Traditions-Indie geht an Major Label
Universal übernimmt Indie-Label PIAS Group komplett
Das UMG-Headquarter in Santa Monica, Kalifornien. © Coolcaesar via Wikimedia (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Umgheadquarters.jpg) / Lizenz: CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)
PIAS-Gründer Kenny Gates und Michel Lambot haben nun auch ihre restlichen Unternehmensanteile vollständig an Universal verkauft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.
Deal beinhaltet einige Neuerungen
Die PIAS Group ist in zwei Kerngeschäftsbereichen tätig. Unter dem Namen Integral bietet sie Vertriebsdienste für unabhängige Labels an. Im Anschluss an die Übernahme soll dieser Geschäftsbereich mit der Virgin Music Group von UMG fusionieren.
Daneben gibt es die PIAS Label Group, die firmeneigene Plattenlabel wie Play It Again Sam, Fat Cat oder harmonia mundi sowie zahlreiche weitere Label mit dem Namen PIAS beinhaltet. Die Labels der PIAS-Gruppe sollen im Rahmen der getroffenen Vereinbarung autonom und eigenständig weiterarbeiten.
Gründer weiterhin beteiligt
Weiterhin hat Kenny Gates, Co-Gründer und derzeitiger CEO von PIAS, einen neuen langfristigen Vertrag abgeschlossen. Er wird weiterhin die PIAS Label Group leiten und im Vorstand der Virgin Music Group von Universal sitzen.
Michel Lambot hingegen, ebenfalls Co-Gründer, soll seine derzeitige Rolle aufgeben, aber weiterhin als Berater für das Unternehmen tätig sein.
Konkurrenz im Blick
Gates zeigte sich zufrieden mit dem Deal:
"Ich verkaufe meine Anteile, nicht meine Seele. Seit der Vereinbarung einer strategischen Allianz mit UMG im Jahr 2021 haben wir sie als unterstützende und engagierte Partner kennengelernt, die einen echten Mehrwert für unser Angebot geschaffen haben."
Weiter erklärt er, dass die Entscheidung aus pragmatischen Gründen getroffen worden sei, um den Einfluss des Labels auszuweiten. Schon bei Bekanntgabe der Minderheitsbeteiligung hieß es, dass der Markt umkämpft sei und Universal Unterstützung leisten würde. Zudem versichert er, dass sich nichts ändern werde und sie den Werten aus ihren Anfangsjahren weiterhin treu bleiben würden.
Beide Seiten loben Zusammenarbeit
Lambot betont die Überschneidungen zwischen beiden Labels:
"Unsere beiden Unternehmen haben viele Gemeinsamkeiten, einschließlich Teams, die eine echte Leidenschaft für Musik teilen, und unsere bisherige Beziehung war fruchtbar, freundschaftlich und alles, was wir uns erhofft haben."
Sir Lucian Grange, CEO von Universal, lobt das Engagement der beiden Gründer:
"Ich kenne Kenny und Michel seit Jahrzehnten, beginnend in den 80er Jahren, als wir alle Bands aus aufstrebenden Szenen in Europa unter Vertrag nahmen. Seit dieser Zeit haben Kenny und Michel PIAS zu einem Unternehmen aufgebaut, das für Authentizität und das Beste in der unabhängigen Musik steht."
International tätiger Konzern
Gegründet wurde PIAS 1982 in Brüssel und wuchs über die Jahre hinweg zu einem der größten Independent-Labels der Welt heran. Heute beschäftigt PIAS eigenen Angaben zufolge über 300 Angestellte weltweit und hat seine Firmenzentralen in Brüssel und London.
Neben dem Hauptlabel verfügt das Unternehmen über einen hauseigenen Vertrieb, mehrere Sublabels und kooperiert mit über 100 anderen Indie-Plattenfirmen aus aller Welt.
Universal dürfte mit der Übernahme seine Position als größtes der drei Major Label vor Sony Music und Warner weiter stärken.
Bedenken aus der Independent-Szene
Während der Deal von Kenny Gates als notwendiger Schritt zur Erweiterung des Einflusses und zur Sicherung der Zukunft von PIAS beschrieben wurde, stößt die Übernahme des Unternehmens durch Universal in der unabhängigen Musikbranche auf kritische Stimmen.
Die europäische Independent-Organisation IMPALA, zu deren Gründungsmitgliedern PIAS zählt, äußerte sich besorgt über die möglichen Folgen des Deals für den Wettbewerb.
Helen Smith, geschäftsführende Vorsitzende von IMPALA, hob in einer Stellungnahme hervor, dass PIAS seit langem ein wichtiges Mitglied des Verbandes gewesen war. Der Aufkauf durch Universal hinterlasse eine große Lücke im unabhängigen Sektor.
Aufsichtsbehörden sollen Übernahme prüfen
Weiter warnt IMPALA davor, dass die Übernahme das Problem der wachsenden Marktkonzentration weiter verschärfen könnte. Aus diesem Grund fordert die Organisation nun eine Untersuchung durch Regulierungsbehörden in Europa, Großbritannien und den USA. Diese sollen prüfen, wie es Universal trotz bereits dominierender Marktstellung möglich ist, weiter zu expandieren.
Dario Draštata, Vorsitzender von IMPALA, wies auf die "schleichende Dominanz" großer Major-Labels hin, die den unabhängigen Sektor zunehmend bedränge. Abgesehene von der Stärkung des Marktanteils der UMG werde durch die Übernahme auch ein Hauptkonkurrent des Major Labels eliminiert. Dadurch würden auch die Möglichkeiten für Künstler*innen und Labels eingeschränkt.
"Es geht nicht um einen rechnerischen Zuwachs an Marktanteilspunkten eines Majors, sondern um eine tiefgreifende Veränderung der Wettbewerbsdynamik auf dem Musikmarkt zum großen Nachteil der Wettbewerbsteilnehmenden und Verbraucher*innen."
Trotz der Kritik erkennt IMPALA die Verdienste der PIAS-Gründer an und dankte Kenny Gates und Michel Lambot für ihre über zwei Jahrzehnte währende Unterstützung des unabhängigen Sektors. Lambot bleibt weiterhin als Berater aktiv und plant, mit seinem neuen Unternehmen "Emotions" in der Musik- und Kulturbranche tätig zu bleiben.
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