Zahlreiche Herausforderungen
Wandel des Festivalmarkts: Mittelgroße Festivals sind am stärksten gefährdet
liveszene festivalorganisation
© Rudi Brand
Festivals zählen seit Jahren zu den wichtigsten kulturellen Großveranstaltungen Europas. Doch nach Einschätzung der Analytikerin Annick Maas von Bernstein Research entwickelt sich der Markt in unterschiedliche Richtungen, wie das Branchenmagazin IQ berichtet.
Der Zwang möglichst viele Tickets früh zu verkaufen
Insbesondere mittelgroße Festivals (bis 30.000 Besucher) geraten immer stärker unter Druck und könnten in den kommenden Jahren Schwierigkeiten bekommen, sich wirtschaftlich zu behaupten. Die größten Veranstaltungen und Nischen-Festivals (bis 10.000 Besucher) sind dagegen besser aufgestellt, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen.
Ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Stabilität von Festivals sei laut Maas die Fähigkeit, bereits vor der Bekanntgabe des vollständigen Line-ups Tickets zu verkaufen. Dadurch entstehe ein finanzieller Spielraum, um auf kurzfristig steigende Künstlerhonorare zu reagieren.
Demografischer Wandel
Als Ursache sieht die Analytikerin auch einen demografischen Wandel innerhalb der Zielgruppe. Während Festivals in den 1990er-Jahren noch ein eher kleines Nischenphänomen waren, erlebte die Branche rund um das Jahr 2010 ein starkes Wachstum, das vor allem von Millennials getragen wurde.
Diese Generation befindet sich inzwischen jedoch häufig in einer anderen Lebensphase mit Familie, Beruf und hat weniger Zeit für mehrtägige Festivalbesuche.
Junge Besucher und steigende Kosten
Ticketverkäufe machen mittlerweile einen immer kleineren Anteil am Gesamtumsatz vieler Festivals aus. Besucher:innen geben vor Ort oft ähnlich oder genauso viel Geld für Essen, Getränke und Freizeitangebote aus wie für das eigentliche Ticket. Diesen Umstand bewertet Annick Maas als problematisch.
Gleichzeitig ist es so, dass die jüngeren Generationen oftmals nicht die finanziellen Möglichkeiten haben, regelmäßig Festivals zu besuchen. Die Gesamtkosten für Tickets, Unterkunft, Verpflegung und weitere Ausgaben vor Ort liegen inzwischen oft bei mehreren hundert Euro. Wie sich dieses Nachwuchsproblem angesichts ständig wachsender Kosten lösen soll, ist unklar.
Ähnliche Themen
Mit Blick in die Zukunft
Nach Festivalabsagen wegen Hitze: Wie Veranstalter auf extreme Wetterlagen reagieren können
veröffentlicht am 15.07.2026 2
Zentrale Rolle im Hintergrund
'Her Frequency'-Studie sieht Frauen als Schlüsselfaktor für die Live-Musikbranche
veröffentlicht am 30.06.2026 16
Ticketzweitmarkt und Reformen
BDKV fordert zukunftsfähige Rahmenbedingungen für Festivals
veröffentlicht am 28.05.2026
Deutliche Ungleichheiten zwischen Klassik und Pop
Festivalstudie 2025: Musikvielfalt zwischen Leidenschaft und ökonomischem Druck
veröffentlicht am 17.09.2025 2
"Als Festival-Veranstalter muss man von seiner Idee überzeugt sein"
Holger Jan Schmidt (DAS FEST, YOUROPE) über Booking, Festivalsterben und nachhaltige Festivalplanung
veröffentlicht am 15.01.2025