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Festivals, Konzerte, Daten und Digitales

Das Future Music Camp 2018 stellte den Live-Sektor in den Mittelpunkt

Spezial/Schwerpunkt von Theo Müller
veröffentlicht am 30.04.2018

popakademie future music camp

Das Future Music Camp 2018 stellte den Live-Sektor in den Mittelpunkt

Future Music Camp 2018. © MKB 2018

Bereits zum neunten Mal hatte die Popakademie Baden-Würtemberg zum Future Music Camp nach Mannheim eingeladen. Bei strahlendem Wetter wurde am 26. bis 27. April 2018 über Zukunftsthemen der Musikwirtschaft diskutiert.

In diesem Jahr wurde die Live-Musik-Branche als Leitthema auserkoren. Die Themen der großen Keynotes orientierten sich dadurch vor allem an Veranstaltungen, Festivals und Konzerten.

Die Keynotes am Vormittag waren jedoch keineswegs nur für Akteure aus dem Live-Sektor interessant, schließlich ging es um alles, was sich im Digitalen an Tools für Marketing, Promo, Verwertung und zahlreiche andere Zwecke nutzen lässt und gab es viele Informationen rund um den Einsatz von Daten – spannend für jeden Akteur der Brache!

So gab es gleich zu Beginn des FMC unter anderem Best Practice-Beispiele für Social Media-Aktivitäten von den Southside- und Hurricane-Festivals, Tipps zum Online-Marketing für Live-Events vom Sound of The Forest und Christopher Ludwig von BMG gewährte Einblick in den klugen Umgang mit Youtubes Content-ID-Verfahren. Mit ein wenig Transferleistung lassen sich all diese praxisnahen Inhalte auch auf das eigene Business übertragen.

Die Sessions, Vorträge und Diskussionsrunden an den Nachmittagen behandelten im kleineren Rahmen Themen rund um die Kreativ- und Musikbranche. So war auch dieses Jahr insgesamt wieder ein umfangreiches Programm geboten.

Das FMC hat expandiert

Inzwischen ist das Future Music Camp zu einer echten Instanz in der Branche geworden. Dieses Jahr wurden die Kapazitäten deutlich aufgestockt um mehr Besuchern die Teilnahme an der völlig kostenlosen Branchentagung zu gewähren. Die Räumlichkeiten der Popakademie sind vor allem für die großen Keynotes an Ihre Grenzen gekommen. So wurde dieses Jahr neben der Popakademie auch die gegenüberliegende Jungbuschhalle genutzt und bot den ungefähr 400 Teilnehmern ausreichend Platz.

Die FMC-Besucher bestanden zur einen Hälfte aus Studierenden aus der Popakademie und anderen Universitäten und zu andern Hälfte aus Praktikern aus der Branche. So kommen Musiker, Branchenvertreter und Studenten zu einem Querschnitt der gesamten Musikbranche zusammen. "Das Future Music Camp greift aktuelle Branchenthemen auf, sorgt aber auch für Inspiration für das Curriculum der Popakademie", so beschreibt Alexander Endreß, der Studiengangsmanager Musikbusiness der Popakademie, die Tragweite des Future Music Camps.

Vor allem für Musiker ist das barcamp-artige Event besonders spannend, weil man hier "auf das Gegenüber aus dem Business trifft und sich auch als Musiker in Sachen Marketing und Verwertung weiterbilden kann", so Steffen Geldner, der als Projektmanager Digital Innovation bei der Popakademie tätig ist und das Future Music Camp organisiert und vor Ort auch moderierte. Musiker sollten heute – neben ihren musikalischen Fertigkeiten – auch in Grundzügen das Business der Branche verstehen, um erfolgreich zu sein.

Sicher ist das Niveau des Future Music Camps für den Marketing-Laien an manchen Stellen relativ hoch, doch sollte dies eher für Motivation sorgen sich aus selbstständig zuhause nochmal mit den komplexeren Themen auseinander zu setzen. Auch lädt die Veranstaltung dazu ein, direkt nach den Vorträgen mit den anderen Teilnehmern in entspannter Atmosphäre weiter zu diskutieren oder sich direkt weiter schlau zu machen.

Daten: noch immer ein Entwicklungsthema

Samir Barden von Herokey berichtete in seiner Keynote von der fehlenden Akzeptanz für Datenverarbeitung in der Branche. Vorbehalte wegen Datenschutz und der Verlässlichkeit von IT-Systemen sind nach wie vor große Hemmschwellen, um Daten erfolgreich in der Branche zu nutzen. Samir setzt unter anderem datenbasierte Flatrates oder bargeldlose Bezahlsysteme auf Festivals um.

Neben der Erfahrung mit einem Hacker, der sich selbst eine Million Euro Pfand auf seinen Bezahlchip geladen hat, sind die Erfahrungen von Samir jedoch überwiegend positiv. Durch den geschickten Einsatz von Daten können Gastronomiestände auf Festivals besser verteilt werden und umsatzstarke Zusatzverkäufe generiert werden. Vorbehalte gegen die Datenverarbeitung, weil Shitstorms von den Besuchern zu erwarten sind, müssten mit der richtigen Kommunikation bewältigt werden.

Auswirkungen der DSGVO in der Praxis noch unklar

Ein Dauerbrenner während des Future Music Camps war das Thema Datensicherheit. Mit der am 25. Mai 2018 vollständig in Kraft tretenden Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) haben sich in der gesamten Geschäftswelt große Unsicherheiten breit gemacht. Was nun erlaubt und verboten ist, ist auch manchen Profis noch unklar. Oft waren die Speaker auf dem Future Music Camp überfragt oder selbst falsch informiert.

Das Problem in aller Kürze: Die DSGVO gilt für jeden, der Daten geschäftlich automatisiert verarbeitet. Das ist heutzutage eigentlich jeder Akteur der Musikbranche. Schon die Nutzung von Emails reicht aus. Viele bisherige Datenschutzmaßnahmen reichen nicht mehr aus, um die Regeln der DSGVO einzuhalten.

Spannende Technologien für die Musikindustrie

Alex von Harsdorf stellte in seiner Keynote eine Vielzahl an Technologien vor. Ein großer Technolgietrend ist die Blockchain, die während des Future Music Camps immer wieder Thema war. Vor allem im Kampf gegen den Ticket-Schwarzmarkt könnte mit der Blockchain ein echter Fortschritt gemacht werden. Einige Acts, darunter Kraftwerk oder Imogen Heap, nutzen die Blockchain bereits.

Unter dem Schlagwort Distributed Commerce versteht man das Einbinden von E-Commerce-Funktionen in Plattformen von Dritten, in welchen die Kunden aktiv sind und diese Plattform gar nicht mehr verlassen müssen, um Käufe zu tätigen. Ein Bespiel ist hierbei der Verkauf von Tickets direkt in Spotify, während Spotify selbst aber nur Mittelsmann ist. Beim Social Commerce kaufen Freunde zusammen in einem Webshop ein. So können zum Beispiel Freunde zusammen Festival-Tickets kaufen.

Messenger trumpfen gegen Social Media

Eine weitere spannende Technologie ist der Einsatz von Bots im Marketing und im Kundenservice. David Pichsenmeister von oratio stellte in seiner Keynote fest, dass Messenger heute der relevanteste Kommunikationskanal sind und sehr hohe Interaktionszahlen mit dem Nutzer aufweisen. Mit der Hilfe von Bots kann das Messenger-Marketing auf ein nächstes Level gebracht werden.

Wesley A-Harrah von Music Ally präsentierte eine Reihe an Augmented- und Virtual-Reality-Projekten, die bereits in der Musikbranche umgesetzt wurden. Diese Technologien versprechen aufgrund ihres Multimedia-Ansatzes für die Branche noch viel Potenzial.

Marketing in der Live-Branche

Spannende Ideen rund um das Thema Marketing lieferte Sebastian Aab von Cosmopop in seiner Keynote. "Wenns geil ist will jeder hin", so Sebastians Philosophie von Veranstaltungs-Marketing. Veranstalter sollten mehr ins Event als ins Marketing investieren.

"Leute werden wählerisch. Man geht nicht irgendwo hin, Leute gehen gezielter weg."

Nur Werbung für ein Event zu machen sei heute teuer, ineffektiv und nicht nachhaltig. Veranstalter sollten "denken als wären wir Disneyland", so Sebastian. Es ginge darum, Storys und Motive zu entwickeln, die auch mal kitschig sein dürften. Wichtig sei, dass die Besucher selbst in den sozialen Netzwerken vom Event berichten, Fotos und Videos posten. Das sei mehr wert, als selbst Unmengen an Geld für bezahlte Werbung zu investieren.

Ein soziales Netzwerk, welches besonders für das Teilen von Event-Content geeignet ist, ist Instagram. Da Facebook vor allem in der jüngeren Zielgruppe mehr und mehr an Relevanz verliert und aufgrund von den Datenskandalen in letzter Zeit deutlich unattraktiver wird, könnte Instagram deutlich spannender für die Branche werden. Chiara Michieletto von Music Ally gab wertvolle Tipps zum Umgang mit Instagram.

Mannheim, bis nächstes Jahr – Jubiläumsjahr!

Nach diesen zwei sehr intensiven und inspirierenden Tagen dürfen wir gespannt sein welche Themen uns nächstes Jahr erwarten, wenn die Popakademie schon zum zehnten Future Music Camp einlädt.

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