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Reformdruck bleibt bestehen

GEMA startet neuen Anlauf zur Reform der Kulturförderung

News von Daniel Nagel
veröffentlicht am 28.07.2025

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GEMA startet neuen Anlauf zur Reform der Kulturförderung

Georg Oeller, Vorstandsmitglied der GEMA. © Sebastian Linder

Nach dem Scheitern eines ersten Reformversuchs bleibt die Reform der GEMA-Kulturförderung auf der Agenda wie Vorstandsmitglied Georg Oeller in einem Interview erläutert. Bei der Mitgliederversammlung 2026 will die GEMA das Thema mit einem überarbeiteten Reformvorschlag erneut auf die Tagesordnung setzen – und dazu auch die Mitglieder verstärkt einbinden.

Das bestehende Fördersystem der GEMA steht seit längerem in der Kritik. Grund dafür ist die Bevorzugung von E-Musik. Nach den bisherigen Regeln sind 30 Prozent der Fördermittel (ca. 16 Millionen Euro pro Jahr) für die E-Musik reserviert und das unabhängig von der Höhe der Einnahmen und Ausschüttungen in diesem Bereich. 

Einseitige Bevorzugung der E-Musik

Als besonders problematisch erscheint GEMA-Vorstandsmitglied Georg Oeller, dass sich ein erheblicher Anteil der Fördermittel auf einen sehr kleinen Kreis von Empfängern konzentriert. Die 100 einkommensstärksten E-Musik-Komponisten erhalten 5 Millionen Euro, was einer durchschnittlichen Förderung von 50.000 Euro entspricht! Insgesamt werden an E-Musik-Komponisten 10 Millionen Euro ausgeschüttet.

Oeller betont, es sei für viele Mitglieder aus dem U-Musik-Bereich "schwer nachzuvollziehen, warum sie diese Förderung solidarisch mitfinanzieren sollen, wenn ihre Genres dabei außen vor bleiben." Das System müsse an die veränderten Gegebenheiten angepasst werden. 

Öffnung für neue Musikformen

Die GEMA möchte daher die Fördermittel künftig an deutlich mehr Empfänger verteilen, neue musikalische Ausdrucksformen stärker berücksichtigen und Nachwuchskünstlern den Zugang zur Förderung erleichtern. 

Die historisch gewachsene Ausschüttung von Fördergeldern an Rechtsnachfolger, also Erben berühmter Komponisten sei ebenfalls "nicht mehr zeitgemäß". Gleichzeitig soll die Nachwuchsförderung deutlich gestärkt werden, die bislang deutlich zu kurz komme. Dabei benötigten gerade Nachwuchskünstler aus allen Bereichen diese "Anschubunterstützung". Oeller erklärt:

"Wir alle wissen: Die GEMA ist nur so stark wie die Generationen, die nachkommen. Es ist unsere solidarische Verpflichtung, für Nachwuchs zu sorgen — und das heißt auch, ihn angemessen zu fördern. Das ist kein Selbstläufer und keine Aufgabe, die man auf andere Institutionen abwälzen kann."

Neuer Anlauf 2026

Im Rahmen der Mitgliederversammlung im Mai 2025 scheiterte das Reformvorhaben knapp an der notwendigen Zweidrittelmehrheit in den drei Kurien der Komponisten, Textdichter und Musikverlage. Allerdings stimmten in allen Kurien mehr als 60 Prozent der Mitglieder dem Reformvorhaben zu, bei den Textdichtern betrug die Mehrheit sogar mehr als 99 Prozent.

Die GEMA interpretiert dieses Abstimmungsergebnis als Auftrag und arbeitet derzeit an einer überarbeiteten Fassung des Antrags, der 2026 erneut zur Abstimmung gestellt werden soll.

Bis Oktober 2025 will die GEMA intensive Gespräche mit Mitgliedern, Verbänden, Branchenvertretern und Institutionen wie Musikhochschulen zu führen, um Rückmeldungen einzuholen und mögliche Anpassungen zu diskutieren. Im Anschluss wird der Aufsichtsrat die Ergebnisse prüfen und im Dezember über einen finalen Reformantrag entscheiden, der dann allen Mitgliedern vorgestellt wird.

Breite Beteiligung der Mitglieder

Um sicherzustellen, dass die Mitglieder aktiv in den Reformprozess eingebunden sind, hat die GEMA zwei neue Beteiligungsformate geschaffen: das Forum E für Mitglieder aus dem Bereich der E-Musik sowie das Forum U für die Unterhaltungsmusik. Zudem können sich alle Mitglieder – unabhängig von ihrer Teilnahme an den Foren – direkt an die GEMA wenden, unter anderem über die eigens eingerichtete E-Mail-Adresse [email protected].

Ziel ist ein transparenter, offener und nachvollziehbarer Reformprozess, bei dem jede Stimme zählt. Oeller wünscht sich eine sachliche und faire Diskussion und betont, dass es nicht um einen Rückzug der GEMA aus der Kulturförderung gehe – im Gegenteil:

"Wir wollen sie [die Kulturförderung] erhalten und setzen alles daran, diese Förderung zukunftsfähig weiterzuführen. Wir müssen sie aber anpassen an die veränderten Gegebenheiten, so dass wir sie auch in Zukunft gut begründen können. Denn eines dürfen wir nie vergessen: Das Geld, das in die Förderung fließt, haben Mitglieder verdient. Dafür tragen wir Verantwortung."

Reform mit klaren Zielen

Inhaltlich verfolgt die GEMA laut Oeller mit der Reform das Ziel, die Verteilung im E-Bereich künftig stärker an das tatsächliche Aufkommen zu koppeln, wie es im U-Bereich bereits der Fall ist. Außerdem soll der Fokus auf den E-Bereich gelockert und andere musikalische Richtungen sowie die Nachwuchsförderung gestärkt werden. Effizienz und Wirksamkeit der Förderung sollen ebenfalls verbessert werden.

Für Georg Oeller ist die Reform mehr als ein organisatorisches Projekt – sie ist Ausdruck einer Haltung:

"Ich möchte keine Klientelpolitik, sondern eine GEMA, die nicht nur Rechte wahrnimmt, sondern auch Verantwortung übernimmt und einen aktiven Beitrag zur Förderung des musikalischen Lebens leistet." 

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