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Herausforderungen und neue Perspektiven

Jürgen Grambeck und Emmi Jugel vom Béi Chéz Heinz in Hannover über den Umzug des Clubs und Ausschreibungen bei BackstagePRO

Interview von Daniel Nagel
veröffentlicht am 14.01.2026

liveszene

Jürgen Grambeck und Emmi Jugel vom Béi Chéz Heinz in Hannover über den Umzug des Clubs und Ausschreibungen bei BackstagePRO

Jürgen Grambeck, Geschäftsführer des Béi Chéz Heinz. © privat

Das Béi Chéz Heinz ist ein deutschlandweit bekannter Musikclub in Hannover. Wir sprachen mit dem langjährigen Geschäftsführer Jürgen Grambeck und Azubi Emmi Jugel über den bevorstehenden Umzug, Zukunftspläne, die neue Konzertreihe "Local Distortion" und die Ausschreibungen bei BackstagePRO.

BackstagePRO: Das Béi Chéz Heinz ist ein legendärer Musikclub in Hannover. Für alle, die ihn vielleicht dennoch nicht kennen: Kannst du den Club kurz vorstellen, Jürgen?

Jürgen Grambeck: Das Béi Chéz Heinz ist weit über 30 Jahre alt, befindet sich im Keller des Fössebads in dem studentisch geprägten Stadtteil Linden-Limmer und hat eine Kapazität von ca. 400 Besuchenden. Der Schwerpunkt des Béi Chéz Heinz ist eindeutig Live-Musik, insbesondere aus den Bereichen Punk, Hardcore und Metal. Das verändert sich aber auch immer mit den Bedürfnissen der Besuchenden. 

Emmi Jugel: Es hängt natürlich auch immer ein wenig von den Teammitgliedern ab. Aktuell haben wir viele Leute, die in diesen Genres zuhause sind und über viele Kontakte verfügen. Aber wir sind alle nicht festgefahren und auch offen für anderes. 

BackstagePRO: Jürgen, wie kam es, dass du Geschäftsführer wurdest?

Jürgen Grambeck: 1994 haben wir den Verein Béi Chéz Heinz gegründet und einen Vorstand gebildet, in dem ich den Posten des Kassierers übernahm. Anfangs handelte es sich um ein Ehrenamt, die Arbeit wurde im Verlauf der Zeit aber immer mehr, so dass wir die Strukturen professionalisieren mussten. Ab 1996 wurde ich dann zum Geschäftsführer berufen und seitdem bin ich dem Béi Chéz Heinz treu geblieben.

BackstagePRO: Wie finanziert ihr euch?

Jürgen Grambeck: Wir finanzieren uns durch die Einnahmen, die das Programm generiert. Dabei bemühen wir uns, diese Veranstaltungen sehr wirtschaftlich durchzuführen. Wir verfügen aber über ein sehr starkes zweites Standbein durch die Vermietungen unserer Räumlichkeiten für private Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten. Wir erhalten aber keine regelmäßigen Gelder vom Staat oder der Kommune. Es existiert aber eine Kooperation mit der Stadt Hannover, die eine Auszubildende oder einen Auszubildenden finanziert.

Der Saal des Béi Chéz Heinz am aktuellen Standort

Der Saal des Béi Chéz Heinz am aktuellen Standort, © BCH

BackstagePRO: Es überrascht mich, dass ihr nicht regelmäßig Geld von der Stadt Hannover erhaltet. 

Jürgen Grambeck: Man darf den finanziellen Umfang der Förderung durch die Stadt aber nicht unterschätzen. Eine Azubi-Stelle kostet mit Lohnnebenkosten 16.000 Euro im Jahr. Die Azubis bleiben in der Regel drei Jahre, das sind schon 48.000 Euro. Zudem werden die Azubis noch für zwei weitere Jahre übernommen und nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt, was ebenfalls die Stadt bezahlt. Da kommen also beträchtliche Summen zusammen.

BackstagePRO: Ihr habt dieses Jahr den Programmstättenpreis APPLAUS erhalten. Was bedeutet der Preis für euch?

Jürgen Grambeck: Ich denke, der Preis würdigt unsere vielfältige Programmplanung und unser Bemühen, eine gute Anlaufstelle für Live-Musik zu sein.

BackstagePRO: Emmi, du arbeitest auch beim Béi Chéz Heinz. Was machst du da genau?

Emmi Jugel: Ich bin Auszubildende Veranstaltungskauffrau im zweiten Lehrjahr. Primär kümmere ich mich um das Booking und die Organisation von Konzerten. Ich bin auch für die neue Konzertreihe "Local Distortion" zuständig, die im Januar 2026 startet und die monatlich stattfinden soll. 

BackstagePRO: Um was für eine Art Veranstaltung handelt es sich bei "Local Distortion"?

Emmi Jugel: Wir wollen Bands aus Hannover und der erweiterten Region eine Bühne bieten. Es gibt so viele Bands aus verschiedenen Genres und genau die möchte ich einladen, an "Local Distortion" teilzunehmen. Vielleicht veranstalten wir sogar am Ende des Jahres ein kleines Festival, bei dem Bands, die an dem Format mitgewirkt haben, nochmal auf der Bühne stehen.

BackstagePRO: Ihr sucht bei BackstagePRO Bands für "Local Distortion". Warum nutzt ihr die Plattform?

Emmi Jugel: Tatsächlich haben Arbeitskollegen mir den Tipp gegeben, BackstagePRO auszuprobieren. Ich verfüge natürlich über einige Kontakte, aber durch BackstagePRO habe ich viele Bands kennengelernt, die ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Plattform war auf jeden Fall sehr hilfreich dazu, das Line-up der ersten Ausgabe zusammenzustellen, das jetzt auch feststeht. 

BackstagePRO: Hast du alle Bands bei BackstagePRO ausgewählt?

Emmi Jugel: Zwei der drei Bands, die am 24. Januar auftreten werden, habe ich bei BackstagePRO ausgewählt, mit der dritten Band bestand schon vorher Kontakt. Ich finde, es ist ein stimmiges, cooles Package und ich bin gespannt auf die Premiere.

BackstagePRO: Wirst du künftig weitere Ausschreibungen für "Local Distortion" auf BackstagePRO starten?

Emmi Jugel: Ja, auf jeden Fall, da es sich gezeigt hat, dass man durchaus unbekannte Bands findet. Aktuell läuft die Ausschreibungsphase für Local Distortion am 26. März.

BackstagePRO: Wie würdest du die Musikszene in Hannover beschreiben?

Emmi Jugel: Ich finde sie tatsächlich sehr stark und unterschätzt. Wir haben auch viele kleine Clubs, die unabhängig agieren und primär DIY-Konzerte im Punk- und Hardcore-Bereich veranstalten – und das völlig ohne Subventionen. Das zeigt, dass die Underground-Musikszene unheimlich stark und offen für Kooperationen ist. Es gibt auch sehr viele neue, junge Bands, die Bock haben zu spielen und etwas zur Musikszene beizutragen und das würden wir gerne unterstützen.

BackstagePRO: Hannover ist ja UNESCO City of Music, ebenso wie Mannheim. Hat dieser Titel in der Praxis eine Bedeutung, beispielsweise im Anspruch der Stadt oder läuft das eher so nebenher? In Mannheim ist es schwer, diesen Titel in der Praxis auch zu leben.

Emmi Jugel: Ich glaube, das ist hier sehr ähnlich. Es ist natürlich schön für Hannover, sich mit diesem Titel zu schmücken. In letzter Zeit ging es aber immer wieder darum, dass kleine Clubs verdrängt werden, ohne dass Alternativen angeboten wurden. Diese Clubs sind aber doch alles auch kulturelle Orte, die mehr Unterstützung verdient hätten, damit sie am Leben bleiben und weiterhin etwas zur Musikkultur beitragen. Daher finde ich es schwierig, sich mit dem Titel UNESCO City of Music zu identifizieren, weil man nicht so viel mitbekommt.

Jürgen Grambeck: Der Titel UNESCO City of Music hat uns beim Béi Chéz Heinz noch überhaupt nichts gebracht. Die Stadt Hannover selbst – jenseits des Kulturbüros, wo UNESCO City of Music angesiedelt ist – bemüht sich aber durchaus, dass Clubs erhalten werden bzw. neue Standorte finden. Dafür ist aber nicht die Abteilung UNESCO City of Music verantwortlich, sondern die Abteilung Sport- und Eventmanagement. Es kann sein, dass die Ressourcen in der Stadt nicht richtig verteilt sind, aber wenn man diesen Titel hat, müsste man einfach mehr tun. 

BackstagePRO: Ihr seid im Fössebad in Hannover beheimatet, aber es steht ein Umzug ins Musiktheater BAD bevor, weil das Fössebad völlig neu gebaut wird. Wie kamt ihr zum neuen Standort?

Jürgen Grambeck: Das Musiktheater BAD war einmal ein Freibad, daher erklärt sich der Name. Das Schwimmbecken wurde schon seit den 1980er Jahren als Veranstaltungsort für zahlreiche Konzerte genutzt. Es handelt sich um eine Stätte mit sehr viel Geschichte. Nirvana haben dort gespielt, Helge Schneider ist dort aufgetreten. In den letzten Jahren ist es allerdings in eine Art Dornröschenschlaf verfallen. 

BackstagePRO: Was hältst du von dem neuen Standort?

Jürgen Grambeck: Das Musiktheater BAD liegt direkt an den Herrenhäuser Gärten. Es ist eine coole Sache, wenn mit dem Béi Chéz Heinz und dem Punkerclub Kopi zwei subkulturelle Institutionen in die unmittelbare Nähe ziehen – und das auch mit Unterstützung der Stadt. Der neue Standort ist ein bisschen weiter draußen als das Fössebad, aber mit dem Fahrrad liegen beide Orte nur 5-7 Minuten auseinander. Zu Fuß ist es etwas weiter und es zählt sicher auch zu unseren Aufgaben, die fußläufige Erschließung des neuen Standorts zu verbessern.

BackstagePRO: Wie wird der Umzug ablaufen?

Jürgen Grambeck: Wir haben demnächst einen Notartermin, bei dem der Kaufvertrag unterzeichnet wird. Anschließend schließen wir einen neuen Erbbaurechtsvertrag mit der Stadt Hannover. Wir werden also erstmals Eigentümer unserer Location sein, was auch im Umgang mit den Räumlichkeiten eine ganz neue Situation schafft. Anschließend wollen wir einen Nutzungsänderungsantrag stellen, da wir alles auf rechtlich sichere Füße stellen möchten. 

BackstagePRO: Wie unterscheidet sich der neue Standort von der bisherigen Location?

Jürgen Grambeck: Das neue Gelände ist deutlich größer als das bisherige. Wir haben jetzt ca. 660 Quadratmeter und werden künftig ca. 850 Quadratmeter Fläche haben. Außerdem verfügt das Musiktheater BAD über einen Außenbereich, nämlich das alte Schwimmbecken, in dem wir auch Open Air-Konzerte veranstalten wollen. Unser Plan besteht darin, dafür eine dauerhafte Genehmigung zu erhalten, damit wir im Frühjahr, Sommer und vielleicht auch im Herbst ständig Veranstaltungen im Freien durchführen können. Damit wird eine solche Location natürlich sehr interessant, weil es die Menschen im Sommer natürlich ins Freie zieht. Ich halte das auf jeden Fall für einen Standortvorteil.

Der Außenbereich des Musiktheaters BAD, der künftige Standort des Béi Chéz Heinz

Der Außenbereich des Musiktheaters BAD, der künftige Standort des Béi Chéz Heinz, © bch

BackstagePRO: Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Jürgen Grambeck: Wir benötigen für den Umzug viel Geld und das zusammenzubekommen wird eine Herausforderung. Da aber die neue Location unser Eigentum sein wird, müssen wir alles auch nicht sofort umsetzen. Wir können vieles schrittweise angehen. Wir denken außerdem über Soli-Veranstaltungen und ähnliches nach, die wir aber gar nicht unbedingt brauchen. Uns hilft es, wenn die Menschen einfach massenhaft unsere Konzerte besuchen. Bei jedem gut besuchten Konzert machen wir kein Defizit und jeder Euro, den wir erwirtschaften, hilft bei der Realisierung des Umzugs. Das wäre die beste Solidarität, die uns passieren könnte.

BackstagePRO: Wenn man sich Bilder der neuen Location Musiktheater BAD ansieht, so sieht das ganz schön wüst aus. Es gab ja auch einen Brandanschlag mit einem Molotow-Cocktail. Wie viel ist zu tun, bis ihr dort einziehen könnt?

Jürgen Grambeck: Der Brandschaden ist beseitigt, von diesen Schäden ist nichts übrig geblieben. Allerdings muss die gesamte Elektroverkabelung neu gemacht werden, was aber nach 40 Jahren sowieso notwendig gewesen wäre.

Der Innenbereich des Musiktheaters BAD, künftiger Standort des Béi Chéz Heinz

Der Innenbereich des Musiktheaters BAD, künftiger Standort des Béi Chéz Heinz, © BCH

BackstagePRO: Wie siehst du die neue Location, Emmi?

Emmi Jugel: Ich war zuerst erschlagen, weil es ziemlich wüst aussieht, wie du richtig sagst. Aber wir haben dann auch angefangen zu träumen, gerade bezüglich des Außengeländes. Wir sind eigentlich guter Dinge, dass wir nach dem Umzug neue Möglichkeiten haben.

BackstagePRO: Wie ist denn der zeitliche Rahmen des Umzugs?

Jürgen Grambeck: Offiziell ist der Stand, dass wir zum 31.12.2026 unseren Betrieb im Fössebad einstellen müssen, aber es gibt deutliche Signale der Stadt, dass der Zeitraum verlängert werden könnte, vielleicht sogar bis in die 2. Jahreshälfte 2027. Ganz genau kann man das aber noch nicht kalkulieren. Eine Verlängerung wäre für uns ideal, weil wir nicht so unter Zeitdruck stünden. Die Genehmigung des Bauantrags wird nämlich Monate dauern und daher werden wir vor Mai oder Juni 2026 nicht mit dem Vorhaben starten können. 

BackstagePRO: Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Lokale Bands gesucht! LOCAL DISTORTION 26.03.2026 Hannover

Lokale Bands gesucht! LOCAL DISTORTION 26.03.2026 Hannover

26.03.2026, Béi Chéz Heinz, Hannover

26.03.2026, Hannover
Béi Chéz Heinz

Angebot von: Béi Chéz Heinz Veranstaltungszentrum Hannover
Datum: Donnerstag, 26. März 2026, 20:00
Location: Béi Chéz Heinz , 30453 Hannover
Gesuchte Acts: Band
Lokale Acts bevorzugt!
Genre: Rock, Metal, Alternative/Independent, Punk/Hardcore, Rock'n'Roll/Rockabilly
Freie Slots: 1
Bestätigt: No Man's Army und 2LetGo
Gage: Doordeal/Gewinnbeteiligung
Backline: Teilweise vorhanden, Rest nach Absprache

Gepostet am 15. Dezember 2025   12

Locations

Béi Chéz Heinz

Béi Chéz Heinz

Liepmannstraße 7b, 30453 Hannover

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