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Große Unterschiede

Übersicht: Das sind die Hilfsprogramme der Bundesländer für Musiker und Kulturschaffende

Spezial/Schwerpunkt von Julia Zabel
veröffentlicht am 12.06.2020

coronakrise musikbusiness kulturpolitik

Übersicht: Das sind die Hilfsprogramme der Bundesländer für Musiker und Kulturschaffende

Viele Bundesländer helfen Künstlern in der Coronakrise - aber auf unterschiedliche Art und Weise. © Backstage PRO

Die Coronakrise bedroht die wirtschaftliche Existenz unzähliger Künstler in ganz Deutschland. Die Bundesländer reagieren darauf mit speziellen Hilfen, beispielsweise Zuschüssen oder Stipendien. Hier geben wir eine Übersicht über die Programme.

Im Fall von Hilfen für Künstler und Kulturschaffende in der Coronakrise gibt es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern. Während manche Länder pauschale monatliche Beträge gewähren, bevorzugen andere Stipendien.

In einigen Bundesländern sind entsprechende Programme ausgelaufen oder stehen mehr oder weniger kurz vor der Erneuerung. Andere Bundesländer scheinen hingegen über die aktuellen Hilfsmaßnahmen hinaus keine weiteren Maßnahmen zu planen. 

Allerdings kann sich die Lage fast täglich ändern. Allen Hilfesuchenden sei daher empfohlen, ständig die entsprechenden Seiten ihres Bundeslandes im Blick zu haben. Den aktuellen Stand bietet die folgende Übersicht.

Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. Juli 2020 aktualisiert.

Bayern

Der Freistaat Bayern gewährt Künstlerinnen und Künstler Pauschalzahlungen von bis zu 1.000 Euro monatlich über den Zeitraum von drei Monaten, wenn ihre fortlaufenden Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie zur Sicherstellung des Lebensunterhalts nicht ausreichen.

Antragsteller müssen einen Hauptwohnsitz in Bayern, eine Versicherung nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz nachweisen und den überwiegenden Verdienst des Lebensunterhalts durch künstlerische Tätigkeit erbringen.

Ebenfalls antragsberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler, die nicht bei der KSK versichert sind, aber inhaltlich die Kriterien der KSK für künstlerische Tätigkeit erfüllen. Durch das "Modell KSK Plus" wird auch punktuell beschäftigten Künstlerinnen und Künstlern (beispielsweise Schauspielerinnen und Schauspielern) Unterstützung ermöglicht.

Seit dem 26. Mai 2020 sind auch Künstlerinnen und Künstler antragsberechtigt, die Leistungen nach der "Soforthilfe Corona" des Freistaats Bayern und des Bundes von weniger als insgesamt 3.000 Euro bezogen haben.

In diesem Fall werden die Leistungen nach der "Soforthilfe Corona" auf die Leistungen nach dem Künstlerprogramm angerechnet, wodurch eine Aufstockung der Hilfeleistungen auf insgesamt bis zu 3.000 Euro erfolgen kann.

Die Online-Antragstellung ist unter folgendem Link möglich.

Zudem stellt der Freistaat Bayern weitere 10 Millionen Euro für Laienmusikvereine bereit, die einer der 22 Organisationen der Laienmusik in Bayern angehören.

Baden-Württemberg

Die Soforthilfe Corona des Landes, in deren Rahmen Soloselbständige und Kleinst- bzw. Kleinunternehmer (also auch Musiker und Künstler) Kosten des privaten Lebensunterhalts in Höhe von 1.180 Euro pro Monat geltend machen konnten, ist zum 31. Mai 2020 ausgelaufen. Das Land strebt an, das Programm fortzuführen.

Darüber hinaus existieren in Baden-Württemberg weitere Hilfsprogramm für kulturelle Einrichtungen sowie spezielle Veranstaltungsformate. Weitere Informationen gibt es hier.

Berlin

Anträge für das Sorthilfeprogramm in Berlin sind seit dem 31.05.2020 nicht mehr möglich. 

Das Land möchte Künstlerinnen und Künstler aus Berlin jedoch auch in Zeiten der Corona-Pandemie eine Bühne bieten und hat die Plattform "Berlin (a)live" gegründet, die Kulturschaffenden eine digitale Bühne bieten soll, um ihre Projekte präsentieren zu können. Darüber hinaus bietet die Plattform auch die Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern auf Spendenbasis.

Das Berliner Senat hat am 24. Juni 2020 ein neues Programm beschlossen, das 15 Millionen Euro für Stipendienprogramme im Bereich Kultur und für künstlerische Projekte bereithält. Weitere Informationen liegen derzeit noch nicht vor.

Weitere Informationen gibt es hier.

Brandenburg

Künstlerinnen und Künstler in Brandenburg können sich 50% der Einnahmeausfälle, die zwischen dem 11. März und dem 31. August entstanden sind, durch die sogenannte Corona-Kulturhilfe ersetzen lassen.

Weitere Informationen gibt es hier.

Außerdem existiert ein Stipendienprogramm, das für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler 1.000 Euro bereitstellt. Bedingung ist, dass die Antragsteller Mitglied in der Künstlersozialkasse sind. Für das Programm stehen rund 4 Millionen Euro bereit.

Hier gibt es Details zu den Stipendien.

Bremen

In der Hansestadt Bremen existiert seit dem 2. Juni ein "Fortsetzungsprogramm zur Unterstützung freischaffender Künstlerinnen und Künstler aufgrund der Auswirkungen der Coronavirus-Krise". Das Programm läuft bis 31. August 2020 und beinhaltet eine einmalige Förderung von bis zu 3.000 Euro.

Zur Beantragung genügt eine eidesstattliche Versicherung über eine geringere Einnahmeerwartung infolge der Coronavirus-Krise als im Durchschnitt der vergangenen Jahren. Kulturschaffende müssen also keine Einnahmeverluste durch abgesagte Veranstaltungen konkret nachweisen.

Antragsberechtigt sind professionelle, selbstständige und freischaffende Künstlerinnen und Künstler, die mindestens seit dem 18. März 2020 ihren Hauptwohnsitz in Bremen oder Bremerhaven haben. 

Das Antragsformular steht unter folgendem Link zum Download bereit: Link zum PDF.

Hamburg

Soloselbstständige in Hamburg konnten zusätzlich zu den Bundesmitteln 2.500 Euro als Lohnkompensation für Honorarausfälle über einen Hilfsfonds der Hamburgischen Kulturstiftung beantragen. Die Bewerbungsfrist der ersten Förderrunde für den Hilfsfond ist am 15. April abgelaufen. Eine Bewerbung ist momentan nicht mehr möglich. 

Jedoch gibt es jetzt eine weitere Förderrunde. Künstler und kreative, die sich in Schwierigkeiten befinden können nun eine nicht rückzahlbare Soforthilfe in Höhe von 2.000 Euro beantragen, so gab Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am 7. Juli nach einer Senatssitzung bekannt. Antragsberechtigt sind diejenigen, die bei der Künstlersozialkasse angemeldet sind oder entsprechende Voraussetzungen erfüllen und ihren Wohnsitz in Hamburg haben.

Hessen

Das unter dem Motto "Hessen kulturell neu eröffnen" gestartete Stipendienprogramm ermöglicht Kulturschaffenden die Realisierung, Dokumentation und Publikation neuer Projekte. 

Das Projektstipendium "Hessen innovativ neu eröffnen" ist eine Fördermaßname des Programms. Im Rahmen des Programms stehen Mittel für 1.000 Künstlerinnen und Künstler in Höhe von 5.000 Euro oder für 250 Gruppen in Höhe von 18.000 Euro bereit. Das Stipendienprogramm wird über die Hessische Kulturstiftung abgewickelt. Bewerbungen können vom 10. bis 23. August eingereicht werden.

Außerdem besteht eine Verstärkungsmöglichkeit der Stipendien durch private Mittel. Wenn Künstlerinnen und Künstler über eigene Mäzene und Sponsoren zusätzlich Geld einwerben, haben sie die Möglichkeit andere Kulturschaffende direkt für Stipendien zu empfehlen. In diesen Fällen kofinanziert das Land die Hälfte des Stipendiums bis zur Höhe der ansonsten zur Verfügung stehenden Beiträge.

Darüber hinaus gibt es seit 2. Juni einmalige Arbeitsstipendien in Höhe von 2.000 Euro für Künstlerinnen und Künstler. Dadurch sollen künstlerische Arbeiten unter den aktuellen Umständen ermöglicht werden. Die Antragsstellung ist bis zum 15. September möglich.

Weitere Informationen gibt es hier.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern hat ein sogenannten Überbrückungsstipendium für Künstler ins Leben gerufen, das Zahlungen in Höhe von maximal 2.000 Euro vorsieht. Antragsberechtigt sind freischaffende, professionelle Künstlerinnen und Künstler, die ihren Erstwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern haben und Mitglied der Künstlersozialkasse sind.

Der Antrag kann bis 31. Juli 2020 gestellt werden. Weitere Informationen gibt es hier.

Niedersachsen

Seit dem 1. Juni 2020 ist keine Antragstellung für die Niedersachsen-Soforthilfe Corona mehr möglich. 

Bund und Länder arbeiten an einem Nachfolgeprogramm, zu dem in Kürze Informationen bekannt gegeben werden sollen. 

Weitere Informationen gibt es hier.

Nordrhein-Westfalen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat im Rahmen des Stärkungspakets "Kunst und Kultur" mit 105 Millionen Euro ein Stipendiumprogramm für freischaffende Künstlerinnen und Künstler angekündigt.

Die insgesamt 15.000 Stipendien in Höhe von jeweils 7.000 Euro sollen Künstlerinnnen und Künstler mit Beschäftigungsproblemen als Unterstützung dienen. Die Details müssen noch bekanntgegeben werden. Weitere Informationen gibt es unter diesem Link.

Die Hilfen des Bundes werden vom Land durch das Zusatzprogramm NRW Überbrückungshilfe Plus erweitert. Es stehen insgesamt 300 Millionen Euro der Landesregierung für das neue Programm bereit, durch das Solo-Selbstständige und Freiberufler eine einmalige Zahlung von 1.000 Euro pro Monat über einen Zeitraum von maximal drei Monaten erhalten.

Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz vergibt im Rahmen des Kulturprogramms "Im Fokus. 6 Punkte für die Kultur" Projektstipendien an Kulturschaffende unter dem Motto: "Künstlerisches Schaffen sichtbar machen!"

Das Ziel der Projektstipendien ist die Fortsetzung von bereits bestehenden Projekten und die Erarbeitung neuer Projekte. Die Endergebnisse dieser Projekte sollen in einem digitalen Schaufenster dargestellt werden.

Anträge stellen können Künstlerinnen und Künstler, die in Rheinland-Pfalz wohnhaft sind und Mitglied der Künstlersozialkasse sind. Jede Stipendiatin oder jeder Stipendiat erhält ein Stipendiengeld von 2.000 Euro als Einmalzahlung. 

Seit dem 15. Mai 2020 können Anträge über die Stiftung Rheinland-Pfalz auf dieser Seite gestellt werden.

Saarland

Das Saarland unterstützt Künstlerinnen und Künstler ebenfalls mit einem landeseigenen Stipendienprogramm in Höhe von 2.5 Mio. Euro.

Die Höhe des Stipendiums beträgt bis zu 3.000 Euro, womit kulturelle Werke neu erarbeitet und weiterentwickelt werden sollen. Dabei ist die Art und Weise der kulturellen Arbeit den Kulturschaffenden freigestellt. 

Weitere Informationen gibt es hier.

Sachsen-Anhalt

Mit dem Programm "Kultur ans Netz" unterstützt das Land Sachsen-Anhalt Künstlerinnen und Künstler, die hauptberuflich in den Sparten Musik, Bildende Kunst, Medienkunst, Darstellende Kunst, Literatur und intermedialen Kunstformen tätig sind.

Für die Erarbeitung einer präsentationsreifen künstlerischen Leistung gewährt das Land einen nicht rückzahlbaren Zuschuss in Höhe von 1.000 Euro monatlich, für die Dauer von bis zu drei Monaten. 

Voraussetzung sind ein Hauptwohnsitz in Sachsen-​Anhalt sowie eine Mitgliedschaft in der Künstler-​ und Sozialkasse (KSK). Sollte keine Mitgliedschaft in der KSK bestehen, so ist alternativ ein Nachweis einer freiberuflichen künstlerischen Tätigkeit in Sachsen-​Anhalt durch geeignete Unterlagen zu erbringen.

Zu den einzureichenden Unterlagen zählt ein Kurzkonzept, aus dem das künstlerische Vorhaben hervorgeht. Die geförderten Projekte sollen geeignet sein, das jeweilige Arbeitsergebnis im Landesportal unter http://www.kultur.sachsen-​anhalt. de zu präsentieren. 

Anträge können voraussichtlich ab Mitte Juni über das Landesverwaltungsamt Sachsen-​Anhalt gestellt werden.

Weitere Informationen gibt es hier.

Sachsen

Für das Stipendium "Denkzeit" werden keine neuen Bewerbungen mehr angenommen, da das Programm sehr erfolgreich angelaufen ist und die Mittel zur Förderung erschöpft sind. 

Staatsministerin Barbara Klepsch (CDU) gab bekannt, zusätzlich knapp 68 Millionen Euro für Kultur und Tourismus in der Corona-Krise bereitzustellen.

Bei dem "Denkzeit"-Stipendium handelte sich nicht um eine Soforthilfe, sondern um eine Zahlung im Gegenzug für eine künstlerische Leistung, die von einem künstlerischen Beirat bewertet wird, um schließlich auf der Website des Landes präsentiert zu werden. Die Stipendien wurden in Form einer einmaligen Zuwendung in Höhe von 2.000 Euro für die Dauer von zwei Monaten gewährt.

Antragsberechtigt waren Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz in Sachsen, die nicht an einer Hochschule immatrikuliert sind oder sich in einem Ausbildungsverhältnis befinden.

Weitere Informationen gibt es hier.

Schleswig-Holstein

Das Land Schleswig-Holstein hat den Kulturhilfefonds des Landeskulturverbandes für Künstlerinnen und Künstler um zwei Millionen Euro erhöht. Das Geld steht den Kulturschaffenden zusätzlich zu den Soforthilfen des Bundes für Soloselbstständige zur Verfügung.

Für Künstlerinnen und Künstler in Schleswig-Holstein gibt es bis 15. Juni 2020 die Möglichkeit einer weiteren Projektförderung. Durch den #KulturhilfeSH-Fonds können sie weitere 500 Euro erhalten.

Für Künstler, die bisher noch keinen Antrag gestellt haben, wird das Antragsverfahren auf eine kombinierte Beantragung von 1.000 Euro umgestellt. 

Weitere Informationen gibt es hier. Das Antragsformular findet sich hier: Link zum PDF.

Thüringen

Der Thüringer Landtag hat am 5. Juni ein Maßnahmenpaket zur Bewältigung der Coronakrise verabschiedet, das auch Hilfen für Kulturschaffende vorsieht.

Das Hilfspaket sieht vor, dass freiberufliche Künstlerinnen und Künstler, die bei den bisherigen Soforthilfen leer ausgegangen sind, da sie keine laufenden Betriebskosten geltend machen konnten, Hilfe für coronabedingte Einnahmeausfälle in Höhe von monatlich 1.180 Euro für zwei Monate erhalten können. Dafür stehen insgesamt 20 Mio. Euro bereit.

Zur genauen Umsetzung sind noch keine Details bekannt. Weitere Informationen gibt es hier.

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