Jeder kann betroffen sein
Neue Datenbank legt offen, welche Musik zum KI-Training genutzt wurde
suno udio künstliche intelligenz urheberrecht
© Mikhail Nilov
Während seiner Investigativerecherche stieß Alex Reisner, der Autor des Artikels von AI Watchdog, einem Zweig von The Atlantic, auf vier Datensätze, die in der AI-Entwicklungscommunity geteilt würden.
Die größeren Sammlungen enthalten neun beziehungsweise zwölf Millionen Songs, die kleineren je über 100.000 Lieder. Um die Größe zu verdeutlichen: man bräuchte allein 91 Jahre, um sich durch die 12-Millionen-Track-Datenbasis zu hören.
Doppelgänger von "Thriller", "Shape of You" und "Johnny B. Goode"
Der Artikel liefert auch Beispiele dafür, wie KI-generierte Tracks bestehende Musik nachahmen oder kopieren. Beispiele dafür sind Michael Jacksons "Thriller", Ed Sheerans "Shape of You" und Chuck Berrys "Johnny B. Goode", von denen es auf Suno unverkennbar ähnliche Nachbildungen in Lyrics und Melodiefolgen gibt.
Eigentlich sollte genau diese Art von Duplikaterzeugung nicht passieren. Rachel Racusen, Sprecherin von Suno, versicherte, dass Plattformen "Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor unbefugter Weitergabe, Identitätsdiebstahl und Manipulationen" nutzen würden und erklärte, dass Reproduktionen von Trainingsdaten "nicht passieren sollten".
Metina Parlak, Sprecherin von OpenAI, bekräftigt: "Wir waren stets offen darüber, wie Jukebox trainiert wurde." Gleichzeitig veröffentlicht das Unternehmen nur die Methodik seines KI-Trainings und legt nicht offen, welche Songs benutzt wurden.
Bewusstes Umgehen von Lizenzrichtlinien?
Drei der vier identifizierten Datenbanken bestehen aus Links zu Spotify und YouTube, die KI-Plattformen einen automatisierten Download der Dateien durch automatisierte Tools ermöglichen. Damit umgehen die KI-Unternehmen bewusst die Sicherheitssperren der betroffenen Plattformen.
Die Recherche verdeutlicht: Firmen nutzen nicht, wie oft öffentlich ausgesagt, ausschließlich frei zugängliche Musik. Stability nutzte der Recherche zufolge zum Beispiel das Free Music Archive, das kostenloses individuelles Streaming erlaubt, aber Bezahlung für die kommerzielle Nutzung der Musik verlangt.
Wessen Musik ist betroffen?
Der Artikel von Atlantic enthält auch eine Suchfunktion. Um zu erfahren, ob die Musik eines Artists in einem der Datensätze ist, ist es möglich, den Künstler- oder Bandnamen in ein Suchfeld einzugeben.
Die Recherche ergibt, dass Jazzkünstler wie Miles Davis, John Zorn und Vijay ebenso in der Liste auftauchen wie Bob Dylan, Nirvana, Taylor Swift, Billie Eilish, Pearl Jam, Elvis Costello, Sheryl Crow oder die Beatles.
Ebenfalls betroffen sind Komponist:innen klassischer Musik, deutsche Musiker:innen wie Nina Chuba, Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen, Ikkimel und Wincent Weiss sowie zehntausende kleiner Artists aller Genres.
Wie umfassend die rechtlich zumindest fragwürdige Nutzung der Musik durch KI-Unternehmen ist, lässt sich aus den Aussagen von Rapper LGoony entnehmen. Er kritisiert, dass seine Musik auf den KI-Trainingslisten noch nicht einmal auf den Streamingplattformen veröffentlicht gewesen sei.
Ähnliche Themen
Erfolg schon mit Klagen gegen Tabakindustrie
Renommierte Kanzlei unterstützt unabhängige Kunstschaffende im Verfahren gegen Suno und Udio
veröffentlicht am 29.06.2026
Urheberrechtssreit mit Major-Labels
Suno und Udio möchten Zahl der KI-Trainingsdaten geheim halten
veröffentlicht am 05.06.2026 2
KI-Urheberrechtsverletzung?
Sony will seine Klage gegen Udio um 30.000 Songs erweitern
veröffentlicht am 01.06.2026 1
Hoher Schadensersatz?
US-Band The American Dollar verklagt Suno wegen Urheberrechtsverletzungen
veröffentlicht am 21.05.2026 1
Ergebnis der Sony Music-Klage
Udio gibt zu, KI-Modell mit Youtube-Audioinhalten trainiert zu haben
veröffentlicht am 08.05.2026