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Vinylkäufer als Superfans

Musikwirtschaft in Zahlen: Wer kauft Vinyl und CDs?

Spezial/Schwerpunkt von Daniel Nagel
veröffentlicht am 07.05.2025

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Musikwirtschaft in Zahlen: Wer kauft Vinyl und CDs?

© Chloe Evans via unsplash.com

Der ausführliche Jahresrückblick "Musikindustrie in Zahlen" verrät Interessantes zum Thema Streaming- und Vinyl-Boom, zeigt die andauernde Bedeutung des Radios und verrät, wer eigentlich noch Tonträger kauft.

Im Jahresrückblick auf die Entwicklung des deutschen Musikmarkts ergibt sich ein vertrautes Bild. Streaming und Vinyl sind die Wachstumstreiber, während Verkäufe von CD und Downloads deutlich zurückgegangen sind.

Dennoch enthält der Bericht "Musikwirtschaft in Zahlen" einige überraschende Erkenntnisse, die eine Betrachtung lohnen.

Streaming und Vinyl legen zu

Streaming erzielte einen Jahresumsatz von 1,859 Milliarden Euro – ein Zuwachs von beachtlichen 12,6 Prozent. Der mit Vinyl erzielte Umsatz stieg im Jahresvergleich auf 153 Millionen Euro – ein Wachstum von 9,4 Prozent. Seit 2015 hat sich der durch Vinyl erzielte Umsatz vervierfacht! 

Ganz eingeholt hat Vinyl die CD aber nicht, denn mit den silbernen Scheiben erzielte die Musikindustrie einen Umsatz von 210 Millionen Euro – ein Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Hoffnung, der CD-Umsatz könnte sich stabilisieren, erfüllte sich also nicht, im Gegenteil. Stark rückläufig ist auch der mit Downloads erzielte Umsatz, der sich nur noch auf 37 Millionen Euro beläuft.

Die Musikindustrie erwartet trotz des anhaltenden Wachstum des Vinylmarkts einen Rückgang des Umsatzes mit physischen Tonträgern von aktuell knapp 16 Prozent auf 11 Prozent im Jahr 2027.

Rockfans kaufen physische Tonträger

Spannend ist der Blick auf das Verhältnis der Formate in Bezug auf die jeweiligen Genres. Wenig überraschend dominiert bei Hip-Hop und Dance der Streaming-Konsum. Dort erreicht Hip-Hop 21 Prozent und Dance 13 Prozent Marktanteil. Interessanterweise hat Hip-Hop Umsatzanteile verloren: 2019 erreichte Hip-Hop dort noch 26 Prozent Marktanteil.

Hingegen werden fast die Hälfte des Umsatzes von Vinyl mit Rockmusik (einschließlich Hardrock und Heavy Metal) erzielt – bei allerdings rückläufigem Anteil. Auch bei CDs ist die Rockmusik mit einem Anteil von 31 Prozent stark vertreten.

Das einzige Genre, das mit CDs, Vinyl und Streaming einen ähnlichen Umsatz erzielt, ist (internationaler) Pop, der in allen drei Kategorien jeweils ungefähr ein Viertel des Umsatzes ausmacht. 

Die Bedeutung der Nischen

Schlager- und Deutsch-Pop-Fans zeigen sich ebenfalls CD-affin (11 und 6 Prozent Marktanteil). Familien-Inhalte spielen dagegen beim Streaming eine immer größere Rolle (13 Prozent Marktanteil).

Nischengenre wie Klassik und Jazz besitzen im physischen Markt eine weitaus größere Bedeutung als im Streaming, Klassik hauptsächlich bei CDs (7 Prozent Marktanteil), Jazz im geringeren Maß bei CDs (3 Prozent Marktanteil), vor allem aber beim Umsatz von Vinyl (5 Prozent Marktanteil).

Radiokonsum wächst

Entgegen der Erwartungen ist die Rolle des Radiokonsums im Vergleich zum Vorjahr insgesamt gewachsen und erreicht knapp 29 Prozent der Gesamtzeit des Musikkonsums. Premium-Streaming (Abo) kommt auf 24,9 Prozent, Video-Streaming (vor allem Youtube) auf 16,5 Prozent und kostenloses Streaming auf 8,7 Prozent. Gekaufte Tonträger sind nur für 6 Prozent des Musikkonsums verantwprtlich.

Bei den Hörgewohnheiten zeigen sich aber deutliche Alters-Unterschiede. Die Nutzung von Streaming-Angeboten verliert mit zunehmendem Alter an Bedeutung, wobei auch in der Generation 60+ fast 40 Prozent der Deutschen Musik streamen. Größere Bedeutung hat bei den Älteren aber das Radio, das zu 50 Prozent zum Musikkonsum beiträgt.

Bei den Jüngsten (16-19 Jahre) spielt Radio mit einem Anteil von nur 2 Prozent gar keine Rolle, dafür dominiert Audio- und Videostreaming (zusammen 66 Prozent Anteil) und Kurzvideos (26 Prozent). Dennoch ist die Musiknutzung über Kurzvideodienste wie TikTok rückläufig. Sogar in der Generation der 20 bis 28-jährigen erreichen TikTok & Co. nur 8 Prozent. 

Ausgaben für Musik steigen

Auch aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Premium-Abos und des anhaltenden Vinyl-Booms wachsen die Ausgaben für Musik. Unter allen, die mindestens einen Euro für Musik ausgeben, betragen die durchschnittlichen Ausgaben für Musik 114 Euro – und haben sich damit seit 2014 verdoppelt.

Ein Drittel der Deutschen zahlt monatlich für ein kostenpflichtiges Premium-Abo, 14 Prozent nutzen kostenfreies Streaming. Nur 5 Prozent der Deutschen kaufen noch CDs, 2 Prozent nutzen Downloads, die Zahl der Vinylkäufer beträgt sogar nur 1,2 Prozent.

Große Bedeutung der Vinylkäufer

Dennoch haben die Vinylkäufer eine weit überproportionale Bedeutung für den Musikmarkt, weil sie trotz ihrer geringen Zahl für mehr als 150 Millionen Umsatz verantwortlich sind. Vinylkäufer sind sozusagen die Superfans des Musikmarktes.

93 Prozent von ihnen erklären, "große Musikfans" zu sein, 77 Prozent suchen aktiv nach neuer Musik und 86 Prozent nehmen sich die Zeit, bewusst Musik zu hören. Das sind Spitzenwerte in allen Bereichen. 

Tonträgerkäufer sind älter und männlich

Altersmäßig sind unter den Vinylkäufern ältere Musikfans besonders stark vertreten. Zwei Drittel der Schallplattenliebhaber sind 50 und älter – und mit 86 Prozent Anteil dominieren Männer sehr stark.

Bei den CD-Käufern ist der Geschlechterunterschied zwischen Männern und Frauen mit 67:33 weniger ausgeprägt – und auch hier sind die Käufer zu zwei Dritteln 50 und älter. Im Gegensatz dazu ist die Geschlechterverteilung beim Streaming komplett ausgeglichen.

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