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"Musikwirtschaft in Deutschland" – Erkenntnisse und Schlussfolgerungen

Studie: Die meisten Musiker brauchen Zusatzeinkommen, um über die Runden zu kommen

Spezial/Schwerpunkt von Theo Müller
veröffentlicht am 13.11.2015

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Studie: Die meisten Musiker brauchen Zusatzeinkommen, um über die Runden zu kommen

Wie steht es um die Musiker und die Kreativen?. © Steven Guzzardi (CC BY-ND 2.0); die Grafiken/Charts innerhalb des Artikels entstammen der PDF Version der Studie

In der Studie "Musikwirtschaft in Deutschland“ wurde festgestellt, dass das Musikbusiness in seiner Gesamtheit ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für Deutschland ist. Neben Verlagen, Labels, Veranstaltern und Instrumentenherstellern wurde auch der Teilbereich der Musiker und Kreativen untersucht. Hier erfährst du die wichtigsten Fakten und was du als Musiker daraus für deine Tätigkeit ableiten kannst.

Zu den Kreativen der Musikbranche werden in der Studie Ausübende Künstler und Text- und Musikdichter gezählt. Aber auch Musikbearbeiter und Künstler-Manager fallen mit unter diesen Bereich.

Alle diese Akteure sind das wirtschaftliche Fundament der Branche. Ohne sie geht erst mal gar nichts, denn alle Labels, Verlage, Veranstalter usw. können ohne die geschaffene Musik gar nicht erst arbeiten.

Anteile der Teilbranchen (Berechnungen der FSU Jena)

Anteile der Teilbranchen (Berechnungen der FSU Jena)

Allerdings sind die Kreativen nur für 15% der Bruttowertschöpfung der gesamten Musikindustrie verantwortlich. Das schließt alle Einnahmen der Kreativen mit ein. Auch Gagen für Liveauftritte gehören dazu.

In der nebenstehenden Grafik werden unter "Live Music" die Veranstalter gezählt.

Diese Verteilung bestätigt ein uraltes Gerücht der Musikindustrie: Die Kreativen bekommen nur ein kleines Stück des Kuchens ab.

Großes Einkommensgefälle

Struktur der Gesamterträge für Autoren und Komponisten

Struktur der Gesamterträge für Autoren und Komponisten

Der Grund dafür liegt hauptsächlich an dem sehr geringen Durchschnittseinkommen der Kreativen. Die Studie bezieht sich hierbei vor allem auf bei der Künstlersozialkasse (KSK) gemeldeten Kreativen.

Hier sind vor allem Künstler gemeldet, die tatsächlich ihren Lebensunterhalt mit Musik verdienen wollen und schon die verdienen schlecht. Die Masse an Hobbymusikern ist so gar nicht mit im Rahmen der Studie erfasst.

Auch lässt sich aus der Studie erkennen, dass es ein sehr hohes Gefälle des Einkommens bei den Kreativen gibt. Nur ein sehr kleiner Anteil verdient richtig gutes Geld. Die Masse der Kreativen lebt nur knapp über dem Existenzminimum.

Struktur der Gesamterträge für ausübende Künstler

Struktur der Gesamterträge für ausübende Künstler

Noch deutlicher wird dies beim Blick auf die einzelnen Unterbereiche der kreativen Akteure.

Die Urheber, also die Komponisten, Textdichter und Musikbearbeiter haben Durchschnittserlöse von 17.500 Euro im Jahr. Die ausübenden Künstler liegen sogar nur bei 12.500 Euro.

Hier ist klar zu erkennen: Falls du vorhast mit der Musik reich zu werden, sprechen die Zahlen leider gegen dich. Schon über ein mittelmäßiges Einkommen muss ein Musiker froh sein.

Was kannst du aus der Studie lernen?

Dennoch lassen sich aus der Studie ein paar interessante Schlüsse ziehen, die für dich als Kreativer zumindest deine Chancen verbessern können.

Aber Vorsicht! Die folgenden Tipps leiten sich aus den Erkenntnissen der Studie ab und stellen somit nur einen Blick auf den Durchschnitt dar.

  • Suche dir einen Nebenjob der dich ernährt!

    Der größte Teil der Künstler-Erlöse ist laut der Studie mit 43,1% als "Übrige Erlöse" deklariert. Was das genau sein soll, ist hier leider nicht definiert, aber es hat definitiv nichts mit den Erlösen zu tun, die man als Musiker eigentlich so haben sollte. Diese sind nämlich alle explizit aufgeführt. Das heißt, ein großer Teil der Musiker braucht Einkünfte, die nichts mit ihrer Musik zu tun haben. Die Musik ist meist eben doch nur ein Hobby Plus.

  • Arbeite nebenbei als Musiklehrer!

    10% der gesamten Musikwirtschaft macht der Musikunterricht aus! Das sind nur 5% weniger als der gesamte Anteil der Kreativen. Wow! Hier hast du deinen Nebenjob! Den gibt es sogar mit Bezug zur Musik.

  • Wenn du Musik einspielst, lass dich dafür bezahlen!

    Der zweitgrößte Anteil, die Honorare für Live-Musikauftritte und Studioaufnahmen, liegt immerhin bei 35,5% für ausübende Künstler. Das sieht schon mal besser aus. Vor allem aber ist zu erkennen, dass hier auch tatsächlich Geld vorhanden ist, um dich zu bezahlen. Versuche dir also ein großes Netzwerk zu Studios, Produzenten und allgemein zu Musik-Urhebern aufzubauen. Wenn diese dich als guten Musiker kennen gelernt haben, der professionell und pünktlich (!) seine Arbeit erledigt und auch sonst ein angenehmer Zeitgenosse ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du regelmäßig als Studiomusiker gebucht wirst.

  • Sei als Gastmusiker auf der Bühne in mehreren Bands aktiv!

    Auch hier gilt das schon eben Erwähnte, denn auch für Liveauftritte ist Geld in der Branche prinzipiell vorhanden. Wenn du in mehreren Bands mitspielst steigt auch hier die Wahrscheinlichkeit, dass du dafür mehr Geld bekommst.

  • Die GEMA ist dein bester Freund.

    Der größte Teil der Erlöse machen mit 58,4% die Verwertungsgesellschaften für die Urheber aus. Das ist ungefähr dreimal so viel, wie ein Urheber mit Provisionen und Verkaufserlösen der einzelnen Produktionen verdient. Also, achte darauf, dass mit dem Bürokratie-Monster GEMA alles rund läuft!

  • Produziere für Werbung und für Filme!

    Der zweitgrößte Anteil mit immerhin 22,2% der Erlöse für Urheber sind Auftragsproduktionen für Werbung und für Filme. Lass dir das nicht entgehen!

Im dritten Artikel über die Ergebnisse der Musikwirtschaftstudie blicken wir auf den Bereich der Labels und Studios: Die Macht der Major-Labels ist trotz des digitalen Wandels ungebrochen.

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