Livemusik und digitale Musik boomen
Jahresbericht der CISAC: Einnahmen durch Lizenzgebühren 2023 auf Rekordhoch
cisac verwertungsgesellschaften
© Josh Sorenson via pexels.com
Der Aufschwung wird laut dem Bericht insbesondere durch einen boomenden Livemusik-Sektor und steigende Einnahmen bei digitaler Musik durch Streaming-Abonnements angetrieben.
Erholung des Live-Sektors
Da die Lizenzgebühren aus dem Live-Sektor 13 Prozent über dem Vor-Corona-Niveau liegen, geht die CISAC davon aus, dass sich der Live-Sektor mittlerweile vollständig von der Pandemie erholt hat.
Weltweit würden immer mehr Konzerte und Touren stattfinden, was zu einem bemerkenswerten Anstieg der Einnahmen um 22 Prozent im Vergleich zu 2022 geführt habe. Insgesamt ist der Live-Bereich für 26,1 Prozent der Gesamteinnahmen verantwortlich, was ihn zum drittgrößten Umsatzbringer macht.
Streaming wächst weiterhin
Das digitale Einkommen wuchs laut CISAC im Jahr 2023 um knapp 10 Prozent, was vor allem auf den stetig wachsenden Streaming-Konsum, expandierende Plattformen und teurer gewordene Abonnements zurückgeführt werden könne. Aktuell konzentrierten sich Streaming-Plattformen insbesondere auf eine bessere Monetarisierung von Superfans. Das Einkommen aus digitalen Quellen macht 38,5 Prozent der Gesamteinnahmen und damit den größten Anteil aus.
Der Bericht verweist aber auch darauf, dass die meisten Songwriter nach wie vor nicht ausreichend von höheren Tantiemen profitieren würden. Die meisten Künstler könnten laut dem Bericht nicht von ihren Streaming-Einnahmen leben, was auch daran liegt, dass die Zahl der Anspruchsberechtigten wächst. Stattdessen profitiere nur ein relativ geringer Anteil von erfolgreichen Songwritern und Komponisten, die meist über weitere Einkommensquellen wie Live-Auftritte verfügten.
TV und Radio verlieren Bedeutung
Weiterhin verzeichnet der Bericht für 2023 einen Rückgang der Einnahmen aus dem Rundfunk um 4 Prozent, während die Einnahmen aus TV und Radio ein leichtes Wachstum von einem Prozent im Vergleich zu 2019 verzeichneten. Die CISAC erklärt, immer mehr Zuschauer würden Streaming-Dienste statt linearem Fernsehen und Radio bevorzugen. Die Einnahmen aus diesem Bereich steuern aber nach wie vor 28,7 Prozent der Gesamteinnahmen bei.
Tantiemen aus CD- und Vinyl-Verkäufen wuchsen laut Bericht um 6 Prozent auf 380 Millionen Euro, was das Wachstum auf der Aufnahmeseite widerspiegele. Die Einnahmen aus physischen Produkten tragen jedoch nur etwa 3 Prozent zu den Einnahmen bei, die von den CISAC-Mitgliedsgesellschaften gesammelt wurden.
Lateinamerika neuer Wachstumstreiber
Geografisch gesehen sei Lateinamerika die am schnellsten wachsende Region. Dort wuchsen die Einnahmen um 55 Prozent auf 694 Millionen EUR seit 2019. Jedoch bleibe Europa mit einem Anteil von fast 55 Prozent an den Gesamteinnahmen die größte Einkommensquelle, gefolgt von den USA und Kanada.
Blickt man auf die einzelnen Länder, bleiben die USA die größte Einkommensquelle für CISAC-Mitglieder. 2023 stiegen die Einnahmen um 8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro und machen damit ein Fünftel der Gesamteinnahmen aus. Der zweitgrößte Markt war Frankreich, gefolgt vom Vereinigten Königreich.
Live-Sektor steht vor großen Herausforderungen
Trotz des starken Wachstums ist die Lage im Live-Bereich keineswegs ungetrübt. CISAC-Generaldirektor Gadi Oron verweist in seinem Vorwort auf die weit verbreiteten Schließungen von Veranstaltungsorten:
"Zum ersten Mal werden die die von den CISAC-Gesellschaften gesammelten Beträge für Hintergrundmusik, Live-Konzerte, Ausstellungen und Unterhaltung, das Vor-Covid-Niveau übertreffen [...]. Doch trotz dieses Erfolgs ist der Sektor fragmentiert und in vielen Bereichen anfällig. Veranstaltungsorte schließen und lokale Veranstaltungen haben es schwer. Die Unterstützung der Regierungen zum Schutz des Live-Sektors war noch nie wichtiger."
Künstliche Intelligenz im Fokus
Zudem besitzt KI das Potential, die Situation von Urhebern und Verwertungsgesellschaften zu verschlechtern. In einem Vorwort zum Bericht richtet sich CISAC-Präsident Björn Ulvaeus (ABBA) mit warnenden Worten an die Politik und weist auf die Notwendigkeit hin, die wachsende Rolle von Künstlicher Intelligenz zu beachten:
"Ich habe immer geglaubt, dass wir neue Technologien nur begrüßen und nicht versuchen sollten, sie aufzuhalten – aber es gibt einen felsenfeste Warnung: Dies darf niemals auf Kosten von Urheberrechten und Menschenrechten geschehen. [...] Ich glaube, dass eine schlecht regulierte KI-Umgebung die Karrieren vieler Künstler zunichte machen könnte. Das könnte der nächste Paul McCartney oder Taylor Swift sein."
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