Rechtsstreit
Astroworld Tragödie: Muss Live Nation CEO Michael Rapino vor Gericht aussagen?
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Michael Rapino, Präsident und CEO von Live Nation (2022). © Live Nation
Live Nation hat bereits Vergleiche mit den Familien der Todesopfer der Massenpanik getroffen, jedoch laufen nach wie vor Prozesse hinsichtlich der Verletzten und sonstigen Betroffenen.
Im April entschied das zuständige Gericht, dass Michael Rapino "relevante Informationen" besitze und daher unter Eid aussagen müsse. Live Nation will das verhindern und hat beim Obersten Gerichtshof von Texas einen Antrag gestellt, die Entscheidung des Richters rückgängig zu machen, wie Complete Music Update berichtet.
Gericht: Rapino soll aussagen
Zu den relevanten Informationen gehören die Geschäftsbeziehungen zwischen Live Nation und Travis Scott sowie die Entscheidungen nach dem Vorfall, der zur Massenpanik führte. Rapino soll zudem im Vorfeld darüber informiert gewesen sein, dass Travis Scott bei Konzerten dazu neigt, gefährliche Situationen zu provozieren. In dem Schriftsatz heißt es:
"Rapino wusste von Scotts gefährlichen Konzertmätzchen. Dazu zählen das Aufstacheln von Menschenmengen, die Ermutigung von Konzertbesuchern, die Sicherheitsvorkehrungen zu missachten und Konzertbesucher anzugreifen, die er in der Menge identifiziert, und die Ermutigung von Fans, seine Konzerte ohne Eintrittskarte zu besuchen."
Gegenmaßnahmen von Live Nation
Um Rapinos Aussage zu verhindern, versuchen Live Nations Anwälte, die "Apex deposition doctrine" anzuwenden. Dabei handelt es sich um ein rechtliches Prinzip in den USA, das verhindern soll, dass Kläger in einem Gerichtsverfahren unmittelbar eine Aussage von den beteiligten Geschäftsführern verlangen können.
Sie hat hauptsächlich zum Ziel, Aussagen zu verhindern, die weniger dazu dienen Informationen zu sammeln, sondern eher darauf abzielen, eine Führungskraft zu einer Aussage zu zwingen, um so die Gegenseite unter Druck zu setzen, einer Einigung zuzustimmen. Live Nation schrieb im eingereichten Schriftsatz:
"Dieser Fall stellt genau die Art von ungezügeltem Eingriff in Geschäftsangelegenheiten dar, die die Apex-Witness-Doktrin dieses Gerichts verhindern soll."
Zudem soll das zuständige Gericht entschieden haben, dass Rapino aussagen müsse, obwohl er keine relevanten Informationen besitze und "trotz schlüssiger Beweise, dass er beim Astroworld-Festival 2021 keine Rolle gespielt hat."
Welche Rolle spielte der CEO?
Die Anwälte der Astroworld Opfer widersprechen dieser Aussage und betonen, dass Rapino sehr wohl eine zentrale Rolle gespielt habe, und zwar insbesondere bei der Entscheidung, ob das Festival fortgesetzt werden solle.
Nach der Massenpanik am ersten Festivaltag informierten die Mitarbeiter von Live Nation Rapino über den Vorfall und fragten ihn, ob der zweite Festivaltag wie geplant stattfinden solle.
In einer Mail an den Live Nation Mitarbeiter Brad Wavra schrieb Rapino: "Lass uns auf die Bestätigung der Todesfälle warten, sobald eine Erklärung abgegeben wurde, können wir entscheiden – falls fünf gestorben sind, würden wir absagen". Währenddessen tauschte sich Rapino auch mit Travis Scott über die Situation aus.
Die E-Mail Kommunikation zwischen Rapino und Wavra sei nach Aussage der Anwälte der Opfer von entscheidender Bedeutung, weshalb Rapino vor Gericht aussagen müsse.
Warten auf die Entscheidung
Der Oberste Gerichtshof von Texas hat in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen. Wir halten euch auf dem Laufenden.
Wer sich über die Hintergründe der Tragödie informieren will, dem sei die sehr ausführliche englischsprachige Wikipedia-Seite empfohlen.
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