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IFPI-Bericht untersucht Wachstumspotenzial und Herausforderungen des EU-Musikmarkts
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© Jamieson Murphy via unsplash.com
Der Bericht "Music in the EU: A Global Opportunity" beleuchtet laut IFPI nicht nur, wie Musikunternehmen den Erfolg europäischer Musik und Künstler sowohl national als auch international vorantreiben, sondern wirft zugleich einen Blick auf die Herausforderungen und Chancen, die Position der EU im globalen Musik-Ökosystem zu sichern und auszubauen.
Zudem thematisiert der Bericht, wie politische Entscheidungsträger der EU dazu beitragen können, die Zukunft der Musikbranche in der EU zu sichern. Man könnte auch sagen: Der Bericht soll Argumente liefern, um EU-Politiker von der Notwendigkeit politischer Maßnahmen zugunsten der Musikindustrie zu überzeugen.
Umsatzwachstum des europäischen Musikmarktes
Die Umsätze aus Musikaufnahmen wuchsen in der EU im Jahr 2023 laut Bericht um 8,7 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Dabei existieren gewaltige Unterschiede innerhalb der EU: Die niedrigsten Wachstumsrate verzeichneten Finnland (3,7 Prozent) und Frankreich (4,4 Prozent).
Dann folgt ein breites Mittelfeld von Ländern mit Wachstumsraten zwischen 6 und und 12 Prozent, darunter Schweden (6,1 Prozent), Dänemark (6,2 Prozent) Deutschland (7 Prozent), Österreich (7,2 Prozent) und Irland (8,4 Prozent). Wachstumsraten zwischen 10,5 und 12,6 Prozent erreichen Spanien, die Niederlande, Slowenien, Ungarn, Portugal, Rumänien, Belgien und die Slowakei.
Die höchsten Wachstumsraten weisen Griechenland (14,9 Prozent), Polen (18,3 Prozent) Italien (18,8 Prozent), die baltischen Staaten (21,2 Prozent) und vor allem Bulgarien (44 Prozent!) auf.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass das Wachstums des Musikmarktes in der Regel dort besonders hoch ist, wo (legale) Tonträger-Verkäufe in früheren Jahrzehnten geringere Bedeutung hatten als in Mittel- und Nordeuropa.
Streaming-Boom erreicht die ganze Welt
Die hohen Wachstumsraten in Süd- und Osteuropa zeigen das Potential für Streaming-Services in weniger wohlhabenden Teilen der Welt, in denen sich der legale Erwerb von Tonträgern nie durchgesetzt hatte, die aber jetzt am Streaming-Boom partizipieren.
Das verdeutlicht der Blick in andere Regionen bzw. Länder: Umsätze aus Musikaufnahmen verzeichneten in China einen Anstieg von 25,9 Prozent und wuchsen im Afrika südlich der Sahara um 24,7 Prozent, während die Wachstumsrate in Mexiko bei 18,2 Prozent lag.
Das Wachstum des EU-Musikmarkts im Vergleich
Wenn der Bericht davon spricht, dass die Wachstumsrate in der EU niedriger liegt, als in anderen Weltregionen, muss berücksichtigt werden, dass sich diese auf einem weitaus niedrigeren Gesamtniveau bewegen. Während der Umsatz mit Recorded Music im knapp 450 Millionen Menschen umfassenden EU-Raum 3,3 Milliarden Euro beträgt, erreicht er im 1,4 Milliarden Menschen starken China gerade einmal 826 Millionen Euro.
Dass die EU hinsichtlich des Wachstums des Musikmarktes gar nicht so schlecht abschneidet, zeigt sich auch im Vergleich mit den anderen großen Musikmärkten der Welt. Die EU-Wachstumsrate von 8,7 Prozent liegt höher als die von Großbritannien (8,1 Prozent), Japan (7,6 Prozent) und der USA (7,2 Prozent).
Einbruch bei Tonträgern wirkt nach
Im Vergleich zu 2001, dem global umsatzstärksten Jahr der Musikmärkte, zeigt sich, dass sich die Musikmärkte bis heute nicht vom Einbruch der Tonträgerverkäufe erholt haben (und dabei ist die Inflation gar nicht erst berücksichtigt).
In diesem Vergleich schneidet die EU im Übrigen auch nicht sonderlich gut ab. Der Umsatz des Jahres 2023 erreicht gerade einmal 61 Prozent des Wertes von 2001. Großbritannien kommt auf denselben Wert, während in Japan (71 Prozent) und den USA (80 Prozent) der Rückgang nie so dramatisch ausfiel bzw. die Erholung weiter fortgeschritten ist.
In diesem Punkt kann man der Interpretation des Berichts zustimmen: Der EU-Musikmarkt verfügt über jede Menge Wachstumspotential.
Das Wachstumspotenzial der Musikbranche in der EU
Das größte Sorgenkind des Berichts ist aber die geringe Durchsetzungsfähigkeit europäischer Künstlerinnen und Künstler auf dem Weltmarkt. "Einheimische" Künstler sind in Europa verhältnismäßig erfolgreich, aber global nur in Einzelfällen zu den Top-Acts zählen.
Global dominieren US-Künstlerinnen wie Taylor Swift und Miley Cyrus die weltweiten Top-10-Single-Exporte, die auch zahlreiche latein- und mittelamerikanische Künstler aufweist.
Große Unterschiede
Auf der anderen Seite ist die internationale Durchdringung der Musikmärkte in der EU sehr unterschiedlich ausgeprägt.
In den 22 EU-Märkten, in denen die IFPI jährlich ihre Daten sammelt, kamen dabei 60 Prozent der Titel der Top-10-Singles von einheimischen Künstlern, im Vergleich zu den 47 Prozent aus Nicht-EU-Märkten.
In Skandinavien, Italien, Ungarn und Griechenland kommen fast alle Top 10-Songs der Charts im Jahr 2023 aus der EU, in Deutschland und Frankreich immerhin 70 Prozent. Deutlich geringer fällt diese Quote beispielsweise in Spanien aus, wo sehr viel lateinamerikanische Musik in den Charts vertreten ist.
Zu anderen Ländern, in denen nur ein geringer Teil der Top 10-Charterfolge aus der EU stammt, zählen Irland, Bulgarien, Lettland, die Slowakei und Belgien. Im Fall von Irland und Belgien (und vielleicht auch der Slowakei) liegt das an der Präsenz eines oder mehreren größeren Nachbarländer, in dem die gleiche Sprache gesprochen wird und das den Großteil der erfolgreichen Singles prodzuiert.
Insgesamt zeichnet sich die europäische Musikszene durch eine hohe Zahl von Kollaborationen über Kulturen und Landesgrenzen aus. Der Bericht nennt zahlreiche Beispiele von Künstlerinnen und Künstlern, deren Popularität aus der Zusammenarbeit von Musikern oder Labels über Grenzen hinweg resultiert.
Relevanz von Plattenfirmen
Des Weiteren betont der Bericht die Relevanz von Plattenlabels, sowohl für Künstler als auch für ihre Fans und die Wirtschaft.
Frank Briegmann, CEO von Universal Music Central Europe, äußert sich wie folgt zu dem Thema:
"Seit es Plattenfirmen gibt, versuchen sie, die Träume der Künstler zu erfüllen. Es gibt jetzt so viele Möglichkeiten für Künstler, ihre Musik zu veröffentlichen. In dieser Zeit der unendlichen Inhalte ist es enorm wichtig, die Fans zu erreichen. Unsere Rolle als Label, mit unserer Reichweite und unserem Fachwissen, ist wichtiger denn je, um neuen Künstlern zum Durchbruch zu verhelfen."
Zudem sind Plattenfirmen die führenden Investoren im Musikbereich und geben jährlich 6,8 Milliarden Euro für Künstler A&R und Marketing aus. Dabei trägt jeder Euro, den Musikfirmen investieren oder verdienen, zusätzlich 1,80 Euro zum BIP anderer Bereiche im Musiksektor bei.
Probleme der Künstlichen Intelligenz
Zudem thematisiert der Bericht, wie politische Entscheidungsträger der EU zu einem ethischen Umgang mit KI beitragen können. Folglich sollte die EU den AI-Act hinsichtlich Transparenz und Einhaltung der EU-Urheberrechtsgesetze anwenden.
Im Rahmen dieses Gesetzes müssen KI-Entwickler Aufzeichnungen über die Schulung ihrer KI-Modelle führen und bereitstellen, damit Rechteinhaber ihre Rechte durchsetzen können. Weiterhin müssen sie Deepfake-Inhalte klar als künstlich erzeugt oder manipuliert kennzeichnen. Diese Regeln sollten eingehalten werden, unabhängig davon, ob die KI-Modelle in der EU trainiert wurden oder außerhalb.
Urheberrechtsdurchsetzung in der EU
Mit dem Aufkommen neuer Technologien wächst auch die Bedrohung durch Piraterie. In diesem Zusammenhang betont der Bericht, dass die Urheberrechtsdurchsetzung in der EU häufig langsam, kostspielig und ineffektiv sei.
Dies liegt nach Ansicht der Musikindustrie daran, dass die EU-IP-Durchsetzungsrichtlinie (EU IP Enforcement Directive) in vielen EU-Mitgliedsstaaten noch nicht umgesetzt wurde, weshalb illegale Webseiten weiterhin in der EU operieren können. Laut dem Bericht sollten daher die EU-Regeln einheitlich in allen Mitgliedstaaten angewendet werden.
Rechteinhaber sollten durch die richtige Umsetzung der Maßnahmen wirksame rechtliche Mittel erhalten, um den Zugang zu illegalen Websites und Diensten zu verhindern. Dazu gehört beispielsweise auch die Einführung eines "Notice and Stay Down" Systems, das sicherstellt, dass Online-Plattformen illegale Inhalte von ihren Seiten entfernen.
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