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Booking-Frust bis 2023?

Booking und Konzertplanung: Wie Musiker und Bands sich im Live-Geschäft jetzt zurechtfinden können

Tipps für Musiker und Bands von Doktor Nic
veröffentlicht am 02.07.2021

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Booking und Konzertplanung: Wie Musiker und Bands sich im Live-Geschäft jetzt zurechtfinden können

© Ethan Wu via Pexels

Die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 werden in den meisten Bundesländern rapide gelockert. Die Euphorie ist groß und Bands geraten spätestens jetzt in Zugzwang. Hier ist ein kleiner Guide, wie ihr als Band jetzt mit eurer Konzertplanung starten könnt und wie der Markt derzeit funktioniert.

Und auf einmal ging es ganz schnell: Das Wacken kündigt eine Ausgabe im September an, deutsche und internationale Bands planen Tourneen im Herbst. Was wirkt wie eine Branche im Vollrausch, ist natürlich ein Stück weit Aktionismus: Agenturen und Bands sind gezwungen, Pläne für den Fall zu machen, dass uns keine vierte Welle der Pandemie erwartet.

In der Realität sind alle gebuchten Konzerte ab Oktober 2021 mit Vorsicht zu genießen. Das wissen auch die Bookerinnen udn Booker. Die Hoffnung ist da, sie ist aber bei vielen Menschen aus der Veranstaltungsbranche eben nur das: eine Hoffnung. Deshalb ist die Devise für eure Band: Durchatmen, Ruhe bewahren – und trotzdem handeln!

"Go local"

Wenn euer Marketing, sprich eure Social Media-Konzepte, eure Onlinereleases oder was auch immer ihr in den letzten anderthalb Jahren getrieben habt, einigermaßen gefruchtet haben, solltet ihr jetzt euer EPK (Electronic Press Kit) sowie eure aktuellen Zahlen wie Spotify-Plays auf den neuesten Stand bringen. Dann geht es an die Planung: Was passiert für euch 2021 noch realistisch?

Sitz-, Hof-, Biergarten- und sonstige Corona-gerechte Shows sind bis auf wenige Einzelfälle ausgebucht. Um das festzustellen, reicht ein kurzer Blick auf die Programmpläne einschlägiger Locations. Das Schrödingers in Hamburg beispielsweise ist schon seit Anfang des Jahres bis Ende September ausgebucht gewesen, ebenso die Picknickkonzerte in Berlin.

Hier empfehle ich stark das lokale Arbeiten. Je kleiner eure Stadt, desto realistischer die Chance, noch ein Konzert spielen zu können. Dazu reicht häufig ein Anruf im Kulturbüro eurer Stadt oder bei diversen Veranstaltenden. "Go local" ist nicht nur ein Buzzword, sondern derzeit gern gesehen und bringt euch selbst als ansonsten national oder international tourende Band Pluspunkte ein.

Blick in die Zukunft richten

Euer Blick sollte stark gen 2022 und 2023 gerichtet sein. In meinem letzten Telefonat mit einem der größeren Festivalbooker/innen in Deutschland wurde mir berichtet, dass eigentlich alle Agenturen auf 2023 planen.

2022 wird gespickt sein von nachzuholenden Tourneen, denn 2021 wird nur ein kleiner Bruchteil der abgesagten 2020-Tourneen wirklich wiederholt bzw. wiederholt werden können. Dass US-amerikanische Bands noch dieses Jahr zu uns kommen, wird bei vielen Veranstaltenden als unrealistisch gehandelt.

Den berüchtigten "Rückstau", der seit letztem Jahr zum Ende der Pandemie befürchtet wird, sieht man schon jetzt. So genügt etwa ein Blick auf das 2022-Lineup des französischen Hellfest, das dank der Hilfe des Konzerns Live Nation eine unfassbare Anzahl an Bands gebucht hat.

Anfragen für 2022 und 2023 sollten jetzt rausgehen

Das heißt aber nicht, dass 2022 für euch gelaufen ist beziehungsweise ganz im Zeichen des "Nachholens" steht. Vor allem internationale Bands haben von 2019 bis 2022 rapide ihre Pläne geändert, viele Bookerinnen und Booker gehen von eher europäischen Lineups im nächsten Jahr aus.

Es lohnt sich, auch wenn es müßig erscheint, Veranstaltende zumindest kleinerer Festivals zu fragen, ob durch die Neuplanung für das kommende Jahr Slots freigeworden sind. Sprecht bei negativer Antwort auch direkt das Jahr 2023 an. Es ist jetzt umso mehr an euch, die Zügel in die Hand zu nehmen und weit im Voraus zu planen. Profis in der Branche würde auch ohne Corona längst am übernächsten Jahr planen, also tut es ihnen gleich!

Supportslots als Chance

Für Ende dieses Jahres und das ganze nächste Jahr könnten außerdem Supportslots eure Chance sein. Wenn ihr keine Profimusiker seid und eure Gage vorübergehend etwas nach unten drücken könnt, stehen die Sterne günstig, sich als Support oder Opener vereinzelter Konzerte anzubieten.

Ein Toursupport einer größeren Band zu bekommen ist derzeit eher schwer, denn Tourlineups werden tatsächlich lieber gespiegelt. Was aber nicht heißt, dass ihr euch nicht mit Bookingagenturen in Verbindung setzen solltet – im Gegenteil! Das eingangs erwähnte aktualisierte EPK sollte jetzt eure Visitenkarte sein, denn auch wenn die Agenturen alle Hände voll zu tun haben, so werden Newcomer weiterhin gesucht und entdeckt!

Spielt eure besten Karten aus

Eine Band, die 2020 alles richtig gemacht hat, viel in Onlinepräsenz gesteckt hat, neue Songs veröffentlicht hat, sich mit Streamingzahlen und deren realistischer Auswertung vertraut gemacht hat, hat gerade jetzt echte Chancen, von einer Bookingagentur mitgenommen zu werden.

Denkt daran, dass Agenturen und Managements die Acts am attraktivsten finden, die interessant sind, ein starkes Following haben und vor allem eigenständig arbeiten. Wer zu Pandemiezeiten aus der Not eine Tugend gemacht hat, wird dafür auch belohnt werden, dessen bin ich mir sicher!

Im Voraus planen ist unerlässlich

Zum Abschluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass das Livegeschäft in jedem Genre, in jeder Region und für alle Künstlerinnen und Künstler unterschiedliche Auswirkungen hat.

Das wichtige ist, sich jetzt um die Liveplanung zu kümmern und so weit im Voraus zu planen, wie nur irgend möglich. Habt dabei keine Scheu, die Großen anzufragen, euch mit Agenturen zu vernetzen und "nervig" zu sein. Bewahrt nur Ruhe und werdet kein Opfer der "fear of missing out", bloß, weil jetzt viele Konzerte aus dem Boden schießen. Denn auch eure Zeit wird kommen.

 

Egal ob lokale Show oder Support-Slot: Im Backstage PRO-Booking-Bereich findet ihr passende Angebote für eure Band oder euer Soloprojekt!

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