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Die unterschätzte Branche

"Musikwirtschaft in Deutschland 2024": Umsatz und Beschäftigung der Musikbranche wachsen

Spezial/Schwerpunkt von BackstagePRO
veröffentlicht am 20.09.2024

musikbusiness bvmi gema

"Musikwirtschaft in Deutschland 2024": Umsatz und Beschäftigung der Musikbranche wachsen

© Kilian Seiler via unsplash.com

Die Studie "Musikwirtschaft in Deutschland" charakterisiert die Musikindustrie als von wachsenden Umsätzen und steigender Beschäftigung geprägte Branche, die einen erheblichen Teil zum deutschen Bruttoinlandsprodukt beiträgt – ein Umstand der gerne unterschätzt wird.

In Auftrag gegeben wurde die staatlich geförderte Studie "Musikwirtschaft in Deutschland" von den wichtigsten musik-wirtschaftlichen Verbänden und den zwei größten Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL. Die vollständige Studie wird erst im Laufe des Jahres veröffentlicht, zum aktuellen Zeitpunkt liegt nur ein Handout vor. Darin werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

Die Untersuchung zielt darauf ab, die volkswirtschaftliche Bedeutung der deutschen Musikindustrie zu erfassen, um eine bessere Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen zu schaffen. Studiendaten aus den Jahren 2015 und 2020 ermöglichen zudem einen zeitlichen Vergleich.

Steigende Relevanz 

Die Musikwirtschaft erwirtschaftete im Jahr 2023 Umsätze in Höhe von etwa 17,4 Milliarden Euro. Die damit verbundene Bruttowertschöpfung lag bei ungefähr 6,6 Milliarden Euro. Die Studie definiert Bruttowertschöpfung als "den wirtschaftlichen Beitrag einer Branche oder eines Unternehmens zum Bruttoinlandsprodukt eines Landes". 

Die Musikwirtschaft hat 2023 das Vor-Corona-Niveau nicht nur eingeholt, sondern übertroffen. Seit 2019 erzielte die Musikwirtschaft ein Umsatzwachstum von 18 Prozent und erhöhte ihre Bruttowertschöpfung um 20 Prozent.

Umsatzentwicklung Musikwirtschaft

Umsatzentwicklung Musikwirtschaft, © BVMI

Steigende Erwerbstätigkeit

Dieses Wachstum hat die Auswirkung, dass die Anzahl der Erwerbstätigen in der Musikbranche trotz Corona in den letzten Jahren gewachsen ist. Während 2019 etwa 150.000 Erwerbstätige in der Musikwirtschaft tätig waren, sind es nun knapp 156.000 (ein Wachstum von 4 Prozent). Gleichzeitig zeigen die Zahlen, dass sich das Wachstum der Erwerbstätigen deutlich abgeschwächt hat.

Die Erwerbstätigen setzen sich aus 64.000 Selbständigen oder tätigen Inhaber*innen (41 Prozent) und 92.000 Arbeitnehmer*innen (59 Prozent) zusammen. Dementsprechend stieg die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen von 36.400 Euro im Jahr 2019 auf 42.100 Euro im Jahr 2023 – ein Wachstum von knapp 16 Prozent. 

Hohe Eigenständigkeit 

Die Musikindustrie zeichnet zudem starke Verflechtungen zwischen den einzelnen Unternehmen aus. Von insgesamt 10,5 Mrd. Euro an Einkäufen von Waren und Dienstleistungen bezogen Musikunternehmen etwa 80 Prozent, also 8,5 Milliarden Euro von anderen Unternehmen in der Musikwirtschaft. Das macht die Branche unabhängiger von anderen Sektoren.   

Auch in anderen Branchen trug die Musikwirtschaft mit Einkäufen zu signifikanter wirtschaftlicher Tätigkeit bei. So kaufte die Musikwirtschaft im Jahr 2023 Waren und Dienstleistungen im Wert von 2,1 Milliarden Euro bei Unternehmen außerhalb der Musikbranche ein und erzielte damit eine indirekte Bruttowertschöpfung von 1,8 Milliarden Euro. 

Impulsgeber für andere Branchen

Wie die Studie hervorgehoben wird, zeichnet sich die Musikwirtschaft dadurch aus, dass benachbarte Wirtschaftszweige auf ihren Produkten basieren. Dazu zählen beispielsweise der Rundfunk, die Unterhaltungselektronik-Industrie, aber auch Musikreisen.

Laut Studie betrugen diese sogenannten Ausstrahlungseffekte im Jahr 2023 etwa 28 Milliarden Euro. 12,8 Milliarden Euro wurden durch audiovisuelle Medienprodukte mit Musikinhalten erzielt. Dazu zählen Werbeumsätze im Radio und Fernsehen, Umsätze aus Kino-Filmen, Video-on-Demand-Services und Computerspielen.

Der Musiktourismus war fast ebenso bedeutsam und erzielte im Jahr 2023 einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro. Weitere 2,8 Milliarden Euro Umsatz entfielen auf Audioelektronikprodukte wie Kopfhörer, Lautsprecher u.ä. 

Ausstrahlungseffekte Musikwirtschaft

Ausstrahlungseffekte Musikwirtschaft, © BVMI

Zufriedenheit bei der Politik

Dr. Carsten Brosda, Kultursenator der Stadt Hamburg, betont die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz von Musik:

"Die Musikwirtschaftsstudie belegt wieder einmal eindrucksvoll, dass Musik nicht nur von grundsätzlicher kultureller Bedeutung ist, sondern auch ein starker Wachstumszweig mit einem hohen ökonomischen Stellenwert für unsere Gesellschaft."

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär beim Wirtschaftsministerium, zeigt sich erfreut über die beschriebenen positiven Entwicklungen:

"Ich freue mich, dass die Musikwirtschaft wieder wächst. Nach den schweren letzten Jahren geht es aufwärts. Das ist gut für die gesamte Kultur und Kreativwirtschaft."

Unterschätzte Bedeutung

Die Studie untermauert zunächst die volkswirtschaftliche Bedeutung der Musikindustrie, die vielfach unterschätzt wird – und das nicht nur von Politik, Wirtschaftsinstituten und der Öffentlichkeit, sondern häufig auch von Musikschaffenden. 

Wenn die Studie einen Beitrag dazu leistet, die wirtschaftliche Bedeutung der Musikbranche hervorzuheben, ist schon viel erreicht.

Keine Euphorie

Allerdings geben die Ergebnisse der Studie nicht zu Euphorie Anlass. Aus der Feststellung steigender Beschäftigung und wachsender Wertschöpfung lassen sich keine Informationen über das Einkommen von Beschäftigten in der Musikbranche gewinnen.

Die bisher veröffentlichten Daten geben auch keinen Aufschluss über das Einkommen der Künstler, die ja diejenigen sind, die die Musikwirtschaft erst ermöglichen. Es bleibt zu hoffen, dass die komplette Studie auch deren wirtschaftliche Verhältnisse näher beleuchtet.

Schließlich bilden die bisher bekannten Ergebnisse der Studie nicht die wachsende Diskrepanz zwischen kleinen und mittleren Akteuren (egal ob Labels, Veranstalter oder Künstler) und den großen Entertainment-Unternehmen ab.

Wie es sich angesichts des zunehmenden Konzentrationsprozesses vermeiden lässt, dass die kleinen Akteure der Musikwirtschaft nach und nach verschwinden oder in Konzernstrukturen eingebunden werden, ist eine offene Frage.

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