Freiwillige Solidarität
Pilotprogramm gestartet: Club-Euro soll Vielfalt der Live-Szene bundesweit erhalten
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© Kaique Rocha
Die Bundesstiftung LiveKultur hat für das Pilotprojekt eine Projektförderung der Initiative Musik erhalten. Ziel ist es, den bislang regional erprobten Ansatz auf mehrere Metropolregionen auszuweiten und zu untersuchen, unter welchen Bedingungen ein solidarisches Finanzierungsmodell für die Livemusik funktionieren kann.
Ein Euro pro Ticket
Das Prinzip des Club-Euro ist einfach. Teilnehmende Spielstätten schlagen auf jedes verkaufte Ticket einen zusätzlichen Euro auf. Das Geld fließt anschließend in einen gemeinsamen Topf und wird über einen kapazitätsabhängigen Schlüssel wieder verteilt. Größere Häuser sollen damit kleinere Spielstätten unterstützen.
Aktuell beteiligen sich in Köln eine große Zahl namhafter Musikclubs wie Palladium, E-Werk, Carlswerk Victoria, Live Music Hall, Essigfabrik, Kantine, Gloria, Club Bahnhof Ehrenfeld, Luxor, Gebäude 9, MTC und viele weitere am Club-Euro.
Mit einer Erweiterung des Projekts soll nun getestet werden, wie groß die Bereitschaft zur Beteiligung ist, welche Anreize für Clubs geschaffen werden können und wie die Verteilung und Verwaltung der Mittel von den Beteiligten akzeptiert wird. Gleichzeitig soll ein Kommunikationskonzept entstehen, das den Ansatz gegenüber Clubs und Publikum verständlich vermittelt.
Projektleiterin ist Zora Brändle, langjährige Mitarbeiterin von Delta Konzerte (Maifeld Derby, Zeltfestival Rhein-Neckar).
Kleine Spielstätten besonders unter Druck
Der Hintergrund für die Initiative ist die wirtschaftliche Situation vieler Clubs. Die Bundesstiftung LiveKultur verweist auf einen aktuellen Sachstand des Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages, der die Krise der Club- und Nachwuchs-Szene als strukturelles Problem einordnet.
Auch die LiveKomm fordert einen stärkeren politischen Fokus auf Clubs, Festivals und andere Live-Musik-Spielstätten. Nach ihren Angaben besuchten 2025 knapp 75 Millionen Menschen Live-Musik-Veranstaltungen. Die 31 Millionen Euro, die in die Förderungen einfließen, sieht die Organisation in einem Missverhältnis zwischen gesellschaftlichen und wirtschaftlicher Bedeutung der Live-Musik.
Branche nimmt Finanzierung selbst in die Hand
Der Club-Euro versteht sich dabei nicht als Ersatz für kulturpolitische Maßnahmen, sondern als Instrument, mit dem die Branche selbst Akteur werden kann. Das Projekt reiht sich in eine Reihe von Initiativen ein, die nach neuen Wegen suchen, um die kleinteilige Infrastruktur der Livemusik langfristig zu sichern.
Felix Grädler, Vorstandsmitglied der Bundesstiftung LiveKultur und Initiator des Live Music Fund, erklärt:
"Wir können nicht darauf warten, bis die Politik alle Weichen gestellt hat. Deshalb organisieren die Clubs ihre Solidarität jetzt selbst – und laden alle Spielstätten ein, mitzumachen."
Parallel zum Club-Euro setzt sich die LiveKomm für einen "Live-Gipfel" ein, bei dem Politik und Branche einen gemeinsamen Maßnahmenplan für die Zukunft entwickeln sollen. Zu den Forderungen gehören unter anderem eine stärkere Förderung der Popularmusik, die Fortführung des Bundesschallschutzprogramms und die Prüfung einer Sonderabgabe für die Livemusik nach dem Vorbild der Filmförderung.
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