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Ein Modell mit Zukunft?

Portishead erhalten 500% mehr Tantiemen auf SoundCloud durch nutzerbasiertes Vergütungsmodell

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 16.09.2021

soundcloud streaming

Portishead erhalten 500% mehr Tantiemen auf SoundCloud durch nutzerbasiertes Vergütungsmodell

© Jan Michalko / droidconglobal (https://www.flickr.com/photos/droidcon/27815925725/in/album-72157670057736215/) / Lizenz: CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Die britische Trip-Hop Band Portishead zeigt im Rahmen einer Kooperation mit der SoundCloud, dass eine Umstellung des Abrechnungsmodells von Streaming-Plattformen die Einnahmen von Musiker/innen deutlich steigern kann.

Am 8. Juli 2021 stellten die Trip-Hop-Pioniere Portishead eine Coverversion des ABBA-Songs "SOS" auf Soundcloud online, die vorher nur als Musikvideo gestreamt werden konnte. Portishead erhielten dabei die Tantiemen für den Song auf Basis eines nutzerzentrierten Abrechnungsmodells, statt, wie sonst üblich, nach dem Pro-Rata-Prinzip. 

Das Ergebnis spricht für sich: Innerhalb nur eines Monats brachte der Song sechsmal soviele Einnahmen, wie dies bei einer Pro-Rata-Auszahlung der Fall gewesen wäre. Portishead erhielt gut 500 Prozent mehr Tantiemen, die sie daraufhin für wohltätige Zwecke spendeten. 

Der Hintergrund: Userzentriert vs. Pro Rata

SoundCloud ist eine der ersten Streaming-Plattformen, die für ihre Independent-Artists ein nutzerbasiertes Abrechnungsmodell eingeführt hat. Die Änderung betrifft Künstler/innen ohne Label, die die SoundCloud-Dienste SoundCloud Premier, Repost by SoundCloud oder Repost Select nutzen und damit direkt über die Plattform Geld verdienen und soll für mehr Gleichberechtigung sorgen.

Das "Fan Powered"-Modell von SoundCloud bezeichnet ein Abrechnungsmodell, das durch eine Aktion des Streaminganbieters Deezer bekannt wurde. Anders als bei dem "Pro Rata"-Modell, das von großen Anbietern wie Spotify genutzt wird, gehen die Abonnement- und Werbeeinnahmen bei dem Fan Powered- bzw. userzentrierten Modell anteiligt direkt an die Artists.

Bei der Nutzung des Pro Rata-Modells hingegen werden die Umsätze zunächst zusammengefasst, um danach je nach Marktanteil an die Künstlerinnen und Künstler verteilt zu werden. Kleinere Kunstschaffende, die nicht dem Mainstream entsprechen, werden so benachteiligt, da sie eine geringere Reichweite besitzen.

Unterstützung der betroffenen Künstler

Ein Vertreter von Soundcloud bezeichnete die Entwicklungen als erwartungsgemäß und merkte an, dass das Portishead-Beispiel eine Bestätigung für das Design des Modells sei: Das Engagement der Fans führe zu bedeutenden Einnahmen.  Auch Portishead-Mitglied Geoff Barrow ist begeistert:

"Ich habe nicht erwartet, dass so viele Leute SOS anhören würden. Es ging mir mehr darum, die Idee zu verbreiten, dass man Musik streamen und damit tatsächlich Geld verdienen kann."

Barrow wurde durch die britische Kampagne #BrokenRecord, die eine parlamentarische Untersuchung über gerechte Einnahmeverteilung von Spotify und Apple Music führte, auf das nutzerorientierte Abrechnungsmodell aufmerksam.

Weitere Vorteile möglich

Der Gründer von #BrokenRecord, Tom Gray, betont noch weitere Vorteile des "fan powered"-Prinzips. Neben der Vergütungserhöhung könne man Streaming-Betrug vermeiden, da unerlaubte Streams nicht mehr zu dem Gesamtanteil dazu gerechnet werden könnten.

Außerdem würden Künstlerinnen und Künstler mehr über die Hörgewohnheiten ihrer Fans erfahren und somit beispielsweise Tourneen und Merch-Artikel daran anpassen können: "Das würde die gesamte Kulturlandschaft erweitern", sagt Gray.

Kritische Stimmen bleiben

Nichtsdestotrotz kritisieren unter anderem Ex-Chefökonom von Spotify, Will Page und das britische Label Association of Independent Music in einem aktuellen Regierungsbericht, dass das nutzerzentrierte Abrechnungsmodell "auf Grund der zunehmenden Komplexität die Verwaltungs- und Betriebskosten erhöhen würde".

Der Bericht jedoch fügt hinzu, dass der Komplexitätsanstieg die Möglichkeiten moderner Computersysteme – die sowieso kontinuierlich besser werden – nicht überfordern würde. 

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