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Follower trotz Coronakrise bei der Stange halten

Präsent bleiben: Livestream-Konzerte und Online-Sessions in der für Musiker giglosen Zeit

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 20.03.2020

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Präsent bleiben: Livestream-Konzerte und Online-Sessions in der für Musiker giglosen Zeit

Das Handy macht vieles möglich, das in Corona-Zeiten hilfreich sein kann. © John-Mark Smith / Pexels

Die Corona-Pandemie trift die Veranstaltungsbranche enorm hart. Als Musiker musst du versuchen, positiv zu bleiben und deine Fans weiter zu erreichen. Auf den sozialen Kanälen werden Liveübertragungen immer beliebter. Musiker gehen von zuhause online oder performen aus den Proberäumen heraus. Wir zeigen euch, wie ihr Livestreams für euch nutzen könnt.

Online Gigs sind über die letzten Tage auf der ganzen Welt definitiv ein Trend geworden. Waren Livestreams von Konzerten oder Proben in einigen Genre bereits ein beliebtes Marketing-Tool für Social Media, ziehen andere Musiker gerade erst nach, weil sie sonst ohne Konzerte sind. Gerade wer im März und April auf Tournee gewesen wäre, sitzt nun zuhause.

In diversen Facebook Gruppen werden schon fleißig Ideen ausgetauscht und Lineups zusammen gestellt. Bands, vor allem aus den USA, die technisch schnell reagieren konnten, haben bereits vergangenes Wochenende ihre Konzerte als Pendant zum "Geisterspiel" beim Fußball ohne Publikum ins Internet gesetzt. Ein in München situierter amerikanischer Musiker hatte in kurzer Zeit sogar ein ganzes Festival auf die Beine gestellt, sodass die Menschen am vergangenen Samstag einen ganzen Tag lang Livestreams tourender Bands schauen konnten.

Livestreams als Marketing Tool: keine Neuheit

Ob es soziale Kanäle wie Facebook, Instagram oder Youtube sind, die Livestreams anbieten oder eigens für Musiker eingerichtete Plattformen wie Stage It: Ihr könnt eure Streams derzeit nicht nur gut bewerben, sondern auch allerhand Extras einfügen. Mit "Eintrittsgeldern" und virtuellen Merchständen könnt ihr Geld sammeln – viele richten Spendenfonds für ihre Konzerte ein, um Gastronomien, die schließen mussten, oder medizinischen Einrichtungen zu helfen.

Der Livestream hat ebenfalls den Vorteil der direkten Kommunikation durch Kommentare. Ich würde daher von einer Aufzeichnung, die dann "live" geht, abraten. Besser ist das Livegefühl, das euren Fans ein Lebenszeichen von euch übermittelt, ihr könnt direkte Worte an sie richten und auf Kommentare reagieren.

Allein schon die Ankündigung des Streams ist Content für eure sozialen Kanäle. Je nach dem wo sich die meisten eurer Fans tummeln, könnt ihr diese Plattform besonders bespielen. Es ist am Sinnvollsten, sich dann auf eine Plattform zu konzentrieren oder verschiedene Formate auf verschiedenen Kanälen auszuprobieren.

Zuvor haben Musiker natürlich schon einige Livestreams gestartet, teilweise auch von ganzen Konzerten. Nicht selten stand hier aber die Reaktion des Publikums im Vordergrund. Nun ist es vor allem die Band, die abliefern muss, um den Zuschauern wenigstens ein bisschen Live-Konzert-Charakter bieten zu können.

Die Möglichkeiten der Vermarktung für eure eigene Musik sind dabei fast unbegrenzt, die technische Seite schon etwas kniffliger.

Es gibt technisch natürlich ein paar Dinge zu beachten. Im Grunde fußt euer Online Konzert auf drei wichtigen Faktoren: Audio-Qualität, Video-Qualität und Verbindungsstabilität. Ein Proberaum im Keller oder Luftschutzbunker hat häufig schlechten Internetempfang und selten einen gelegten Anschluss. Sorgt also dafür, dass euer Stream ständig eine konstante und möglichst schnelle Internetverbindung hat. Mehr dazu gleich.

Natürlich möchtet ihr euren Stream auch qualitativ hochwertig gestalten. Wenn ihr die Möglichkeit habt, über ein Interface und einen Mixer eure Audiospuren in ein Computerprogramm zu speisen, das diese dann auch in Echtzeit übertragen kann, sehr gut. Ansonsten empfehle ich "abgespecktere" Versionen und ein einzelnes, gutes Raummikrofon, das den Klang eures Proberaums authentisch aufnimmt. Die Audio-Qualität leidet bei den meisten Bands am meisten bei Streams. So schlimm ist das je nach Genre auch nicht. Niemand kann aus Laptopboxen einen Livesound mit drückendem Bass erwarten und eine studioreife Aufnahme wollen die Fans häufig auch gar nicht von euch. Authentizität vor Qualität ist da zumindest mein persönliches Motto.

Die Video-Qualität geht mit der Internetverbindung und dessen Stärke einher. Mit einer Kamera solltet ihr schon Full HD aufnehmen, viele nutzen aber auch nur die Webcam eines Laptops oder Smartphones. Vor allem die aktuellen iPhones haben eine sagenhafte Bildqualität, die ihr nutzen könnt. Als Singer/Songwriter oder Akustikmusiker könnt ihr mit den einfachsten Mitteln bereits ein gutes Livevideo starten. Weniger ist hier also mehr.

Welche Uploadrate für einen Livestream?

Die Qualität eures Livekonzerts steht und fällt natürlich mit der Uploadrate eures Internetanschlusses. Generell würde ich sagen, solltet ihr schon 6 Mbit/s erreichen, um den Stream konstant zu halten. 10-12 sind besser. Leider schwanken vor allem Uploadprozesse in ihrer Geschwindigkeit sehr oft und der Durchschnitt ist schwer messbar. Ich empfehle, sämtlich Prozesse, die während des Livestreams nicht gebraucht werden, zu beenden. Seid ihr draußen unterwegs, sollte eure mobile Datenverbindung die Bestmögliche sein. Auch hier gilt: Je weniger ihr macht, desto weniger Leistung benötigt ihr!

Alternativen zum Streamen

Streaming hat zwei ganz große Haken: Den ersten habe ich soeben geschildert: Die technische Schwierigkeit eines stabilen und hochwertigen Live-Datenupload. Der Zweite ist die weltweite Nutzung des Netzes. Je nach Region sind diese schonmal überlastet. Mir selbst haben Menschen berichtet, dass sie Onlinekonferenzen oder Livestreams aufgrund von Netzüberlastung nicht umsetzen konnten.

Alternativen bieten Facebook Watch Parties. Diese kann man wie Events online organisieren, jedoch mit vorproduzierten, bestehenden Videos. Das ist dann Geschmackssache, denn der Live-Charakter geht dadurch ein wenig verloren. Wer in diesen schweren Zeiten aber trotzdem ein wenig seiner Kunst verbreiten will, für den sind die Watchparties wohl eine Option.

Locations und Ideen für einen exotischen Livestream

Ihr könnt viele Hürden überbrücken, indem ihr eurer Kreativität freien Lauf lasst. Euer Proberaum ist weder mit gutem Equipment, noch mit einem Internetanschluss versehen? Vielleicht gibt es in euer Stadt ja eine Konzertvenue, die nun sowieso geschlossen hat und euch Zutritt zur Bühne für ein "Geisterkonzert" gewährt. Das Tonstudio eures Vertrauens kann euch ebenfalls als Location dienen.

Bitte beachtet bei solchen Ratschlägen die aktuellen Anweisungen und Empfehlungen seitens der Regierung und des Gesundheitsamts.

Eine Akustiksession aus einem verlassenen Park hat Charme, ebenso ein Konzert aus dem heimischen Wohnzimmer. Viele Musiker haben sogar aus der eigenen Quarantäne heraus Wohnzimmerkonzerte "veranstaltet" und gestreamt.

Was immer ihr tut, geht verantwortungsbewusst und besonnen mit der Situation um. Livestreams sind derzeit ein Trend, der meiner Meinung nach eine spannende Möglichkeit für Musiker und Fans bietet und die musikalische Kultur womöglich ein Stück weit beatmet. Eure Gesundheit und vor allem die eurer Mitmenschen darf aber zugunsten des Musik-Marketings nicht leiden.

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