikverlage und Verwertungsgesellschaften erzielen ihre stärksten Erlöse hingegen im Business-to-Business-Bereich, etwa durch Radio- und Fernsehnutzung oder Hintergrundmusik in Bars, Diskotheken oder im Einzelhandel.
Insgesamt entfallen inzwischen rund 62 Prozent der globalen Musik-Copyright-Einnahmen auf Labels und Künstler, während etwa 38 Prozent bei Verlagen und kollektiven Rechteverwaltern liegen. Diese Verteilung spiegelt den tiefgreifenden Wandel wider, den der Siegeszug von Streaming ausgelöst hat, denn 2014 lag die Verteilung noch bei ungefähr 50:50.
Glocalisation und die Stärke lokaler Märkte
Ein zentrales Thema des Reports ist die wachsende Bedeutung lokaler Musikmärkte. Unter dem Begriff "Glocalisation" beschreibt Pivotal Economics die Entwicklung, dass nicht-englischsprachige Repertoires zunehmend ihre Heimatmärkte dominieren und gleichzeitig internationale Reichweite erzielen.
Lokale Künstler binden dadurch mehr wirtschaftlichen Wert im eigenen Land und reduzieren den Abfluss von Einnahmen an internationale Kataloge. Länder mit starker kultureller Identität zeigen, dass sprachliche Eigenständigkeit kein wirtschaftlicher Nachteil ist, sondern vielmehr ein Erfolgsfaktor sein kann.
Wirtschaftswachstum und Musikumsätze laufen auseinander
Der Report stellt außerdem fest, dass gesamtwirtschaftliches Wachstum nicht automatisch zu höheren Musik-Copyright-Einnahmen führt. In Schwellenländern mit stark steigenden Bruttoinlandsprodukten bleibt der Umsatz pro Nutzer im Musikbereich vergleichsweise niedrig. Streaming steigert dort zwar Reichweite und Konsum, doch diese Entwicklung schlägt sich nicht im gleichen Maß in Erlösen nieder.
Demgegenüber erzielen die Märkte mit stabilen, aber langsameren Wachstumsraten weiterhin überdurchschnittlich hohe Einnahmen. So vereinen die USA, Europa, Japan, Südkorea, Singapur und Hongkong 60 Prozent des weltweiten Streaming-Aufkommens auf sich, aufgrund der höheren Kosten für Streaming-Abos erzielen diese Länder bzw. Territorien 90 Prozent der weltweiten Streaming Einnahmen!
Der boomende lateinamerikanische Markt macht inzwischen zwar 21 Prozent des weltweiten Streaming-Aufkommens aus, erwirtschaftet aber nur 7 Prozent der Einnahmen. Ein ähnliches Verhältnis gilt für die asiatischen Märkte außerhalb der oben genannten (China, Indien etc.). Das zeigt, dass starkes Wachstum der Streams in diesen Gebieten nicht notwendigerweise auch zu einem entsprechenden Anstieg der Einnahmen führt. Die Monetarisierung bleibt stark von Marktstruktur, Zahlungsbereitschaft und Lizenzsystemen abhängig.
Künstliche Intelligenz als struktureller Wendepunkt
Als langfristiger Unsicherheitsfaktor identifiziert der Report den Einsatz künstlicher Intelligenz. Generative Musiksysteme und automatisierte Produktionsprozesse könnten insbesondere im Bereich der Produktions- und Library-Musik zu sinkenden Lizenzpreisen führen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Geschäftsmodelle, bei denen Labels, Songwriter und KI-Plattformen an Erlösen beteiligt werden.
Wie konfliktreich dieser Umbruch verläuft, zeigen aktuelle juristische und industrielle Entwicklungen. Gerichte in Europa befassen sich zunehmend mit der Frage, ob und in welchem Umfang KI-Modelle urheberrechtlich geschützte Musikwerke ohne Lizenz nutzen dürfen. Parallel dazu setzen Musikunternehmen verstärkt auf technische Schutzmaßnahmen wie neuronale Fingerprinting-Systeme, um KI-generierte Inhalte zu identifizieren und ihre Herkunft nachvollziehbar zu machen.
Zugleich entstehen erste KI-Modelle, die vollständig auf lizenzierter Musik basieren. So hat etwa das in Los Angeles ansässige Unternehmen KLAY Vision als erstes KI-Musik-Startup separate Lizenzvereinbarungen mit allen drei Majors abgeschlossen.
Neben Gerichten und Industrie melden sich jedoch zunehmend auch die Interessenvertretungen der Musikschaffenden zu Wort. Nach einer kritischen Stellungnahme der European Composer and Songwriter Alliance (ECSA) äußerte zuletzt auch PRO Musik deutliche Bedenken gegenüber den laufenden KI-Lizenzverhandlungen zwischen Major-Labels und KI-Plattformen wie Suno, Udio oder Spotify.
Entscheidend wird sein, ob klare Regeln für Urheberschaft, Vergütung und Rechteverwaltung etabliert werden können. Ohne solche Rahmenbedingungen droht die Erosion klassischer Lizenzmärkte.
Ausblick auf die kommenden Jahre
Pivotal Economics geht davon aus, dass der globale Wert von Musik-Copyright in naher Zukunft die Marke von fünfzig Milliarden US-Dollar überschreiten könnte. Voraussetzung dafür ist eine verbesserte Datenerfassung in bislang unterrepräsentierten Märkten sowie ein verlässlicher rechtlicher Umgang mit KI.
Ebenso zentral bleibt die Frage, wie nachhaltig Streaming-Modelle weiterentwickelt werden und ob sie langfristig ausreichende Erlöse für alle Beteiligten sichern können.
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