Milliardengeschäfte auf Kosten der Fans
FTC verklagt Live Nation und Ticketmaster wegen enger Zusammenarbeit mit Ticketzweithändlern
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Das Hauptquartier der FTC in Washington D.C. © Harrison Keely, CCA 4.0
Laut FTC ermöglichte Ticketmaster gezielt den massenhaften Ankauf durch Ticketzweithändler, die mit Fake-Konten und Proxy-IPs arbeiteten. Die so erworbenen Tickets werden anschließend über die Zweitverkaufsplattform von Ticketmaster zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft. Die vollständige Klage gibt es hier.
Konkret wirft die FTC Ticketmaster vor, mit Lockangeboten gearbeitet zu haben: Tickets seien zu niedrigeren Preisen beworben worden, als die Kunden am Ende tatsächlich zahlen mussten. Erst beim Abschluss des Kaufvorgang seien zusätzliche Gebühren aufgeschlagen worden, die den Gesamtpreis deutlich erhöhten. Diese Erhöhung konnte laut FTC höher als 40 Prozent des Preises ausfallen.
Während dieser Vorwurf nicht neu ist, enthält die Klage auch tatsächlich bislang unbekannte Aspekte: So habe Ticketmaster strenge Beschränkungen für den Ticketkauf kommuniziert, die aber nicht für Ticketzweithändler galten. Während normale Käufer offiziell nur eine begrenzte Anzahl an Tickets pro Person erwerben durften, hätten professionelle Ticketzweithändler diese Limits "regelmäßig und in großem Umfang überschritten".
Doppelt kassiert
Die FTC geht weiter davon aus, dass Ticketmaster über seine eigene Wiederverkaufsplattform Millionen solcher Tickets weiterveräußert habe – oftmals zu wesentlich höheren Preisen für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Auf diese Weise hätte Ticketmaster zusätzlich am Weiterverkauf verdient und sowohl Künstler wie Verbraucher getäuscht.
Zwischen 2019 und 2024 habe Ticketmaster dadurch rund 3,7 Milliarden Dollar an Wiederverkaufsgebühren eingenommen.
Roter Teppich für Ticketzweithändler
Nach Einschätzung der FTC wussten Live Nation und Ticketmaster bereits seit 2018, dass Ticketzweithändler gegen Ticketlimits verstießen. Interne E-Mails sollen belegen, dass Manager des Konzerns dies ignorierten und damit den Zweitmarkt bewusst stärkten, obwohl der Konzern öffentlich das Gegenteil behauptete.
Laut FTC-Dokumenten bot Ticketmaster den Ticketzweithändlern sogar technische Unterstützung durch das Tool "TradeDesk" an. Dies erleichtere es Wiederverkäufern, von mehreren Accounts erworbene Tickets an einem Ort zu bündeln, zu verwalten und weiterzuverkaufen. Interne Analysen zeigten, dass nur fünf Ticketzweithändler über 6.000 Ticketmaster-Konten betreiben konnten und somit über 240.000 Konzerttickets für über 2.500 Veranstaltungen besaßen.
Ticketmaster habe zudem den Einsatz zuzsätzlicher technologische Maßnahmen unterlassen, mit denen es möglich gewesen wäre, den Einsatz multipler Fake-Konten zu unterbinden. Beispielsweise entschied sich das Unternehmen im Jahr 2021 gegen die Verwendung einer Identitätsprüfung, da diese "zu effektiv" war.
Rechtlicher Rahmen
Die FTC beruft sich auf Verstöße gegen den FTC-Act und den sogenannten Better Online Ticket Sales Act (BOTS Act) und fordert zivilrechtliche Strafen und finanzielle Entschädigungen. Die Klage wurde beim US-Bezirksgericht für den Zentralen Distrikt von Kalifornien in Los Angeles eingereicht.
Nach der Bekanntgabe verlor die Aktie von Live Nation mehr als 4 Prozent und notiert aktuell bei ungefähr 165 US-Dollar.
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