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Ein allzu positiver Blick auf KI?

Warner Music Group sieht KI als Wachstumstreiber für die Musikindustrie

News von Julian Engl
veröffentlicht am 06.03.2026

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Warner Music Group sieht KI als Wachstumstreiber für die Musikindustrie

Robert Kyncl (2024). © Warner Music

Robert Kyncl, CEO der Warner Music Group, ist überzeugt, dass der Kapitalmarkt das Potenzial seines Unternehmens unterschätzt – insbesondere im Hinblick auf die Chancen durch Künstliche Intelligenz. Diese Sichtweise ist nicht unproblematisch.

Entgegen verbreiteter Bedenken betrachtet Kyncl KI-Musik nicht als Bedrohung für etablierte Rechteinhaber, sondern als strukturellen Wachstumstreiber. Die zunehmende Menge KI-generierter Musik erhöhe in einer Welt nahezu unbegrenzter Inhalte die Bedeutung von Vertrauen in bekannte Künstler und starke Marken.

Kyncl führt weiter aus, dass die Warner Music Group bereits Lizenzvereinbarungen mit KI-Musikplattformen wie Suno, Udio und Stability AI geschlossen hat, um KI als lizenziertes und wertschöpfendes Element in ihr Geschäftsmodell zu integrieren.

Wachstumspotential im Streaming-Markt

Zugleich sieht Kyncl weiteres Wachstumspotenzial im Streamingmarkt: Weltweit gebe es über 800 Millionen Abonnenten, die im Durchschnitt rund 40 US-Dollar pro Jahr für Musik ausgeben – deutlich weniger als für Videostreaming.

Preisanpassungen, gezielte Angebote für sogenannte "Superfans" sowie Reformen bei der Musikverlagslizenzierung sollen künftig zusätzliche Erlöse erschließen. Branchenprognosen gehen davon aus, dass die Zahl der zahlenden Streaming-Abonnenten bis 2035 auf etwa 1,5 Milliarden steigen könnte.

Mit organisatorischen Anpassungen, technologischer Modernisierung und klaren regulatorischen Rahmenbedingungen will die Warner Music Group dennoch den langfristigen Wert von Musik steigern – zum Nutzen von Künstlern, Songwritern und Aktionären.

Ist neue Musik wirklich weniger relevant?

Einige der Argumente wirken jedoch fragwürdig. Kyncl verweist etwa darauf, dass neue Veröffentlichungen nur noch rund 27 Prozent des US-Streamingkonsums ausmachen gegenüber 45 Prozent vor zehn Jahren. Daraus leitet er ab, dass Musikunternehmen heute weniger stark vom Erfolg neuer Releases abhängig seien.

Diese Entwicklung lässt sich jedoch auch anders interpretieren: Vor zehn Jahren nutzten vor allem junge, musikaffine Hörer Streamingdienste, während viele andere, vornehmlich ältere Musikfans weiterhin CDs, MP3-Downloads oder Vinyl konsumierten.

Mit der massiven Ausweitung des Streamings auf inzwischen hunderte Millionen Nutzer hat sich die Hörerschaft deutlich verbreitert. Dadurch steigt automatisch auch der Anteil älterer Katalogtitel im Streaming. Die Statistik sagt daher nur begrenzt etwas darüber aus, wie wichtig neue Musik für das Publikum tatsächlich ist.

Stärken KI Veröffentlichungen wirklich bekannte Künstler?

Auch Kyncls These, dass die wachsende Menge KI-generierter Musik automatisch die Bedeutung etablierter Künstler stärkt, wirkt nicht gänzlich überzeugend. Kyncls Argumentation, dass Vertrauen in bekannte Namen in einer Welt nahezu unbegrenzter Inhalte wichtiger werde, ist nicht gänzlich von der Hand zu weisen.

Allerdings sollte man diese These nicht überstrapazieren, zumal wir uns aktuell immer noch am Beginn der KI-Revolution befinden. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Fans bestimmer Künstler sich mit KI-Kopien zufrieden geben, ist unklar, wie es sich mit sich mit Genres verhält, in denen die Fanbindung geringer ist, beispielsweise im Bereich Partyschlager. Zudem ist nicht absehbar, ob es Hörern mit zunehmender Verbreitung von KI-Musik irgendwann egal sein wird, woher die Musik stammt.

Kyncls Prognose basiert auf gewissen Annahmen, die keineswegs unbestritten sind. Ob sich der Aktienkurs von Warner Music erholt, wird auch davon abhängen, ob seine Prognosen so eintreffen.

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