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"Wir wollen Vielfalt bieten"

Oliver Maaß vom Karben Open Air über Festivalbooking und -finanzierung

Interview von Fee Mietz
veröffentlicht am 01.11.2017

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Oliver Maaß vom Karben Open Air über Festivalbooking und -finanzierung

Karben Open Air. © Erik Schenderlein

Das Karben Open Air ist ein kleines Musikfestival im schönen Örtchen Karben, nördlich von Frankfurt am Main. 2006 durch einen kleinen Kreis junger, ambitionierter Musikliebhaber ins Leben gerufen, hat sich das Festival zu einem echten Geheimtipp gemausert. Wir trafen Oliver Maaß zum Interview. Er war 2010 als Helfer zum ersten Mal beim Festival dabei. Damals brachte er noch Bier in die Backstage-Räume, heute kümmert er sich federführend um das Booking der Bands.

Backstage PRO: Wieso Karben?

Oliver Maaß: Die Idee entstand in einer Technik-AG im Karbener Jukuz, was heute die Kulturscheune Karben e.V. ist. Ein paar Leute, die sich für Veranstaltungen, Ton- und Lichttechnik interessierten, hatten Lust sich an der Umsetzung einer Veranstaltung mit Livemusik zu versuchen. Und hier haben wir den Vorteil, dass wir eine sehr gute Infrastruktur haben: Strom, Toiletten, die Kulturscheune und viel, viel Land. Sicherlich kann man das auch alles auf dem Feld veranstalten, aber das gestaltet sich dann doch ein bisschen teurer und schwieriger.

"Die Förderung der regionalen Bands ist uns sehr wichtig."

Backstage PRO: Wie gehst du beim Booking für das Festival vor? Wie wichtig ist es euch regionale Bands zu fördern?

Oliver: Die Förderung der regionalen Bands ist uns sehr wichtig. Das ist der Grundsatz unseres Vereins. Wir wollen die lokale Musikszene unterstützen, gerade junge Bands.

Ich gehe beim Booking meist so vor, dass ich schaue, wie viel Gesamtbudget wir durch Sponsoring und vorhandene Gelder aus dem Verein zur Verfügung haben. Dann werden zuerst die Headliner angefragt und gebucht, weil die am meisten Geld kosten. Und so arbeite ich mich schrittweise runter. Für lokale und überregionale Bands haben wir auf unserer Website ein Formular, wo man sich mit seiner Musik bewerben kann. Auch über Backstage PRO schreiben wir aus. Wir schauen die Bands dann durch und entscheiden, wer am besten passt und welches Genre uns vielleicht noch fehlt, um ein abwechslungsreiches Line-Up auf die Beine zu stellen.

Backstage PRO: Welche Rolle spielt für euch Backstage PRO beim Booking? Wo siehst du den größten Nutzen darin? [Infos zu unseren Tools hier; Anm.d.Red.]

Oliver: Ich hatte die Booking-Möglichkeiten über Backstage PRO schon bei anderen Festivals beobachtet und wollte das dann selbst ausprobieren. Ein besonders großer Nutzen ist für uns, darüber mehr Leute auf unser Festival aufmerksam zu machen. Kurz: Die Aufmerksamkeit, die unsere Veranstaltung durch Backstage PRO erhält.

© Michael Hauler

Backstage PRO: Gibt es Bands, die ihr immer wieder bucht – wenn ja warum?

Oliver: Grundsätzlich wollen wir keine ständig wiederkehrenden Bands buchen. Wir wollen Vielfalt bieten. Eine Band, die da die Ausnahme ist und wirklich jedes Jahr bie uns spielt, ist Elfmorgen. Die Band zieht unheimlich viele Leute auf das Festival und die Besucher erwarten sogar mittlerweile, dass Elfmorgen bei uns spielen.

"Ob und wie viel Gage wir einer Band zahlen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab."

Backstage PRO: Für lokale Bands könnt ihr teilweise keine oder nur eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen. Welche nicht-monetären Benefits haben die Bands, die für umme bei euch spielen?

Oliver: Natürlich geht ein Großteil des Budgets für Headliner und Co-Headliner drauf. Für die Slots der lokalen Bands ist das Budget dadurch sehr begrenzt. Wir bieten dann zum Beispiel einen Slot um 17 Uhr an, für welchen wir keine Gage zahlen. An wen richtet sich ein solches Angebot? Idealerweise natürlich an lokale Bands, welche keinen hohen Aufwand für die Anfahrt haben, ihren Bekanntheitsgrad steigern und einfach ein netten Festivalgig spielen möchten.

Backstage PRO: Gibt es dazu auch kritische Stimmen?

Oliver: Natürlich gibt es hier – wenn auch sehr selten – Rückmeldungen, dass Gigs ohne Gage unverschämt sind. Meistens kamen diese Rückmeldungen meiner Einschätzung nach jedoch von professionellen Musikern, welche tatsächlich ihren Lebensunterhalt mit ihrer Musik bestreiten. An solche Musiker richtet sich dann natürlich solch ein Angebot auch nicht.

Ob und wie viel Gage wir einer Band zahlen können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hierbei berücksichtigen wir zum Beispiel den Bekanntheitsgrad, welcher sich durch die Anzahl der Besucher auf Konzerten in der Region, den Fans und Follower in den Sozialen Medien oder die Anzahl der veröffentlichten Alben herleiten lässt. Aber auch, welche Strecke die Band auf sich nehmen muss um bei uns zu spielen. Grundsätzlich stellt man sich schon immer die Frage, wie viele Leute würden sich jetzt nur für diese Band ein Ticket für unser Festival kaufen.

Auch wenn wir zum Teil keine oder wenig Gagen zahlen können, versuchen wir den Bands den Auftritt so angenehm wie möglich zu gestellten. Auf Wunsch stellen wir beispielsweise die komplette Backline und wer das ganze Wochenende bei uns feiern will, ist herzlich eingeladen.

© Michael Hauler

"Wir müssen genau abwägen, wie wir das Budget fürs Booking einsetzen

Backstage PRO: Wie finanziert sich das Festival?

Oliver: Unser Verein Kulturscheune Karben e.V. ist ehrenamtlich tätig. Das heißt, weder der Verein noch die Mitglieder bereichern sich hier finanziell. Entstehen bei Veranstaltungen Gewinne, werden diese wieder in Veranstaltungen oder Infrastruktur investiert. Das Ziel ist es, Veranstaltungen anzubieten, welche durch geringe Eintritts- und Getränkepreise von möglichst vielen Menschen besucht werden können und vor allem jungen Bands eine Bühne zu bieten.

Beim Karben Open Air haben wir sehr hohe Kosten und müssen genau abwägen, wie wir das Budget für das Booking einsetzen. Ziel ist es natürlich mit einem ausgewogenen und attraktiven Line-up möglichst viele Zuschauer anzusprechen und somit auch den jungen und lokalen Bands ein großes Publikum zu bieten.

Wir finanzieren uns hauptsächlich durch unsere Veranstaltungen "Irish Night" oder die "Jazz Night". Da verdienen wir tatsächlich ein paar Euro, die dann in unsere Vereinskasse fließen und womit wir wiederum das Karben Open Air finanzieren. Natürlich braucht es auch noch ein paar Sponsoren. Es ist keine leichte Aufgabe, da wir ja so ein kleines Festival sind. Aber Session Music, Born in the Wetterau und einige mehr unterstützen uns dann zum Glück doch.

"Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal ein paar Euro verdient."

Backstage PRO: Wer zahlt drauf, falls ihr ins Minus geht?

Oliver: 2012 war das einzige Mal, in dem wir so richtig ins Minus gegangen sind. Wir haben daraufhin ein Jahr pausiert mit dem Festival und uns neu strukturiert und überlegt, was wir besser machen können. Wir haben daraufhin die Idee gehabt, weitere Veranstaltungen zu organisieren, mit denen wir ein paar Gelder generieren können, um diese Einnahmen wiederum ins Festival zu stecken. 2014 und 2015 haben wir auch ein bisschen Minus gemacht, aber nicht weiter wild. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal ein paar Euro verdient und sie gleich in neue Zelte für das Gelände reinvestiert. Das war dringend nötig.

© Michael Hauler

Backstage PRO: Was sind die Beweggründe für die Besucher, zum Karben Open Air zu kommen?

Oliver: Die sind tatsächlich völlig unterschiedlich. Zum Teil kommen die Leute, weil sie das Line-Up gut finden, manche kommen weil sie das Feeling hier auf dem Gelände so mögen – klein und familiär. Es gibt auch immer mal wieder Leute, die Bands hinterher reisen. Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel auch eine Gruppe von Leuten aus Dresden, die während einer Fahrrad-Tour bei uns Halt gemacht haben.

Backstage PRO: Wer haftet im schlimmsten Fall, wenn was passiert?

Oliver: Wir als Verein beziehungsweise unsere Vereinshaftpflichtversicherung. Es ist aber zum Glück noch nie etwas Schlimmes passiert und wir hoffen natürlich auch, dass es so bleibt.

Backstage PRO: Ist für 2018 auch ein Karben Open Air in Planung? Und kannst du schon etwas zum Line-Up verraten?

Oliver: Ja, 2018 wird es auch ein Karben Open Air geben. Ich habe bereits mit dem Booking begonnen. Leider ist noch nichts spruchreif. Wahrscheinlich können wir aber vor Weihnachten die ersten bestätigten Bands bekanntgeben. Außerdem steht auch noch die "Karben Open Air Winter Edition" an, die wir immer in der Kulturscheune durchführen. Hier finden so 250 Leute Platz und es ist immer sehr schön kuschelig.

Backstage PRO: Wir wünschen euch damit viel Erfolg!

Unternehmen

Kulturscheune Karben e.V.

Veranstalter in 61184 Karben

Personen

Oliver Maaß

Booker @Karben Open Air (Hessen) aus Karben , Booking bei Kulturscheune Karben e.V.

Jetzt bewerben

Karben Open Air Winter Edition 2018

Karben Open Air Winter Edition 2018

03.03.2018, Kulturscheune, Karben

03.03.2018, Karben
Kulturscheune

Anbieter: Kulturscheune Karben e.V.   2
Datum: Samstag, 3. März 2018, 17:30
Location: Kulturscheune , 61184 Karben
Lokale Acts bevorzugt!
Genre: Rock, Alternative/Independent, Punk/Hardcore
Ausgeschlossen: Metal
Gesuchte Acts: Band
Freie Slots: 0
Bestätigt: CASUAL FRIDAY
Gage: Festgage (100 €)
Kosten/P2P: Keine
Backline: Noch nicht bekannt

Gepostet am 8. November 2017   26

Locations

Kulturscheune

Kulturscheune Karben

Brunnenstraße 2, 61184 Karben

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