Entertainment-Gigant macht Zugeständnisse
Schnelles Ende: Live Nation und US-Justizministerium einigen sich im Kartellprozess (Update!)
© Liz Sanchez-Vegas via unsplash.com
Live Nation hat sich im Kartellverfahren mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich geeinigt. Das berichtet das Online-Magazin Politico unter Berufung auf mit dem Verfahren vertraute Personen.
Die Einigung muss noch von dem zuständigen Bundesrichter Arun Subramanian genehmigt werden. Dieser kritisierte die Parteien scharf für ihr Vorgehen, da er in einem Meeting am Freitag nicht über die bevorstehende Einigung informiert wurde.
Veranstaltungsstätten dürfen verschiedene Anbieter nutzen
Im Zentrum des Deals stehen Änderungen am Ticketing-Geschäft von Live Nation und der Unternehmenstochter Ticketmaster. Künftig sollen Teile der Ticketmaster-Plattform für konkurrierende Anbieter geöffnet werden, sodass Drittanbieter Tickets direkt über die Plattformen von Ticketmaster anbieten können.
Zudem sollen Veranstaltungsstätten künftig mehrere Ticketanbieter parallel nutzen dürfen statt exklusiv an Ticketmaster gebunden zu sein. In der ersten Prozesswoche hatten Zeugenaussagen gezeigt, dass LiveNation häufig Veranstaltungsstätten unter Druck gesetzt hatte, falls diese konkurrierende Ticketplattformen genutzt haben.
Live Nation muss den Markt öffnen – ein bisschen
Langfristige Exklusivverträge mit Veranstaltungsorten sollen eben eingeschränkt werden. Nach den derzeit bekannten Bedingungen sollen solche Verträge künftig auf maximal vier Jahre begrenzt werden. Veranstaltungsorte sollen außerdem einen Teil ihres Ticketkontingents über andere Plattformen verkaufen können.
Darüber hinaus sieht die Einigung vor, dass Live Nation mehr als zehn Amphitheater veräußert. Die US-Regierung hatte argumentiert, dass das Unternehmen rund 78 Prozent der großen Amphitheater in den Vereinigten Staaten kontrolliere und dadurch eine besonders starke Marktposition auf dieser Ebene des Live-Geschäfts habe.
Zusätzlich sollen die Servicegebühren bei Tickets für Live-Nation-Amphitheater künftig auf maximal 15 Prozent des Ticketpreises begrenzt werden. Außerdem verpflichtet sich das Unternehmen laut Berichten, rund 200 Millionen US-Dollar an die Bundesstaaten zu zahlen, die sich der Klage angeschlossen haben.
Keine Zerschlagung von Live Nation
Das Verfahren war im Mai 2024 von der US-Regierung gemeinsam mit mehr als 40 Einzelstaaten eingereicht worden. Sie werfen Live Nation vor, ein illegales Monopol im Live-Entertainment-Markt aufgebaut zu haben – unter anderem durch die Kontrolle von Ticketverkauf, Konzertpromotion und Venues.
Ursprünglich hatte die Regierung eine Zerschlagung des Konzerns angestrebt, insbesondere eine Trennung von Live Nation und Ticketmaster, deren Fusion 2010 genehmigt worden war. Durch den Vergleich dürfte dieses Szenario vom Tisch sein.
Der Jury-Prozess hatte erst Anfang März in New York begonnen und sollte eigentlich mehrere Wochen dauern. Die Einigung könnte das Verfahren nun vorzeitig beenden – vorausgesetzt, der zuständige Richter Arun Subramanian stimmt dem Vergleich zu. Einige beteiligte Bundesstaaten haben jedoch bereits angekündigt, den Fall unabhängig vom Bund weiterverfolgen zu wollen.
Reaktion der US-Bundesstaaten (Update!)
Die Washington Post berichtet nun, dass mehr als 25 US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia die Einigung nicht akzeptieren wollen. Es ist möglich, dass sie den Kartellprozess eigenständig weiterverfolgen.
Besonders deutlich äußerte sich New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. Sie betont ihre Zweifel, ob die Einigung die Marktmacht des Unternehmens tatsächlich begrenzt.
"Die kürzlich mit dem US-Justizministerium vereinbarte Einigung geht nicht auf das Monopol ein, das im Mittelpunkt dieses Falls steht, und würde Live Nation auf Kosten der Verbraucher begünstigen. Wir können dem nicht zustimmen."
Ähnliche Themen
Ungebrochenes Wachstum
Live Nation meldet Rekord-Ticketverkäufe trotz Sorgen um den Konzertmarkt
veröffentlicht am 03.08.2026
Jedenfalls für Inhaber eines bestimmten Giro-Kontos
Live Nation und Postbank kooperieren und bieten Rabatt auf Clubkonzerte
veröffentlicht am 22.05.2026
Teurer Spaß
Live Nation: Geschäfte laufen gut, aber Prozesskosten sorgen für Quartalsverlust
veröffentlicht am 06.05.2026
Kein Ruhmesblatt
"Dumme Kunden abzocken": Live Nation Mitarbeiter witzeln in internen Chats über hohe Gebühren
veröffentlicht am 16.03.2026
Zentrale Vorwürfe bleiben bestehen
US-Bundesgericht weist Teile der Kartellklage gegen Live Nation ab
veröffentlicht am 20.02.2026