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Verteidiger der E-Musik

Musikhochschulen äußern scharfe Kritik an Plänen zur Reform der GEMA‑Kulturförderung

News von BackstagePRO
veröffentlicht am 04.03.2026

gema kulturförderung

Musikhochschulen äußern scharfe Kritik an Plänen zur Reform der GEMA‑Kulturförderung

© AfroRomanzo via pexels.com

In einem Offenen Brief wendet sich die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) an Vorstand und Aufsichtsrat der GEMA und kritisiert die derzeitige Version des Reformvorhabens zur Neuausrichtung der Kulturförderung scharf. Allerdings ignoriert der offene Brief alle Argumente, die für eine Reform sprechen.

Die Initiative der RKM richtet sich anlässlich des anstehenden Entscheidungsprozesses innerhalb der GEMA‑Mitgliedschaft: Im Mai 2026 soll auf der ordentlichen Mitgliederversammlung über einen überarbeiteten Reformantrag zur Kulturförderung abgestimmt werden.

Der Reformprozess war bereits im vergangenen Jahr gestartet worden, nachdem ein früherer Vorschlag zur Umgestaltung des Förder- und Verteilungssystems knapp gescheitert war.

Zerstörung solidarischer Strukturen

In ihrem Schreiben kritisieren die deutschen Musikhochschulen insbesondere, dass zentrale Fragen zur Wirkung der Reform auf Komponist:innen im Bereich der ernsten Musik (E‑Musik) offen geblieben seien. Nach Ansicht der RKM werden durch die geplanten Änderungen bestehende solidarische Strukturen zerstört.

Dies betreffe unter anderem Zugangsvoraussetzungen zur Mitgliedschaft und damit verbundene demokratische Rechte, mögliche finanzielle Einbußen für Berufsanfänger:innen und Nachwuchskomponist:innen sowie eine verstärkte Ausrichtung der Förderung nach marktwirtschaftlichen Kriterien.

Marginalisierung der E-Musik?

Die Rektoren warnen vor einer potenziellen Marginalisierung der E‑Musik und einer negativen Auswirkungen auf die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.

Zudem bemängeln sie mangelnde Transparenz über neue Verteilungsmechanismen und fordern eine detaillierte Aufklärung über die konkreten Effekte der Reform. 

Bisheriges System ist untragbar

An diesem Statement erstaunt, dass die GEMA klar kommuniziert hat, dass sie sich deshalb von dem bestehenden Kulturförderungssystem verabschieden will, weil es E-Komponisten krass bevorzugt.

Die im Wesentlichen vom U-Musik-Bereich erwirtschafteten Gelder werden zu einem beträchtlichen Teil an Komponisten aus dem Bereich E-Musik ausgeschüttet, was angesichts der stetig abnehmenden Zahl der E-Musik-Komponisten von der GEMA (und weiten Teilen der Mitglieder) als untragbar empfunden wird. 

Starke Ungleichgewichte

Die RKM sollte es auch nachdenklich stimmen, dass die Top 50 der E-Musik-Komponisten durchschnittlich 56.000 Euro aus der bisherigen Förderung kassieren. Es drängt sich daher die Frage auf, ob die Kulturförderung einer Verwertungsgesellschaft das Niveau eines komfortablen Berufs-Einkommens erreichen sollte. 

Zudem funktioniert die vielbeschworene Nachwuchsförderung im bisherigen System erkennbar schlecht. Mehr als die Hälfte der geförderten E-Musik-Komponisten ist nach Angaben der GEMA älter als 60 Jahre und nur 124 (6 Prozent!) unter 40 Jahre. Es scheint nicht so zu sein, dass die Nachwuchsförderung des existierenden Systems besonders gut funktioniert.

Einfach immer weiter?

Es ist außerdem fraglich, ob der teilweise martialische Ton des Briefs hilfreich ist [PDF]. So spricht die RKM von der "absehbaren Strangulierung des Berufszweigs der E-Komponisten" und kritisiert die "Opferung eines seinerseits bewusst geschaffenen Solidarsystems zugunsten von marktgetriebenen Inkasso-Prinzipien, nach bester neoliberal-kapitalistischer Manier."

Die RKM stellt aber nicht die Frage, warum U-Musik-Songwriter und Textdichter in Ewigkeit dazu verpflichtet sein sollten, das bestehende, krass ungleiche Fördersystem fortzuführen, ohne selbst gleichberechtigt daran zu partizipieren. "Kulturell bedeutende Werke" entstehen sicherlich nicht nur im Bereich der E-Musik.

Unternehmen

GEMA

Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik

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