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Verstand und Etikette wahren

Checkliste: Sieben wichtige Regeln für eure (erste) Tour

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 03.04.2017

tourplanung konzertorganisation

Checkliste: Sieben wichtige Regeln für eure (erste) Tour

Der Bandbus rollt. © Tom Ventura (CC BY 2.0, https://flic.kr/p/cd9c5)

Eines steht fest und die meisten Musiker stimmen zu: Touren ist das geilste! Doch es gibt bestimmte Punkte und eine gewisse Ettikette, die als Richtlinie dienen sollten, damit euch die Clubs nochmal buchen und damit eure Tour auch ein Plus bringt!

Touren ist super: Du bist mit deiner Band, bestenfalls gute Kumpels von dir, jeden Tag in einer anderen Stadt, um das zu tun, was euch Spaß macht. Ein tourender Musiker ist cool, er steht lässig nach der Show irgendwo rum und erzählt locker davon, wie man gestern in Berlin war, wie gut ihm Hamburg heute gefällt und dass es morgen ja weiter nach Köln geht. Vor kurzem haben wir euch ein paar hilfreiche Tipps zum Überleben auf Tour mitgegeben, jetzt blicken wir auf ein paar wichtige Regeln und Konventionen.

1. Die Abfahrt: checkt alles und packt gescheit!

So detailliert euer Rider, den ihr ja hoffentlich an die Clubs verschickt habt auch ist: irgendwas ist immer. Es gibt Clubs da draußen, die haben keine eigenen Mikros. Beim ersten Gig zerschießt eure Support-Band eine Röhre oder ein Drum-Fell. Sowas solltet ihr dann dabei haben oder (eine gute Alternative!) Zeit einplanen, um zur Not vor Ort einen lokalen Musikhandel aufsuchen zu können.

Oberste Regel ist jedoch: Habt im Blick, was ihr braucht und was abgemacht ist. Ihr fahrt ohne Schlagzeug auf Tour, weil das Auto schon voll ist mit euch, euren meterhohen Stacks oder euren 3.000 T-Shirts? Kommuniziert das und geht nicht davon aus, eine andere Band bringt das mit. Support-Bands können absagen oder auf Equipment spielen, mit dem ihr absolut nichts anfangen könnt.

Ein paar Negativbeispiele:

  • Veranstalter: "Ja, ääähm, also Mikros haben wir hier jetzt keine, die gehen uns sonst immer kaputt. Habt ihr denn keine dabei?"
  • Bassist der Support-Band: "Also 'ne Box hab ich jetzt nicht dabei, weil ich nehm normalerweise nur 'nen Pre-Amp und geh in die Anlage, das reicht total! Es sei denn, ich kann deinen Amp mitbenutzen, das wäre fett..."
  • Euer Drummer auf Tour: "Meint ihr die haben da irgendwo 'nen Schlagzeug-Hocker? Den hab ich jetzt nämlich gar nicht eingepackt, ist mir eben auf halber Strecke eingefallen."

→ Be prepared, so you won't get scared!

2. Get-In: was ihr dürft und was nur Ärsche tun

Geschafft, ihr seid im Club und alle technischen Fragen zu Punkt 1 sind geklärt! Wohin nun?

Divenhafte Sänger fragen grundsätzlich zuerst nach dem Backstage, weil stundenlanges sitzen im Tour-Bus schreit sofort nach noch mehr sitzen. Nein!

Man begrüßt einander freundlich, macht sich bekannt und wartet auf Instruktionen oder baut mit dem Rest der Band Equipment auf. Nach dem Backstage fragt man nur, wenn es einen triftigen Grund gibt: dringender Toilettenbedarf beispielsweise oder ein Drogenproblem. Zum Chillen kommt ihr noch genug, Leute, denn eure Show beginnt wahrscheinlich erst in vier Stunden!

Der durstige Gitarrist fragt nach Handschlagbegrüßung sofort nach 'nem Bier, man sei ja jetzt angekommen und das wäre erst mal das wichtigste. Auch falsch!

Nach dem Get-In gibt es viel wichtigeres zu tun, bevor es ans Saufen geht. Sind alle Fragen zum Soundcheck und Equipment, zu Spielzeit und Länge des Sets geklärt? Ist alles aufgebaut, der Van sicher geparkt und das Merch platziert? Ist geklärt, wo ihr schlaft und wie ihr dorthin kommt?

Negativbeispiel:

  • "Ja also ihr schlaft dann im Ibis Hotel, das ist nur 10 Kilometer Stadt auswärts" ist ein beliebter Satz, den Veranstalter erst von sich aus sagen, wenn die gesamte Band inklusive Fahrer, so es denn einen gibt, gerade das sechste Bier bestellt haben.
  • Der Fahrer wedelt ungeduldig mit einem Parkticket und möchte, dass ihm das bezahlt wird. Das ist ja zumindest recht sinnvoll, allerdings nur, wenn ihr offensichtlich absolut unmöglich geparkt habt.

→ Lasst dem Veranstalter oder Clubbesitzer auch ein wenig Zeit, um sich zu sortieren und auf euch einzustellen.

3. Die Show

Die spielt ihr und zwar so gut wie immer. Dafür wurdet ihr gebucht, deshalb seid ihr eine tourende Band.

4. Nach der Show ist vor der Show

Das Publikum tobt noch immer, als ihr die Bühne verlasst. Es war schwitzig, es war geil. Was ist nun zu beachten?

Das Rockstarfeeling, das euch die Performance und die heißen Blicke des Publikums beschert hat, veranlasst euch meist zu einem der beiden Dinge:

  • Sofort Backstage, erstmal ordentlich runterkommen, Drogen oder Alk konsumieren, rauchen und feiern, bestenfalls mit dem berühmten Act, dessen Vorgruppe ihr heute wart.
  • Oder aber ihr klemmt euch an die Theke, macht einen auf Macker und lasst euch erzählen, wie toll ihr doch wart.

Aber… ach, Moment! da ist gar kein Mercher mit auf Tour? Oder ihr habt die Freundin vom Sänger dort allein gelassen, ohne dass diese weiß, wieviel euer Merc-Bundle mit limitiertem Red Vinyl kostet?

→ Dann ab da hin! Erstmal ist das unheimlich sympathisch für eure Fans und außerdem muss das einfach gemacht werden.

5. Geschäftliches regeln

So geil euer Abend auch war: Ich empfehle absolut jeder Band, die sich noch nicht als Rockstars bezeichnen kann: behaltet einen klaren Kopf, schädelt euch nach dem Konzert nicht völlig weg, denn ihr seid nicht als Urlauber da!

Viele Musiker scheitern an der bitteren Realität, nicht mehr der Konsument des Konzertes zu sein, sondern tatsächlich etwas tun zu müssen. Da hängt man im Backstage 'rum, denkt an das Konzert, an die Mädchen (oder Männer) im Publikum und feiert sich total ab, zählt in Gedanken die Kohle und... huch: wo und wann bekommen wir denn eigentlich unsere Gage?

Jetzt passiert folgendes: ihr habt bestenfalls nicht nur eine Gage ausgehandelt oder zumindest einen Prozentsatz am Door-Deal; nein, ihr habt ausgehandelt, ob in bar oder per Rechnung ausgezahlt wird. Und wenn es um einen Door-Deal geht, habt ihr regelmäßig ein Auge darauf gehabt, wie viele Leute vor Ort waren. Ihr besteht noch dazu auf eine Aufstellung der Kosten des Veranstalters, der euch nämlich in seltenen auch schon mal bescheissen kann.

Negativbeispiel eines Promoters in Prag:

  • "Guys, I have bad news for you, the show didn't run well, i can only give you 100."
    Du: "but I counted at least 200 people in this room."
    Promoter: "yes but some are here every day so they come in for free. Also the hotel I booked for you was very expensive!"

→ Solche Dialoge vermeidet ihr, indem ihr Festgagen vereinbart, an der Promo mithelft, einen eigenen Kassenwart habt oder auf teures Hotel und Hummer als Catering verzichtet. Ihr seid keine Stars, ihr pennt auch noch gut auf jemandes Sofa und euch schmecken auch Nudeln.

6. Das miese Abbauen

Hat das mit der Bezahlung geklappt und auch der Transfer zur Penne ist gewährleistet, erfolgt das zähe Abbauen. Auch hier das Szenario von euch im Backstage: Chillen, Saufen, alles gut. Aber es ist 3 Uhr, der Laden macht gleich dicht und öffnet den Bühnenraum für irgendeine Dorfdisko-Party. Nochmal: ihr seid keine Stars! Ergo schleppen keine Roadies euer Zeug von der Bühne in den Van!

Weil ihr euch ja nicht total aus dem Leben gebeamt habt, wisst ihr ja noch, wie ihr alles sicher und effizient im Van verstaut. Außerdem habt ihr ja eure Kabel aufgerollt und auf die Seite geräumt, sodass ihr alles sofort findet und nicht nachts, mitten im Getümmel der Aftershow-Party euer Drum-Kit auseinander schrauben müsst, oder euer Bassist plötzlich sein Patch-Kabel nicht mehr hat. Wichtige Regel ist auch hier: der Sänger packt mit an, denn ihr alle wollt das schnell über die – bzw. von der Bühne bringen.

→ Arsch hoch, ihr seid keine Kinder mehr, und anpacken.

7. Gute Nacht – morgen geht’s weiter!

Habt ihr das alles hinter euch gebracht ohne euch darüber zu streiten, wer die Fußmaschine mitgenommen, wer das letzte Backstage-Bier gesoffen und wer die dämliche Idee hatte, in einem Biker-Club in Göttingen zu spielen, dann dürft ihr ins Bett!

Hier gibt es kaum noch Regeln. Seid ihr laut genug, um vom Hotelpersonal auf die Straße gesetzt zu werden: herzlichen Glückwunsch, ihr dürft im Auto schlafen wie echte Rocker. Kotzt ihr dem Promoter ins Waschbecken auch dazu Applaus: der hasst euch jetzt. Schreit ihr alle Anwesenden (wahrscheinlich eure Band) an, du möchtest jetzt sofort ins Bett und alle sollen jetzt die Klappe halten, bist du aber leider auch nicht ganz Rock N Roll.

→ Haltet Maß, seid freundlich und benehmt euch, dann klappt es auch mit weiteren Bookings!

Vor allem haltet euch eines vor Augen: Das war euer erster Tag auf Tour und es folgen noch sagen wir zehn weitere Nächte, die genau so ablaufen werden.

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