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Was darf Kultur kosten?

Fehlende Finanzierung: Das Open Source-Festival findet 2019 zum letzten Mal statt

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 03.07.2019

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Fehlende Finanzierung: Das Open Source-Festival findet 2019 zum letzten Mal statt

Die Stimmung auf dem Open Source Festival Düsseldorf 2018. © Jan Hüsing

Die 14. Ausgabe des Düsseldorfer Open Source-Festival wird auch die letzte sein. Wie die Veranstalterinnen und Veranstalter des Festivals bekannt gaben, reichen die Einnahmen des Festivals nicht mehr, um die gestiegenen Kosten zu decken.

Das Team des Open Source-Festivals gab in einem Facebook-Post offiziell bekannt, dass es sich bei der 2019 stattfindenden Ausgabe um die letzte handeln wird. Der Grund: Die Kosten für das Festival sind jährlich um ca. sieben Prozent gestiegen, etwa durch die Personalkosten. Wie Veranstalter Philip Maiburg im Interview mit dem Blog "theycallitkleinparis" angibt, haben sich auch die Investitionen für Sicherheit konstant erhöht.

Die Preise für die Künstlerinnen und Künstler hingegen sind seit einigen Jahren – trotz steigender Gagen – konstant geblieben, weil das Festival weniger auf große Headliner setze. Das Booking sei stets individuell geprägt und funktioniere abseits des Mainstream-Programms vieler anderer Festivals, so Maiburg. 

Zu wenig Förderung, zu wenige Sponsoren

Weshalb geraten viele Festivals in die Krise? Diese Frage hat uns bereits vor einiger Zeit beschäftigt und wir unternahmen den Versuch, der Sache auf die Spur zu kommen.

Ein Problem auch den Open Souce: Mangelnde Fördergelder in Kombination mit Ticketverkäufe, die im Jahr 2019 hinter den Erwartungen zurückblieben, ebenso die Einnahmen durch Sponsoren. Philip Maiburg gibt an, dass der von der Stadt beantragten Förderung nicht in vollem Maße entsprochen wurde.

Dem Vorwurf, dass die städtische Fördersumme für das Open Source stets zu hoch gewesen sei, entgegnet Maiburg, dass die Fördersummen der individuellen Ausrichtung des Festivals durchaus angemessen seien.

Neben namhaften internationalen Acts und einem Fokus auf der Förderung regionaler Musikerinnen und Künstler lege man auch ein Augenmerk auf die Förderung von jungen Kreativen – etwa durch eine Pop-up-Galerie für junge Kreative aus Nordrhein-Westfalen oder den Einbezug von Studierenden der Kunsthochschule für Medien Köln. 

Maiburg zeigt sich im Interview auch enttäuscht, dass sich 2019 weniger Sponsorinnen und Sponsoren verpflichtet haben. Auf der einen Seite äußerten sich Unternehmen dazu, dass Düsseldorf attraktiver werden müsse – doch: 

"Wenn man dann als Veranstalter bei ihnen nachfragt, hört man aber meist nur die Frage: ‚Was haben wir denn davon?‘. Ich finde generell, dass sich Düsseldorfer Firmen mehr engagieren sollten – egal ob fürs „Open Source“, fürs Museum oder andere kulturelle Konzepte."

Was kostet Kultur?

Das Ende des Open Source Festivals lenkt das Augenmerk einmal mehr auf die Frage, inwiefern kulturelle Angebote – und auch kulturelle Mehrwerte etwa für die Stadt und deren Bewohnerinnen bzw. Bewohner – tatsächlich bezifferbar sind: Es gilt zu fragen, ob städtischer Kulturförderung nicht ein größerer Platz eingeräumt werden sollte, abseits rein wirtschaftlicher Überlegungen.

Während natürlich nicht jede Kulturveranstaltung per se förderwürdig ist, wäre doch zu erwarten, dass ein durchaus populäres Festival ein wenig mehr Rückendeckung durch lokale Investoren und städtische Insitutionen erhält. Gerade auch in Anbetracht der Förderung junger Künstlerinnen und Künstler:

"Das Format, das wir anbieten, ist viel mehr als nur ein Musikfestival. Da kommt auch die Frage nach der Trennschärfe ins Spiel: Was ist Kultur? Was ist Wirtschaft? Was ist Stadtmarketing?" 

Das kulturelle Angebot einer Stadt hat immer auch Auswirkungen auf deren Attraktivität. Und dieses Angebot – gerade die lokale, eingesessene Clubszene – bricht der Stadt laut Maiburg zunehmend weg:

"Es hat sich in Düsseldorf einiges entwickelt. Aber das sind natürlich Leuchtturm-Projekte. Was mir Sorge bereitet, ist der Wegfall zahlreicher Clubs. Diese Orte braucht es, um etwas entstehen zu lassen. Ohne diese Orte machen Leuchttürme auch keinen Sinn."

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