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"Warum nicht einfach selbst ein Festival gründen?"

Vom Musiker zum Veranstaltungsmanager: Interview mit Julian Reininger (Green Juice Festival)

Interview von Tobias Görtzen
veröffentlicht am 17.02.2015

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Vom Musiker zum Veranstaltungsmanager: Interview mit Julian Reininger (Green Juice Festival)

Julian Reininger (Forisk Entertainment). © (privat)

Julian Reininger betreibt Forisk Entertainment und ist Begründer des "Green Juice Festivals". Mit Backstage PRO sprach er über die Herausforderungen bei der Festivalorganisation.

Julian Reininger hatte schon in jungen Jahren erstaunliche Referenzen vorzuweisen: Im Alter von 13 Jahren hat er mit seinen Freunden ein eigenes Festival geplant und veranstaltet. Jetzt ist er 21 und dieses Green Juice Festival eines der bekanntesten Rockfestivals im Großraum Köln/Bonn mit ca. 6.000 Besuchern. Julian kümmert sich neben seinem eigenen Festival zudem noch um das Booking beim Rockaue-Festival und Rhein in Flammen. Er ist von Hause aus Saxophonist und Schlagzeuger, aktuell macht er nebenbei eine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann.

„Ohne Freiwillige geht nichts“

Backstage PRO: Wie seid ihr auf die Idee gekommen das Green Juice zu veranstalten?

Julian Reininger: Vor sieben Jahren habe ich meine erste Band gegründet und direkt hinter meinem Haus befindet sich eine Grünfläche auf der ich unbedingt mit meiner Band ein Konzert spielen wollte. Auf einem LKW, mit dem normalerweise Landwirtschaftsgüter transportiert werden, haben wir eine kleine Bühne gebaut und ein paar befreundete Bands eingeladen. Eigentlich sollte es eine einmalige Aktion werden…

Backstage PRO: Warum wurde aus einer einmaligen Aktion dann ein jährliches Festival?

Julian Reininger: Die Resonanz auf das erste Green Juice war unglaublich positiv. Es waren etwas mehr als 100 Leute da, von denen haben uns viele angesprochen, ob man nicht nächstes Jahr wieder so etwas auf die Beine stellen könnte. Viele Freiwillige konnten wir gewinnen, ohne die Hilfe von Freiwilligen ist so ein Festival auch gar nicht möglich. Aber wenn die Leute merken, dass direkt vor Ort etwas auf die Beine gestellt werden soll, haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich immer Freiwillige bereit erklären werden zu helfen.

Backstage PRO: Es ist ein Open-Air-Festival, wie hat das bei euch mit dem Wetter geklappt? Das kann einem ja schnell einen Strich durch die Rechnung machen…

Julian Reininger: Bei diesem Punkt müssen wir ehrlich zugeben, dass wir als Veranstalter ein großes Glück hatten. Die ersten fünf Jahre hatten wir nur provisorische Bühnen ohne wirklichen Regenschutz. In jedem dieser Jahre hatten wir immer Sonnenschein, egal wie vorher oder nachher das Wetter war. Im sechsten Jahr haben wir zum ersten Mal eine professionellere Bühne mit Bedachung aufgebaut, dies war auch dringend notwendig, der Regen ließ nicht lange auf sich warten…

Backstage PRO: Wie ist euer Festival dann von Jahr zu Jahr gewachsen?

Julian Reininger: Hier sind unsere gerundeten Zahlen:

2008 – 150 Besucher
2009 – 600 Besucher
2010 – 1.500 Besucher
2011 – 6.000 Besucher
2012 – 9.000 Besucher
2013 – 7.500 Besucher (bei Regen)
2014 – 6.000 Besucher (mit Eintritt)

2015 würden wir uns sehr über 7.500 Besucher freuen– schauen wir mal ob es klappt.

„Jeder Euro zählt“

Backstage PRO: Euer Festival liegt in Bonn mitten in einem Wohngebiet, zwischen Hauptbühne und dem ersten Haus sind vielleicht Luftlinie 15 Meter Entfernung. Wie funktioniert das?

Julian Reiningen: Wir (Anm.d.Red.: Das Veranstalterteam von Forisk Entertainment besteht aus Julian,  seinem Bruder, einem Freund und weiteren Mitarbeitern aus der Umgebung) haben von Anfang an unsere Nachbarn mit in das Festival eingebunden. Wir hatten das Glück, dass das Festival sofort auf große Gegenliebe gestoßen ist, sonst wäre das auch nicht möglich. Wir haben aktuell die Erlaubnis bis 23 Uhr Livemusik anzubieten. Einen kleinen Kompromiss gehen wir manchmal im Booking ein. Ich persönlich würde gerne noch härtere Rockbands buchen, hier gehen wir aber nach der Devise, dass sich auch die älteren Nachbarn in ihrem Garten die Musik noch anhören können.

Backstage PRO: Wie waren deine Erfahrungen bei Terminen mit Sponsoren, Verantwortlichen der Stadt, anderen Bands etc. Du hast das erste Green Juice mit 13 mitorganisiert, mit 14 Jahren musstest du andere von deinem Festival überzeugen. Wurde man da ernst genommen?

Julian Reininger: Klingt merkwürdig, war aber von Anfang an so. Natürlich konnte ich nicht mit einem kleinen Festival, was am Anfang von 100 Leuten besucht wurde, direkt zu großen Unternehmen gehen und nachfragen, ob sie Hauptsponsor werden wollen. Wir haben vom örtlichen Metzger über die hiesige Bankfiliale bis zu vielen weiteren, meist lokalen Geschäften viele Sponsoren gefunden. Jeder Euro zählt bei so einer Veranstaltung, selbst wenn es nur 100€ sind kann ich davon zwei Dixi-Klos finanzieren. Ich rechne übrigens immer in gerne Dixi-Klos (lacht).

„Wir finden es wichtig, jungen Musikern aus der Region eine Auftrittsmöglichkeit anzubieten“

Backstage PRO: Wie sieht es bei Eurem Festival mit der Nachwuchsförderung aus?

Green Juice Festival

Green Juice Festival, © Rainer Keuenhof

Julian Reininger: Wir geben uns immer große Mühe lokalen Bands die Möglichkeit zu geben, im Rahmen des Green Juice aufzutreten. Da wir beim Green Juice nur insgesamt 7 Bands haben, aber gerne noch weiteren die Chance geben möchten, sich vor Publikum präsentieren zu können, haben wir seit dem letzten Jahr am Vorabend noch das „Warm Up“ eingeführt, an dem auch noch 4 Bonner Bands auftreten, während nebenbei die Hauptbühne für den eigentlichen Festivaltag aufgebaut und eingeleuchtet wird. Auf der ROCKAUE sind natürlich die ersten Spielpositionen für lokale Bands, die sich dann mit großen, zum Teil international bekannten Bands die Bühne teilen.

Backstage PRO: Von 2007 bis 2013 war euer Festival „Umsonst & draussen“, letztes Jahr habt ihr einen Eintritt von 5€ VVK und 10€ AK genommen. Wie waren die Reaktionen der Besucher?

Julian Reininger: Dieses Thema wurde intensiv von unserem Veranstalterteam diskutiert. Nach langer Überlegung sind wir den Weg mit einem niedrigen Eintrittspreis gegangen, um bessere Planungssicherheit zu erhalten. Wir erhalten dadurch die Möglichkeit, noch bekanntere Headliner zu buchen, und insgesamt die Qualität des Festivals zu verbessern. Wir hatten uns schon darauf vorbereitet, viel Kritik von unseren Besuchern einstecken zu müssen, doch so kam es nicht. Die Leute haben akzeptiert, dass dieser geringe Eintritt gut angelegtes Geld ist, und man bekommt bei unserem Festival Bands zu sehen, für die man an anderer Stelle deutlich mehr Geld ausgeben müsste. Wir haben mit Jupiter Jones so auch unseren Wunschheadliner bekommen und freuen uns darüber riesig.

Backstage PRO: Vielen lieben Dank Julian, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Wir wünschen euch ein erfolgreiches Ferstival!

Euer Feedback

Liebe Backstage PRO Community, euer Feedback zu diesem Interview könnt ihr wie gewohnt hier in den Kommentaren loswerden!

Unternehmen

Personen

Julian Reininger

Veranstalter, Musiker aus Bonn Geschäftsführung bei Forisk Entertainment UG (haftungsbeschränkt)

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