"Ausgestreckter Mittelfinger an die junge Generation"
Bundesschülerkonferenz kritisiert Einstellung des Kulturpasses für 18-Jährige
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© BKM
Auf der offiziellen Website des Kulturpasses heißt es: "Der KulturPass endet mit Ablauf des Jahres 2025. Nach Auswertung des Nutzungsverhaltens und unter Berücksichtigung der Einschätzung des Bundesrechnungshofs ist eine Fortsetzung durch den Bund nicht vorgesehen. Bereits freigeschaltete Budgets können bis zum 30. November 2025 genutzt werden."
Während die Bundespolitik die Abschaffung hingenommen hat, kritisiert die Bundesschülerkonferenz die Entscheidung mit drastischen Worten: "Kulturpass gestrichen – das ist ein ausgestreckter Mittelfinger an die junge Generation." Ihr Generalsekretär Quentin Gärtner erklärt weiter: "Wieder werden wir im Stich gelassen. Da darf sich die Politik nicht wundern, wenn wir zu Kulturbanausen werden".
Chancengerechtigkeit in Gefahr
Laut Gärtner trug der Kulturpass zu Chancengerechtigkeit bei: "Es kann nicht sein, dass nur die Kinder von Ärzten und Anwälten ins Theater und ins Kino gehen können. Damit raubt man Jugendlichen, die am dringendsten die Unterstützung brauchen, eine wichtige Lebenschance – vielleicht die einzige Chance, Kultur unmittelbar zu erleben."
Kultur sei gerade in politisch extremen Zeiten von großer Bedeutung, sie stärke demokratische Werte und fördere die Teilhabe an der Gesellschaft. Quentin Gärtner macht deutlich, dass junge Menschen nur dann zu Demokraten heranwachsen können, wenn sie auch entsprechend gefördert werden. Schon jetzt gäbe es viel zu wenige bezahlbare Kulturangebote für Jugendliche. Durch die Abschaffung des Kulturpasses werde ihnen ein wichtiger Zugang zu außerschulischer Bildung genommen.
Nach den pandemiebedingten Schulschließungen setzte der Kulturpass ein wichtiges Zeichen: Junge Menschen wurden nicht übersehen. Die nun geplante Abschaffung hingegen vermittele genau das Gegenteil und sendet ein völlig falsches Signal:
"Für alle Generationen scheint Geld da zu sein. Für uns nicht. Egal woher das Geld für den Kulturpass kommt – wir werden die Politik daran messen, ob man bereit ist in uns zu investieren oder nicht."
Die Stellungnahme schließt mit den Worten:
"Liebe Bundesregierung: Wir fordern Generationengerechtigkeit. Steckt den ausgestreckten Mittelfinger wieder ein und reicht uns die Hand."
Entwicklungen zum Kulturpass
Der Kulturpass für 18-Jährige wurde vor zwei Jahren auf Initiative der damaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit einem Budget von 200 Euro eingeführt. Er solltete jungen Menschen den Zugang zu Theater, Konzerte und anderen kulturellen Angeboten. 2024 lag das persönliche Kulturbudget noch bei 100 Euro. Für 2025 waren keine Gelder mehr vorgesehen.
Roths Nachfolger Wolfram Weimer begründete das Aus mit einer Einschätzung des Bundesrechnungshofs, nach der der Kulturpass verfassungsrechtlich nicht gedeckt sei. Seit der Einführung seien laut Weimer über 100 Millionen Euro ausgegeben worden.
Zudem hat sich die anfangs große Euphorie für den Kulturpass unter den Parlamentariern des Bundes aufgrund der hohen Kosten für die Entwicklung der Software und des digitalen Angebots sowie der schwierigen Haushaltssituation abgekühlt. Ein Wiederaufleben des Kulturpasses erscheint daher unwahrscheinlich.
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