Mehr Schutz für Künstler und Produzenten?
Spotify verschärft KI-Regeln – jedenfalls ein bisschen
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© Ivan Samkov via Pexels
Die Verwendung von generativer KI ist in der Musikbranche längst keine Seltenheit mehr. Fest steht auch, dass ihre Nutzung nicht nur neue Möglichkeiten für Kreative mit sich bringt, sondern diese auch mit einigen Herausforderungen konfrontiert.
In einer aktuellen Meldung, spricht auch Spotify das hohe Innovationstempo rund um generative KI-Technologie an, dass "Kreative mitunter verunsichern" kann und kündigt diesbezüglich an, ein paar neue Maßnahmen durchzusetzen.
Im schlimmsten Fall nämlich, so Spotify, würde KI durch sogenannte "Bad Actors" oder Content-Farmen genutzt um Hörer*innen zu täuschen und minderwertige Inhalte in den Umlauf zu bringen. Das wiederum könne gerade aufstrebende Künstler*innen ausbremsen und Tantiemen in unrechtmäßige Bahnen lenken.
Neue Schritte im Herbst
Um eine solchen Situation entgegen zu wirken, führt Spotify im Herbst 2025 schrittweise ein neues Filtersystem ein, das auffällige Uploads erkennen, markieren und aus Empfehlungen ausschließen soll. Das System wird dabei kontinuierlich angepasst, um Künstler*innen nicht fälschlich zu bestrafen.
Spotify erklärt, die Maßnahmen seien Teil einer langfristigen Strategie, mit der das Unternehmen ein vertrauenswürdiges Musik-Ökosystem für Künstler*innen, Rechteinhaber*innen und Nutzer*innen schaffen will.
Das Unternehmen betont, dass Künstler*innen selbst entscheiden sollen, ob und wie sie KI einsetzen, das Ziel der neuen Vorgehensweise sei es, die Sichtbarkeit "authentischer" Künstler*innen zu sichern, Missbrauch zu begrenzen, den Tantiemen-Pool zu schützen und Hörer*innen transparenter über KI-Einsatz zu informieren.
Mit dem Erfolg steigen die Betrugsversuche
Die Bekämpfung von Spam sei für Spotify kein neues Thema: Seit über zehn Jahren entferne das Unternehmen unerwünschte Inhalte. Der Streaminganbieter gibt an alleine im vergangenen Jahr mehr als 75 Millionen Tracks als Spam markiert zu haben.
Mit dem Wachstum von Spotify steigen auch die Anreize für betrügerische Praktiken. Auszahlungen an Künstler*innen stiegen laut dem schwedischen Streaminganbieter von einer Milliarde US-Dollar im Jahr 2014 auf rund zehn Milliarden US-Dollar im Jahr 2024, was Spam-Taktiken wie Massen-Uploads, Duplikate, SEO-Hacks oder Missbrauch von extrem kurzen Tracks fördere. Generative KI erleichtere zudem die schnelle Erstellung minderwertiger Inhalte.
"Hohe Auszahlungen locken Betrüger an", räumt das Unternehmen ein. "Wenn man dem freien Lauf lässt, können solche Verhaltensweisen den Lizenzpool verwässern und die Aufmerksamkeit für Künstler*innen beeinträchtigen, die sich an die Regeln halten."
Maßnahmen gegen Identitätsmissbrauch
Ein weiteres Problem: Mit der Verbreitung von KI-Tools wird es zunehmend einfacher, Stimmen bekannter Künstler*innen zu imitieren. Spotify hat daher Richtlinien eingeführt, die den Umgang mit KI-generierten Stimmkopien und anderen stimmlichen Nachahmungen regeln sollen.
Darüber hinaus testet Spotify gemeinsam mit Distributoren Präventionsmaßnahmen gegen betrügerische Uploads unter fremden Künstlerprofilen und verbessert den „Content Mismatch“-Prozess, um Missbrauch schneller zu erkennen und zu stoppen.
Spotify betont, die unerlaubte Nutzung von KI zur Stimmenimitation sei Identitätsmissbrauch, gefährde die Integrität des Werks und dürfe nur auf Grundlage der Entscheidung der Künstler*innen selbst erfolgen.
Kennzeichnungen von KI in Musik-Credits
Weiter sollen Höre*innen zukünftig erkennen können, welche Rolle KI bei der Produktion von Songs gespielt hat. So unterstütze Spotify die Entwicklung eines neuen Branchenstandards für KI-Kennzeichnungen in Musik-Credits, der über DDEX erarbeitet werde.
Spotify verspricht zukünftig entsprechende Informationen in der App anzugeben, sobald Labels und Distributoren sobald diese von Labels, Distributoren oder Partnern einreichen.
Das Projekt wird gemeinsam mit Partnern wie Amuse, Believe, CD Baby, DistroKid, FUGA und Kontor New Media umgesetzt. Einheitliche Standards sollen plattformübergreifend Transparenz schaffen und das Vertrauen im Musik-Ökosystem stärken.
Vertreter der Musikindustrie, darunter UMG, WMG, Mike Caren (CEO von Artist Partner Group) und Songwriter Justin Tranter, begrüßen die Maßnahmen. Sie sehen in der Kennzeichnung einen wichtigen Schritt, um Künstler, ihre Identität und ihr Repertoire zu schützen – und um sicherzustellen, dass die Stimmen der Kreativen nicht von irrelevanten Inhalten übertönt werden.
Wie notwendig solche Maßnahmen sind, zeigen außerdem jüngste Beispiele auf Spotify, wie der rasante Aufstieg der KI-Band The Velvet Sundown, die in mehreren algorithmischen Empfehlungen aufgetaucht ist; zahlreiche KI-Songs, die ohne das Wissen und Zutun von Künstler*innen auf deren Profilen erschienen sind oder aber auch die komplette Löschung von Werken – etwa im Fall Ostara –, da einzelne Songs ohne das Zutun der Künstler*innen in verdächtigen Playlists aufgetaucht sind.
Wie erfolgreich Spotify ihr Vorhaben durchsetzen wird und wie genau das Unternehmen zwischen "authentischen" und nicht-authentischen Künstler*innen unterscheiden möchte, bleibt fraglich und abzuwarten.
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