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"Versucht positiv zu bleiben!"

Durchhalten in der Coronakrise: Doro Pesch teilt ihre Tipps zur Motivation

Interview von Frank Wilkens
veröffentlicht am 18.12.2020

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Durchhalten in der Coronakrise: Doro Pesch teilt ihre Tipps zur Motivation

Doro Pesch. © Rudi Brand

Der Umgang mit der Coronapandemie verlangt eine Menge von der Musikbranche ab. Die Krise ist mit aller Wucht zu spüren, was schnell Stillstand und Resignation bedeuten kann. Wie hält man das eigene Durchhaltevermögen aufrecht, während sich alles von einem Lockdown zum nächsten hangelt? Metal-Queen Doro Pesch berichtet, wie sie mit der aktuellen Situation umgeht.

Doro Pesch leidet als überzeugte Live-Performerin sehr unter den Tournee-Absagen. Sie nutzte die Zeit, um sich mit ihrem Song-Archiv zu beschäftigen und in diesem November eine spezielle Best-Of zu veröffentlichen.

Doro Pesch über ihr Corona-Jahr

"Da alle Tourneen und Festivals abgesagt wurden, konnte ich in der Zeit an meinem Projekt Magic Diamonds – Best of Rock, Ballads & Rare Treasures arbeiten. Allein das Sichten von alten Aufnahmen, von VHS über Demotapes bis hin zu seltenen DAT-Aufnahmen, hat mächtig Spaß gemacht. Es ist vor allem sehr wichtig, dass man als Musiker nicht in Depressionen verfällt.
[Solltest du bei dir entsprechende Tendenzen bemerken, lies bitte unseren Artikel zu diesem komplexen Thema; Anm.d.Red.]

Egal ob man Drummer, Keyboarder oder Bassist ist, man sollte die Zeit nutzen, um sich selbst weiter zu entwickeln und einige Techniken verfeinert. Wenn es dann endlich wieder mit den Konzerten losgeht, ist man umso besser vorbereitet. Jetzt ist die Zeit, um sich ins stille Kämmerlein zurück zu ziehen und starke Texte und schöne Melodien zu schreiben.

Wichtig ist, dass ihr immer dran bleibt und einfach weiter macht. Versucht einfach positiv zu bleiben. Auch wenn das nicht einfach ist, weil viele in der Veranstaltungsbranche auch finanziell stark gebeutelt sind. Ich habe von einigen privaten Schicksalen gehört, gerade in der Veranstaltungstechnik ist es aktuell sehr schwierig. Jetzt ist die Zeit, dass man sich einfach mal um sich selber kümmert und sich im Proberaum verkriecht. Es ist auch die richtige Zeit, um aktuelle Kontakte zu pflegen und alte Kontakte wieder aktiviert [lest dazu auch Doktor Nic; Anm.d.Red.]. Ruft „alte“ Musikerkumpel an, vielleicht ergeben sich ja tolle Synergien. Heutzutage kann man sich ja kontaktlos auch Files zuschicken.

Egal, ob in der Musik oder auch im Sport: Am Ball bleiben und weiter trainieren, damit man gut aufgestellt ist, wenn es weiter geht. Ich habe viele Musiker-Kollegen in der New Yorker Metalcore-Szene, die trainieren jetzt in dieser Zeit für den kommenden Iron Man Wettbewerb. So etwas inspiriert mich auch immer persönlich. Es ist immer hilfreich, wenn man im Umfeld Leute dabei hat, die positive Vibes verbreiten.

Ich persönlich nutze die Zeit momentan auch, mich um eine Herzensangelegenheit zu kümmern. Ich setze mich sehr für den Tierschutz ein. Vor einiger Zeit habe ich in den USA eine Frau kennen gelernt, die betreut ehemalige Rennpferde. Wenn diese Pferde ein gewisses Alter erreicht haben, meist etwa vier bis fünf Jahre, dann bringen sie bei den Pferderennen nicht mehr viel Geld und werden von den Besitzern ausgemustert. Die Frau hat Liberty's Home gegründet und nimmt sich solcher ausgemusterten Tiere an. Ich bin jetzt mit dabei und unterstütze die Arbeit, wo es nur geht.

Zudem bin ich ständig mit den Fans im Kontakt. Das klappt sehr gut über Patreon. Da trifft man die ganzen Die-Hard Fans. Dort kann ich alte Konzertbilder, Demo-Aufnahmen, Bilder aus dem uralten Proberaum, alte Bühnenausrüstung und viele andere Gimmicks einsetzen und bleibe somit abseits der Norm wie Facebook und Co. im Kontakt zur Fanbase. Auch viele Plattformen [Alle Artikel dazu; Anm.d.Red.] versuchen ja, mit Streaming-Ideen den Kontakt zwischen Musiker und Fan so lebendig wie es geht möglich zu machen."

Bleibt motiviert!

Vielen Dank für deinen Input, Doro!

Irgendwann sind die Kulturschaffenden und Kreativwirtschaftler wieder da. Und bis dahin gilt es, konkrete Pläne für die Zukunft zu gestalten und die eigene Karriereentwicklung zu überdenken. Den Willen und den Mut zu finden, neue Wege zu gehen, anstatt an althergebrachten Standards zu kleben. Dafür ist Kreativität gefragt – bleibt also open minded und motiviert! Und lasst uns in den Kommentaren gerne wissen, wie eure aktuelle Lockdown-Durchaltestrategie ausschaut.

In einem weiteren Artikel wird sich noch ACCEPT-Gitarrist Wolf Hoffmann zu diesem Thema äußern.

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