Verteidiger der E-Musik
Musikhochschulen äußern scharfe Kritik an Plänen zur Reform der GEMA‑Kulturförderung
© AfroRomanzo via pexels.com
Die Initiative der RKM richtet sich anlässlich des anstehenden Entscheidungsprozesses innerhalb der GEMA‑Mitgliedschaft: Im Mai 2026 soll auf der ordentlichen Mitgliederversammlung über einen überarbeiteten Reformantrag zur Kulturförderung abgestimmt werden.
Der Reformprozess war bereits im vergangenen Jahr gestartet worden, nachdem ein früherer Vorschlag zur Umgestaltung des Förder- und Verteilungssystems knapp gescheitert war.
Zerstörung solidarischer Strukturen
In ihrem Schreiben kritisieren die deutschen Musikhochschulen insbesondere, dass zentrale Fragen zur Wirkung der Reform auf Komponist:innen im Bereich der ernsten Musik (E‑Musik) offen geblieben seien. Nach Ansicht der RKM werden durch die geplanten Änderungen bestehende solidarische Strukturen zerstört.
Dies betreffe unter anderem Zugangsvoraussetzungen zur Mitgliedschaft und damit verbundene demokratische Rechte, mögliche finanzielle Einbußen für Berufsanfänger:innen und Nachwuchskomponist:innen sowie eine verstärkte Ausrichtung der Förderung nach marktwirtschaftlichen Kriterien.
Marginalisierung der E-Musik?
Die Rektoren warnen vor einer potenziellen Marginalisierung der E‑Musik und einer negativen Auswirkungen auf die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen.
Zudem bemängeln sie mangelnde Transparenz über neue Verteilungsmechanismen und fordern eine detaillierte Aufklärung über die konkreten Effekte der Reform.
Bisheriges System ist untragbar
An diesem Statement erstaunt, dass die GEMA klar kommuniziert hat, dass sie sich deshalb von dem bestehenden Kulturförderungssystem verabschieden will, weil es E-Komponisten krass bevorzugt.
Die im Wesentlichen vom U-Musik-Bereich erwirtschafteten Gelder werden zu einem beträchtlichen Teil an Komponisten aus dem Bereich E-Musik ausgeschüttet, was angesichts der stetig abnehmenden Zahl der E-Musik-Komponisten von der GEMA (und weiten Teilen der Mitglieder) als untragbar empfunden wird.
Starke Ungleichgewichte
Die RKM sollte es auch nachdenklich stimmen, dass die Top 50 der E-Musik-Komponisten durchschnittlich 56.000 Euro aus der bisherigen Förderung kassieren. Es drängt sich daher die Frage auf, ob die Kulturförderung einer Verwertungsgesellschaft das Niveau eines komfortablen Berufs-Einkommens erreichen sollte.
Zudem funktioniert die vielbeschworene Nachwuchsförderung im bisherigen System erkennbar schlecht. Mehr als die Hälfte der geförderten E-Musik-Komponisten ist nach Angaben der GEMA älter als 60 Jahre und nur 124 (6 Prozent!) unter 40 Jahre. Es scheint nicht so zu sein, dass die Nachwuchsförderung des existierenden Systems besonders gut funktioniert.
Einfach immer weiter?
Es ist außerdem fraglich, ob der teilweise martialische Ton des Briefs hilfreich ist [PDF]. So spricht die RKM von der "absehbaren Strangulierung des Berufszweigs der E-Komponisten" und kritisiert die "Opferung eines seinerseits bewusst geschaffenen Solidarsystems zugunsten von marktgetriebenen Inkasso-Prinzipien, nach bester neoliberal-kapitalistischer Manier."
Die RKM stellt aber nicht die Frage, warum U-Musik-Songwriter und Textdichter in Ewigkeit dazu verpflichtet sein sollten, das bestehende, krass ungleiche Fördersystem fortzuführen, ohne selbst gleichberechtigt daran zu partizipieren. "Kulturell bedeutende Werke" entstehen sicherlich nicht nur im Bereich der E-Musik.
Unternehmen
GEMA
Verwertungsgesellschaft für Werke der Musik
Ähnliche Themen
Nach langem Ringen
GEMA-Mitgliederversammlung beschließt Reform der Kulturförderung
veröffentlicht am 07.05.2026
Reformvorhaben mit umfassenden Auswirkungen
GEMA vor Richtungsentscheidung: Reform der Kulturförderung könnte viel Geld für die U-Musik bereitstellen
veröffentlicht am 30.04.2026 3
Aufhebung von "E" und "U"
Reform der GEMA-Kulturförderung: Composers Club begrüßt Pläne
veröffentlicht am 23.04.2026
Ordentlicher Schlagabtausch
GEMA weist Kritik der Musikhochschulen an Reform der Kulturförderung zurück
veröffentlicht am 16.03.2026
Bisheriges Fördersystem hat sich überholt
Fokus auf Gleichberechtigung der Genres: GEMA stellt Reformantrag für Kulturförderung vor
veröffentlicht am 27.01.2026