Rekordeinnahmen vor dem Fall?
CISAC Report 2025: Urheber erhalten Rekord-Tantiemen – doch KI wird zur Gefahr
cisac verwertungsgesellschaften
© Artem Podrez via Pexels
Die International Confederation of Societies of Authors and Composers (CISAC) hat ihren Global Collections Report 2025 vorgestellt – den wichtigsten Jahresüberblick zu weltweiten Urhebervergütungen aus den Bereichen Musik, Literatur, Drama sowie audiovisuelle Medien und Künste.
Rekordjahr für Urheber weltweit
2024 erzielten Verwertungsgesellschaften weltweit Erträge von 13,97 Milliarden Euro, 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat sich das weltweite Aufkommen in nur zehn Jahren um über 70 Prozent gesteigert – ein deutliches Zeichen für die Stärke kollektiver Rechtewahrnehmung. Der Anstieg fiel aber etwas geringer aus als im Vorjahr, als die Einnahmen um 7,8 Prozent wuchsen.
Wachstumstreiber ist einmal mehr der digitale Bereich: Einnahmen aus Streaming- und Abo-Diensten stiegen um 11,2 Prozent und überschritten erstmals die Marke von 5 Milliarden Euro. Damit stammt mittlerweile mehr als ein Drittel aller Tantiemen aus digitalen Nutzungen – siebenmal so viel wie noch 2015. Die Einnahmen durch Streaming überschritten damit erstmals die Marke von 5 Milliarden Euro.
Auch der Live- und Veranstaltungssektor legte weiter zu und wuchs um 9,6 Prozent auf mehr als 3,5 Milliarden Euro. Der klassische Rundfunk stabilisierte sich leicht mit einem Wachstum von 0,8 Prozent auf 3,94 Milliarden Euro.
Musik bleibt die Cashcow
Rund 90 Prozent aller weltweiten Tantiemen stammen aus Musiknutzungen. 2024 kletterten die Einnahmen um 7,2 Prozent auf 12,59 Milliarden Euro.
Regional bleibt Europa mit Erträgen von 7,6 Milliarden Euro führend – ein Zuwachs von 6,7 Prozent. Besonders stark wuchsen im Jahresvergleich die Einnahmen in Frankreich (plus 7,5 Prozent auf 1,9 Milliarden), Großbritannien (plus 7,4 Prozent auf 1,3 Milliarden). Einnahmen durch deutsche Verwertungsgesellschaften stiegen um 3,4 Prozent auf 1,1 Milliarden.
Auf den weiteren Plätzen folgen Nordamerika (3,5 Mrd. Euro, 10 Prozent Wachstum) und die Asien-Pazifik-Region (1,9 Mrd. Euro, 2,9 Prozent Wachstum). In Südamerika waren die Einnahmen sogar leicht rückläufig und erreichten etwas mehr als 760 Millionen Euro.
KI als neue Bedrohung
Während die Zahlen Rekorde brechen, wächst die Sorge vor einem neuen Gegner: Generative Künstliche Intelligenz.
Laut CISAC könnten bis zu 25 Prozent der Urhebervergütungen – rund 8,5 Milliarden Euro jährlich – verloren gehen, wenn KI-Modelle ohne Lizenzierung auf geschützte Werke zugreifen. CISAC-Generaldirektor Gadi Oron warnt:
"KI ist nicht einfach nur ein weiteres Mittel zur Verbreitung kreativer Werke, sondern eine Technologie, die sich diese aneignet und repliziert. Ohne angemessene Schutzmaßnahmen oder Datentransparenz besteht die Gefahr, dass sie die Grundlage kreativer Werte untergräbt. "
Björn Ulvaeus, CISAC-Präsident und ABBA-Mitgründer, ergänzt:
"Im Jahr 2024 zahlten Autorenverbände weltweit Rekord-Tantiemen an Urheber aus. Diese Leistung ist ein Grund zum Feiern und spiegelt die Widerstandsfähigkeit der kollektiven Verwertung und den Wert kreativer Werke in einem wachsenden Markt wider. Gleichzeitig bedeutet das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz einen tiefgreifenden Wandel für unsere Branche – ein Beweis dafür, dass Fortschritt und Umbrüche nebeneinander existieren können und dass die Zukunft der Kreativität davon abhängt, wie wir beide Realitäten miteinander in Einklang bringen."
Ähnliche Themen
Wirtschaftliche Realität einer aufstrebenden Künstlerin
Viele Streams, wenig Geld: Mia Morgan legt Streaming-Einkommenssituation offen
veröffentlicht am 09.12.2025
Is this what we want?
Paul McCartney veröffentlicht stillen Track aus Protest gegen KI
veröffentlicht am 17.11.2025 39
Ein erster Erfolg
GEMA gewinnt Prozess um Urheberrechtsverletzungen gegen ChatGPT vor dem Landgericht München
veröffentlicht am 13.11.2025 14
Negative Prognosen bis 2028
CISAC-Studie: Musikschaffenden droht Umsatzrückgang durch KI-Musik
veröffentlicht am 23.12.2024 6
Livemusik und digitale Musik boomen
Jahresbericht der CISAC: Einnahmen durch Lizenzgebühren 2023 auf Rekordhoch
veröffentlicht am 27.11.2024