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Abgekupfert?

Interpolation vs. Plagiat: Verletzt Taylor Swift auf ihrem neuen Album "Life of a Showgirl" Urheberrechte?

News von Antonia Freienstein
veröffentlicht am 15.10.2025

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Interpolation vs. Plagiat: Verletzt Taylor Swift auf ihrem neuen Album "Life of a Showgirl" Urheberrechte?

Taylor Swift (2025). © Universal Music

Kurz nachdem die US-amerikanische Musikerin Anfang Oktober ihr zwölftes Studioalbum veröffentlicht hat, bricht sie damit nicht nur reichlich Rekorde, sondern sorgt auch für einigen Diskussionsstoff. Unter anderem erinnern einige ihrer Songs stark an Werke anderer Artists. Einen Credit erhält jedoch lediglich George Michael. Das Internet wundert sich: Darf sie das?

Begibt man sich dieser Tage auf Social Media oder scrollt durch die aktuellen Newsheadlines kommt man kaum vorbei an Taylor Swift. Zwar ist das nicht wirklich ungewöhnlich, schließlich ist Swift eine der erfolgreichsten Künstlerinnen unserer Zeit und bricht mit ihrer Musik regelmäßig Streaming-, Verkaufs- und Tourrekorde – die aktuelle Stimmung ihr gegenüber, fällt jedoch deutlich gemischter aus als gewohnt.

Auslöser dafür: ihr aktuelles Album "Life of a Showgirl". Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, dass sich nun sogar einige sonst überzeugte "Swifties" über die Veröffentlichung enttäuscht zeigen.

Während viele Kritikpunkte dennoch eine Frage des Geschmacks bleiben, gibt es einen, der gerade aus musiktheoretischer Perspektive spannend ist: Auffällig viele der auf "Life of a Showgirl" vertretenen Songs erinnern stark an die Werke anderer Artists.

Zwischen zufälligen Ähnlichkeiten und bewusster Interpolation

Auf Instagram kursieren einige Videos, die eben diese Songs gegenüberstellen. So etwa "Life of a Showgirl" mit "Cool" von den Jonas Brothers, "Actually Romantic" mit "Where is My Mind" von den Pixies, "Wood" mit "I Want You Back" der Jackson 5, "Opalite" mit "Circles" von Post Malone oder "Be My Baby" der Ronettes.

Tatsächlich auf ein anderes Lied verwiesen, hat Swift jedoch nur im Fall von "Father Figure", einem Song, der auf den gleichnamigen Song von George Michael anspielt. Um den Musiker posthum zu würdigen, hat die Künstlerin die Erlaubnis seiner Erben eingeholt und ihren eigenen Song mit einem Credit an Michaels versehen.

Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass sich Songs ähneln können – mal passiert das rein zufällig, mal – wie auch im Fall von "Father Figure" - mit Bedacht. Dann lässt sich häufig von einem Sample oder einer Interpolation sprechen. Während bei einem Sample Originalelemente eines bereits existierenden Songs in einen neuen Song gemischt werden (wie etwa in ASAP Rockys "I Smoked Away My Brain (I’m God x Demons Mashup)"), wird bei einer Interpolation subtiler auf Melodien oder Lyrics anderer Songs angespielt.

Eines der wohl bekanntesten Beispiele stellt "Gangsta’s Paradise" von Coolio dar – eine Interpolation von Stevie Wonders "Pastime Paradise". Aber auch Selena Gomez interpoliert in "Bad Liar" die Bassline von "Psycho Killer" der Talking Heads; Deki Alem wiederum lassen sich in "Leave Me Alone" von den Drums aus Joy Divisions "Disorder" inspirieren.

Wichtig in der Unterscheidung zwischen Sample und Interpolation: Bei einer Interpolation werden die entsprechenden Elemente aus den Vorlagen nie eins zu eins übernommen. Stattdessen werden sie neu eingespielt und entfremdet.

Interpolation aus rechtlicher Perspektive

Im Fall von Taylor Swifts “Father Figure” zeigt sich, wie schmal der Grad zwischen Hommage und Urheberrechtsverletzung sein kann. Der Song nutzt nicht die Originalaufnahme von George Michael, sondern zitiert vielmehr die bekannte Zeile "I’ll be your father figure" und greift eine ähnliche, aber nicht identische Melodie auf. Damit handelt es sich um eine Interpolation, nicht um ein Sample.

Das ist nicht nur künstlerisch, sondern auch juristisch bedeutsam. Das deutsche Urheberrecht und das US-amerikanische Copyright unterscheidet zwischen zwei Rechten: dem Recht an der Komposition (Melodie, Harmonie, Text) und dem Recht an der Aufnahme (also der konkreten Studioaufnahme).

Wer einen Song covert, muss lediglich die Komposition lizenzieren - das ist meist, aber nicht immer unproblematisch. Wer aber einen Song sampelt, benötigt zusätzlich die Zustimmung der Rechteinhaber*innen der Originalaufnahme, was schwierig und teuer oder sogar unmöglich sein kann.

Interpolation umgeht diesen zweiten Schritt: Da das Material neu eingespielt wird, genügt die Erlaubnis der ursprünglichen Songwriter*innen. Diese erhalten im Gegenzug Credits und Tantiemen.

Wo fängt Interpolation an?

Für die anderen Songs auf "Life as a Showgirl", bei denen Fans und Hörer*innen Ähnlichkeiten bemerken, gibt es bislang keine offiziellen Angaben, dass diese Songs interpoliert wurden oder dass Rechteinhaber kontaktiert und Credits vergeben wurden. Sie werden demnach nicht als Interpolation gehandhabt. Wie jedoch kann man eine Grenze zwischen Interpolation und Ähnlichkeiten ziehen? Dieser Frage hat sich Musiker und Produzent Charlie Puth in einem Video auf seinem Instagram-Account angenommen.

"Es gibt nur zwölf Noten auf der Tonleiter", erklärt Puth, "Wenn man einen neuen Song schreibt, wird es zwangsläufig Überschneidungen mit älteren Songs geben." Trotzdem zieht er eine Grenze - von ihm so genannte "The four-note-threshold".

"Wenn dein neuer Song die ersten vier Noten eines alten Songs teilt, ist das in Ordnung", führt er seine Theorie aus, wenn aber auch die fünfte Note gleich sei, bewege man sich im Bereich der Interpolation.

Puth betont, dass Artists einander manchmal auch unabsichtlich interpolieren und das selten böswillig geschehe. "Wir sollten aufhören, das zu dämonisieren. Sampling und Interpolation gibt es schon sehr lange und es ist schon großartige Musik dadurch entstanden."

Charlie Puth ist demnach der Meinung: Ähnlichkeiten sind Teil des kreativen Prozesses und nicht zwangsläufig ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Ausschlaggebende Aspekte

Der Stuttgarter Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht Dr. Ralf Kitzberger erklärt im Interview mit Backstage PRO, dass bereits einzelne musikalische Elemente - etwa ein markantes Gitarrenriff - geschützt sein können, sofern sie eine gewisse “Schöpfungshöhe” erreichen, also kreativ und prägend genug sind.

Entscheidend sei, ob ein Song “eigenpersönliche Züge” trägt, die zum Wiedererkennungswert des Werkes beitragen. Reine Akkordfolgen, gängige Songstrukturen oder Stimmungen seien dagegen nicht geschützt. “Schutzfähig ist nicht die Idee eines Riffs, sondern die konktrete Ausgesaltung – Tonfolge, Rhythmus, Phrasierung, Wiederholung”, so Kitzberger.

Das bedeutet: Auch kurze, prägnante musikalische Motive können in Deutschland urheberrechtlichen Schutz genießen, wenn sie individuell genug sind. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass viele der Ähnlichkeiten, die Fans in Swifts neuen Songs hören, rechtlich wohl nicht als Verletzung gelten würden: Die betreffenden Melodien und Akkordfolgen bewegen sich meist im Bereich des allgemein Üblichen.

Taylor Swift scheint sich bezüglich einiger ihrer anderen Lieder demnach in einer kreativen Grauzone zu bewegen: Ihre neuen Songs sind musikalisch eigenständig und gelten nach dem aktuellen Stand nicht als Interpolation, erinnern dennoch stark an bekannte Vorgänger.

Während sie sich damit wohl noch im Rahmen des Erlaubten bewegt, sehen viele Kritiker*innen darin ein Problem. In den Kommentarspalten in den Sozialen Medien heißt es unter anderem: “This is the laziest album she’s ever put out. From lyrics to riff.”

Ob Taylor Swift auf ihrem neuen Album in der Wiederholung von Erfolgsformeln stecken geblieben ist oder kreativ mit musikalischen Zitaten spielt, bleibt Ansichtssache. Sicher ist nur: Die Debatte um Urheberrecht, Kreativität und Originalität im Pop ist mit “Life of a Showgirl” um ein weiteres spannendes Kapitel reicher geworden.

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