Ergebnis einer Langzeitstudie der GEMA
Im Radio läuft immer weniger deutschsprachige Musik
© Anthony via Pexels
Für ihren Radio-Report, das am 12. März 2025 erschienen ist, untersuchte die GEMA ab dem Jahr 2013 das Programm von 139 Radiosendern in Deutschland. In deren Auftrag analysierten zwei externe Dienstleister das Programm der Sender anhand mehrerer Kriterien, sogenannte "Kulturfaktoren".
Dazu gehören "Programmvielfalt", "Nischenrepertoire", "Musikredaktionelle Inhalte" und "Deutschsprachige Musik". Die Entwicklung des letztgenannten Kriteriums wird von der GEMA als besorgniserregend wahrgenommen.
Tendenz deutlich sinkend
Im Jahr 2013 lag der Anteil bei 15,9 Prozent bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und 10,2 Prozent bei den Privatsendern. Elf Jahre später lag der Anteil bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auf 10,3 Prozent, während deutschsprachige Musik mittlerweile mit 3,2 Prozent nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.
Beim Privatradio verschärfte sich der Rückgang insbesondere in den letzten fünf Jahren. 2020 lag der Anteil noch bei 7,4 Prozent, bereits 2022 fiel er auf 4,1 Prozent.
Im Jahr 2024 hatten nur 10 Prozent der ausgewerteten Sender mehr als 20 Prozent deutschsprachige Musik im Programm. Die höchsten Anteile hatten auf Schlager spezialisierte Sender wie BR Schlager, wo der Anteil bei fast 100 Prozent lag.

Die Zahl der deutschsprachigen Songs im Radio nimmt stetig ab, © GEMA
Starke Unterschiede bei Programmvielfalt und Nischenrepertoire
Im Jahr 2024 spielten die öffentlich-rechtlichen Sender rund 10.000 unterschiedliche Titel, wohingegen es bei den privaten Sendern nur 2.300 unterschiedliche Titel waren. Gegenüber dem Jahr 2013 ist die Anzahl bei beiden leicht angestiegen, damals waren es 7.915 bzw. 2.170 unterschiedliche Titel.
Das Nischenrepertoire, worunter in der GEMA-Auswertung u. a. Jazz, Klassik und Volksmusik fallen, machte im Jahr 2024 bei den öffentlich-rechtlichen Sendern einen Anteil von 28,2 Prozent, bei den privaten Sendern jedoch nur 4,3 Prozent. In beiden Fällen handelt es sich um einen deutlichen Anstieg gegenüber dem ersten Jahr der Auswertung (19,7 bzw. 0,8 Prozent).

Der Anteil von Nischenmusik hat in den letzten Jahren zugenommen, © GEMA
Musikredaktionelle Inhalte, worunter in der Auswertung Interviews mit Musiker*innen, Konzertberichte und die Vorstellung musikalischer Neuerscheinungen fallen, machten im Jahr 2024 einen Anteil von 2,5 Prozent – ein leichter Anstieg gegenüber den 2,2 Prozent von 2013. Dort führt seit seinem Sendestart im Jahr 2023 der Privatsender ByteFM mit über 12 Prozent das Ranking an.
Reaktionen der GEMA
Dr. Ralf Weigand, Vorsitzender des GEMA-Aufsichtsrates und Mitglied im Hörfunkausschuss, beurteilt diese Zahlen sehr kritisch:
"Eine lebendige Musikkultur braucht Vielfalt, innovative Musik und muss Startrampen für Nachwuchskünstler bereitstellen. (...) Gerade in Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Kulturwellen eingespart werden, appellieren wir an die Programmverantwortlichen: Vergesst unsere Sprache und die Musik abseits des Mainstreams nicht!"
Stephanie Scharmann, Abteilungsleiterin Verteilung Sendung/Online bei der GEMA, ist der Meinung, dass GEMA-Mitglieder "insbesondere von Radioprogrammen mit einer großen kulturellen Bandbreite" profitieren, und bezeichnet die Ergebnisse als "verteilungsrelevant" und würden "einen einzigartigen Überblick über die deutsche Radiolandschaft" geben.
Kritik von vielen Seiten
Die Kritik am sinkenden Anteil deutschsprachiger Musik ist nicht neu. Der BVMI hat vor einigen Jahren ganz ähnliche Kritik geäußert. Auch Verbände wie PRO Musik und andere Institutionen und Personen sehen Handlungsbedarf.
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