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Langfristige Veränderungen nötig

Psychische Erkrankungen noch immer ein Problem unter (Indie-)Musikerinnen und -Musikern

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 15.05.2019

gesundheit

Psychische Erkrankungen noch immer ein Problem unter (Indie-)Musikerinnen und -Musikern

© alesss / 123RF

Einer neuen Studie zufolge hat die Beschäftigung als unabhängige Musikerin bzw. unabhängiger Musiker oft extreme psychische Auswirkungen zur Folge.

Im Rahmen einer Umfrage des Digitalvertriebs Record Union wurden etwa 1500 Musikerinnen und Musiker aus dem Indie-Sektor zu ihrem mentalen Wohlbefinden befragt. 

Erschreckende Zahlen

Fast drei viertel aller Befragten (73 Prozent) geben an, unter erhöhter psychischer Belastung, etwa durch Stress, innere Unruhe und/oder Depression zu stehen – direkt bedingt durch ihre Betätigung als Musikerin bzw. Musiker. Gut 33 Prozent der Befragten leiden oder litten außerdem unter Panikattacken. 

Als Gründe für die Prävalenz psychischer Erkrankungen im Indie-Segment gelten vor allem Versagensängst und finanzielle Sorgen. Auch Einsamkeit und Isolation – bedingt durch den hohen Erfolgsdruck – werden häufig als Auslöser für psychische Erkrankungen genannt. 

Bereits eine andere Studie des Wohlfahrtsverbandes Help Musicians UK unter Musikschaffenden aus allen Bereichen – nicht nur unter den Indies – wurden ähnlich krasse Zustände festgestellt. Hier findest du den ersten Teil dieser Studie, hier den zweiten. 

Wenig Ausweg

Gut die Hälfte der befragten Musikerinnen und Musiker gibt außerdem an, dass sie Selbsmedikation gegen ihre psychischen Probleme einsetzen.

Zwar wurde im Rahmen der Umfrage nicht erhoben, welche Art der Medikation zum Einsatz kommt, es ist jedoch (leider) naheliegend, dass viele Befragten auf Alkohol, Drogen oder den Konsum von Beruhigungsmitteln ausweichen – ein ungesundes Coping-Verhalten, dass psychische Probleme in den meisten Fällen noch verstärkt. 

Als weitere Bewältigungsstrategie für Probleme gelten unter den Befragten Gespräche, vor allem mit engen Bekannten (90 Prozent) oder der Familie (64 Prozent). Der Kontakt zu Bandmitgliedern wird lediglich von 31 Prozent der Musikerinnen und Musiker gesucht, zum Manager nur von sechs Prozent. 

Die Frage nach der Hilfe

Im Rahmen der Umfrage wurde auch festgestellt, dass gut 57 Prozent der Befragten sich um ihr eigenes Wohlergehen sorgen. Knapp die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 18 und 25 gibt außerdem an, ihrer psychischen Gesundheit einen hohen Stellenwert einzuräumen – unter Musikerinnen und Musikern über 46 sind es sogar 78 Prozent.  

Record Union stellt als Fazit der durchgeführten Studie fest, dass wohl nur grundlegende Veränderungen innerhalb der Musikbranche langfristig etwas an der prekären Situation der Musikerinnen und Musiker ändern können. 

Mit der neu gegründete Kampagne The 73 Percent will Record Union Musikerinnen und Musiker zusätzlich unterstützen, im Vereinigten Königreich verfolgt der Verein Help Musicians UK dieses Ziel bereits seit längerem.

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