Fehlende Transparenz
Spotify: Löschung von Songs des deutschen Indie-Duo Ostara wegen Streaming-Betrug wirft Fragen auf
Ostara. © Lara Mirek
Vor ein paar Wochen verschwand die vor drei Jahren veröffentlichte erste EP des Geschwisterduos Ostara von sämtlichen Streamingplattformen.
Auf Nachfrage erklärte ihr Distributor RouteNote, Spotify habe einen Verdacht von Streaming-Betrug ("artificial streaming") gemeldet: Angeblich seien Songs der EP auf Playlists gelandet, die mutmaßlich von Bots gestreamt werden. Der Distributor habe die entsprechenden Lieder anschließend entfernt – nicht nur von Spotify, sondern auch von allen anderen Streaming-Plattformen, auf denen die Band vertreten ist.
Die Band erklärt ihre Unschuld
Ostara selbst bestreiten jegliche Beteiligung. "Von uns aus ist das nie passiert. Wir haben nie irgendwas oder irgendwen bezahlt dafür, dass wir mehr Streams bekommen. Wir haben das nicht veranlasst", heißt es in einem Statement auf Instagram.
Für die Band bedeutet der Vorgang nicht nur den Verlust von Streams und Playlistplatzierungen – ein Reupload ihrer Songs sei laut Spotify und RouteNote ebenfalls ausgeschlossen.
Die Kommunikation mit Spotify und dem Distributor beschreibt Ostara als unbefriedigend. Beide Seiten hätten auf das jeweils andere Unternehmen verwiesen. Besonders irritierend: Spotify habe angegeben, die Songs nicht wiederherstellen zu können, da das Unternehmen nicht in der Lage sei, die betroffenen Streams einsehen zu können.
Ungleiche Behandlung?
Neben der Beanstandung fehlender Transparenz und Lösungsansätze werfen die Vorwürfe auch Fragen nach der Gleichbehandlung von Künstler*innen auf. Während ganze Werke von kleineren Acts wie Ostara von der Plattform verbannt werden, gedeihen gleichzeitig andere fragwürdige Phänomene auf Spotify weiterhin.
Die KI-Band The Velvet Sundown etwa generierte innerhalb der ersten zwei Wochen des Bestehens ihres Profils hunderttausende Streams und tauchte in algorithmischen Empfehlungen auf. Auch hier äußerten zahlreiche Beobachter den Verdacht, dass das Wachstum auf Bots zurückzuführen sei. Bis heute sind jedoch noch mehrere Alben der Gruppe verfügbar, darunter auch das Debütalbum mit den meisten Streams.
Zweifelhafte Begründung
Fragwürdig ist auch das konkrete Vorgehen von Spotifys. Selbst wenn die betroffenen Songs wirklich Streams durch manipulative Maßnahmen gesammelt haben, ist es unbefriedigend, dass eine betroffene Band keine oder nur spärliche Aussagen zu den Hintergründen erhält und keine Möglichkeit hat, die gelöschten Songs wiederherzustellen.
Weiter erscheint es doch ein wenig unglaubwürdig, dass Spotify keine detaillierte Einsicht in die Streams seiner Artists nehmen kann – bedenkt man etwa, dass die neu eingeführte 1000-Streams-Grenze darauf basiert, dass Songs von mindestens 50 verschiedenen Konten gestreamt werden müssen, um vergütet zu werden.
Komplexe Situation
Natürlich ist die Situation auch für Spotify keine leichte: Bots, Streamingfarmen, Fake-Artists – Das Aufkommen neuer Technologien stellt Streamingplattformen wie Spotify bereits länger vor Herausforderungen.
Einerseits muss das Unternehmen entschieden gegen Betrugsversuche vorgehen, um die Integrität seines Geschäftsmodells zu wahren. Es ist allerdings die Frage, ob das Vorgehen im Fall von Streaming-Betrug nicht auch transparenter und diplomatischer ausfallen kann.
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