Für mehr Transparenz im Streaming
Indie-Organisation IMPALA fordert neue Regeln für Streaming-Markt
© Miguelangel Perez
Mit dem neuen Strategiepapier fasst IMPALA die wichtigsten Herausforderungen des digitalen Musikmarkts in fünf Ziele zusammen.
Aus Sicht des Verbandes ist eine Phase der Marktreife erreicht, in der Streaming mit fast einer Milliarde Premium-Abonnements sowohl weiteres Wachstum als auch Reformen im Markt möglich macht. Daher erhebt IMPALA folgende Forderungen:
Umsätze steigern und fair verteilen, Wertlücken schließen
Unterstützung für neue, aufstrebende und vielfältige Musik stark ausbauen
Vertrauen durch branchenweite Herkunftskennzeichnung schaffen
Betrug und KI-Verzerrung stoppen, verantwortungsvolle Modelle fördern
Klimabelastung reduzieren und kollektive Innovation stärken
Kritik an Monetarisierungsschwellen
Besonders deutlich kritisiert der Verband sogenannte Monetarisierungsschwellen bei Streamingdiensten. Dabei werden Titel erst ab einer bestimmten Anzahl an Streams vergütet und erhalten darunter keine oder nur geringe Einnahmen.
Paradebeispiel für diese Regelung ist Spotify, das erst Tantiemen auszahlt, wenn ein Track innerhalb eines Kalenderjahres 1.000 Streams von 50 verschiedenen Usern erreicht.
IMPALA bezeichnet diese Praxis als "grundlegend unfair" und fordert ihre Abschaffung. Stattdessen sollten Plattformen ihre Preismodelle und Gratisangebote überdenken. Jede gestreamte Aufnahme soll grundsätzlich vergütet werden, unabhängig von ihrer Reichweite.
Andere Vergütungssysteme
Der Verband verweist auf verschiedene mögliche Alternativen zur aktuellen Umsatzverteilung im Streaming. Dazu gehören Modelle, die beispielsweise die Länge von Songs stärker berücksichtigen oder Einnahmen zugunsten weniger häufig gestreamter Musik umverteilen.
Außerdem schlägt IMPALA gezielte Anreizsysteme vor, etwa für neue Veröffentlichungen, lokale Künstler:innen oder unabhängige Musik. Damit soll mehr Vielfalt entstehen und der Zugang zum Markt verbessert werden.
Herkunfts-Label für mehr Transparenz
Ein weiterer Bestandteil des Plans ist ein sogenanntes Provenienz-Framework. Dieses soll Musik nach Herkunft und Produktionsart kennzeichnen, wie etwa unabhängige Releases, große Label-Produktionen, Self-Releases oder KI-generierte Inhalte.
Ziel sei es, Vertrauen zu schaffen und Nutzer:innen sowie Plattformen bessere Orientierung im wachsenden digitalen Musikangebot zu geben.
Plattformen und Marktstruktur im Fokus
Neben der Vergütungsfrage kritisiert IMPALA auch die Struktur großer Streamingplattformen. Diese sollten in allen Märkten lokale redaktionelle Kompetenz aufbauen, um kulturelle Vielfalt und regionale Szenen besser abzubilden.
Zudem warnt der Verband vor zunehmenden Problemen durch automatisierte Inhalte, Betrug und KI-generierte Veröffentlichungen, die den Markt zusätzlich verzerren könnten.
Strenger Umgang mit KI
IMPALA fordert einheitliche Regeln für KI-generierte Musik sowie eine verpflichtende Offenlegung der eingesetzten Tools. Zwar begrüßt der Verband erste Kennzeichnungen durch Streamingdienste, sieht jedoch einen schnellen Aufbau eines branchenweiten Standards als notwendig an.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Identifikation von KI-Inhalten, sondern auch deren grundsätzliche Einordnung im Markt. Werke aus nicht lizenzierten KI-Tools sollen als rechtswidrig gelten und weder verbreitet noch vergütet oder empfohlen werden. Werke, die durch lizenzierte KI-Tools entstanden, sollen weder vergütet noch in den Empfehlungen vorgeschlagen werden.
IMPALA-Präsidentin Francesca Trainini verweist auf die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Künstler:innen und die gesamte Branche:
"Jüngste Berichte zeigen, was durch eine klare, dynamische Zusammenarbeit über die gesamte Branche hinweg erreicht werden kann. Die Chance für ein branchenweites Herkunftssystem ist eindeutig. Richtig umgesetzt werden Herkunftsstandards zur Grundlage für neue Entdeckungstools, Fan-Erlebnisse, Lizenzlösungen und kommerzielle Möglichkeiten in der gesamten digitalen Musikwirtschaft. Außerdem schlagen wir einen neuen Standardansatz dafür vor, wie mit KI-generierten Inhalten im Hinblick auf Töpfe für Tantiemen, Algorithmen und Empfehlungssysteme, Filterung sowie Uploads umgegangen wird, da dies mehr als nur eine Frage der Kennzeichnung ist."
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