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Es geht wieder los

In Leipzig fand das erste Clubkonzert seit sieben Monaten statt

Spezial/Schwerpunkt von Christian Grube
veröffentlicht am 01.06.2021

coronakrise liveszene

In Leipzig fand das erste Clubkonzert seit sieben Monaten statt

Fil Bo Riva im Felsenkeller Leipzig (2021). © Christian Grube

Mehr als ein halbes Jahr mussten Musikfans in ganz Deutschland auf Livekonzerte verzichten. Im Felsenkeller Leipzig endete diese traurige Zeit mit einem Auftritt des Sängers/Songwriters Fil Bo Riva – und gestattete einen Blick in die Zukunft.

Konzerte sind aktuell eine echte Mangelware. Die letzten pandemiegerechten Live-Events fanden Ende Oktober 2020 statt, die letzten Clubkonzerte ohne jegliche Einschränkung im März 2020. 

Der Felsenkeller Leipzig entdeckte in der aktuell gültigen Corona-Schutzverordnung des Freistaates Sachsen einen Passus, dass Konzerte unter strengen Auflagen möglich sind. Gesagt getan – innerhalb von zwei Wochen organisierten die Veranstaltenden Deutschlands erstes Hallenkonzert seit sieben Monaten.

Eine Überraschung im Gesetz

Jörg Folta, Geschäftsführer des Felsenkeller Leipzig ist sichtlich aufgeregt, als er im Pressegespräch von den Vorbereitungen erzählt. Seit Anfang Mai 2021 liegt die Inzidenz in der sächsischen Großstadt unter 100. Das heißt, dass die sog. Bundesnotbremse nicht mehr greift; stattdessen gilt die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung vom 04.05.2021.

Jörg Folta, Geschäftsführer des Felsenkeller Leipzig

Jörg Folta, Geschäftsführer des Felsenkeller Leipzig, © Christian Grube

Eher zufällig entdeckte Folta darin den Paragraph 18, der den Betrieb von "Kulturstätten" regelt. Darin heißt es: "Museen, Bibliotheken, Galerien, Ausstellungen, Gedenkstätten, Kinos, Theater, Bühnen, Opernhäuser, Konzerthäuser, Konzertveranstaltungsort, Musiktheater und ähnliche Einrichtungen für Publikum sowie Kulturveranstaltungen im Außenbereich dürfen unter der Voraus-setzung öffnen, dass diese eine Terminbuchung mit Dokumentation für die Kontakterfassung oder –nachverfolgung nach § 6 Absatz 1, 6 und 7 sowie die Vorlage eines tagesaktuellen Tests vorsehen."

Sinkt die Inzidenz unter 50, dann dürfen Kulturstätten sogar ohne die oben genannten Maßgaben öffnen.

Suche nach dem Künstler

Gesagt getan. Schnell musste eine Künstlerin bzw. ein Künstler her. Man fragte diverse Musiker/innen an, am schnellsten sagte der in Berlin lebende Italiener Fil Bo Riva zu. Der Sänger, der kurz vor der Pandemie sein erstes Album auf den Markt brachte, war damals gerade am Durchstarten – dann kam Corona. Umso mehr freute er sich auf die Show. Die Aufregung nach so langer Zeit war groß. Dass es das erste Konzert in Deutschland war, überraschte alle Beteiligten.

Fil Bo Riva

Fil Bo Riva, © Christian Grube

Kurz vor Pfingsten startete der Vorverkauf für die 330 Tickets. Zwei Tage vor dem Konzert waren keine Karten mehr erhältlich. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Zuschauer an Tischen platznehmen mussten und vorher einen negativen Corona Test vorweisen mussten.

Genesene und vollständig geimpfte Personen sind von der Testpflicht ausgenommen. Gleichzeitig sind ihre Daten für eine etwaige Kontaktnachverfolgung gespeichert worden. Die Pflicht zum Tragen von medizinischem Mund-Nasenschutz galt im gesamten Saal, nur auf den Sitzplätzen durfte er abgenommen werden.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Ob man mit einer derartigen Veranstaltung Geld verdient? Nein, weiß Jörg Folta zu berichten. Zum einen ist das Fil Bo Riva-Konzert ein Testlauf um zu schauen, wie unter den aktuellen Bedingungen eine Veranstaltung durchgeführt werden kann.

Hier lest ihr mehr über weitere Testkonzerte in Deutschland!

Zum Anderen möchten die Verantwortlichen den ganzen Dienstleistern, die teils seit über einem Jahr kein Einkommen in ihrem eigentlichen Beruf erzielt haben, wieder eine Perspektive bieten. Ohne staatliche Förderung sind Veranstaltung in dieser Größenordnung aber wirtschaftlich nicht tragbar. Auch vermutet der Geschäftsführer, dass Konzerttickets in Zukunft deutlich teurer werden – zumindest, wenn die Hygieneauflagen weiterhin so hoch sind.

Spürbare Euphorie

Dadurch, dass am Einlass strengere Kontrollen als früher galten, verzögerte sich der Beginn des Konzerts deutlich. Den Menschen war der Konzertentzug förmlich anzusehen.

Einlasskontrolle bei Fil Bo Riva

Einlasskontrolle bei Fil Bo Riva, © Christian Grube

Als Fil Bo Riva die Bühne betrat, entlud sich die Anspannung der zumeist weiblichen Zuschauer in pure Euphorie. Lange hielt es das Publikum nicht auf den Sitzen.

Das Publikum bei Fil Bo Riva

Das Publikum bei Fil Bo Riva, © Christian Grube

Ein voller Erfolg? Für die Zuschauer auf jeden Fall. Für die Veranstalter muss sich das noch herausstellen. Bei künftigen Konzerten dürften sogar bis zu 450 Personen anwesend sein. Man wollte aber für die erste Veranstaltung nicht gleich die derzeitige Maximalauslastung ausreizen.

Am 11. Juni wird an gleicher Stelle das Post Punk/Dark Wave Ein-Tages-Festival "A Night Of Cold Bliss" stattfinden – ein weiterer Test. Danach möchten die Veranstalter die Ergebnisse auswerten und schauen was geht. Und das gilt sicher nicht nur für Leipzig, sondern in ganz Deutschland.

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Locations

Felsenkeller

Felsenkeller Leipzig

Karl-Heine-Straße 32, 04229 Leipzig

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