Die schwierige Suche nach Lösungen
Kulturstaatsminister Weimer fordert gerechte Streaming-Entlohnung für Musikschaffende
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Wolfram Weimer (2025). © Jesco Denzel / Bundesregierung
Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, hat am 18. Dezember 2025 namhafte Musikerinnen und Musiker sowie Songwriterinnen und Songwriter aus dem Pop-Bereich zu einem Gespräch empfangen. Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Frage, wie Musikstreaming im digitalen Zeitalter fair für Musikschaffende gestaltet werden kann.
Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zählten unter anderem Herbert Grönemeyer, Peter Maffay, Balbina, Christopher Annen (AnnenMayKantereit), Annett Louisan, Daniel Grunenberg (Glasperlenspiel) sowie Sylvia Kollek von der Fair Share Initiative.
Hoffnung auf Selbstregulierung
Nach dem Treffen betonte Weimer, dass Streaming zwar aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken sei, sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Künstlerinnen und Künstler jedoch durch Streaming grundlegend verändert hätten:
"Wir müssen uns ehrlich fragen: 'Wer trägt eigentlich das System und wer profitiert davon?' Es kann nicht sein, dass einige wenige Superstars Millionen verdienen, während die große Mehrheit kaum von den Einnahmen aus dem Musikstreaming leben kann. Transparenz ist der Schlüssel: bei Erlösen, Algorithmen und Vertriebswegen. Nur so kann eine faire Entlohnung entstehen."
Suche nach langfristigen Lösungen
Staatsminister Weimer rief die Akteure der Branche wie Labels, Streamingdienste, Verwertungsgesellschaften und Musikschaffende daher auf, gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei müssten die Musikschaffenden gleichberechtigt am Tisch sitzen.
Zudem kündigte er an, sich für eine erneute europäische Debatte zum Thema einzusetzen, um langfristig eine fairere Vergütung im Streamingmarkt zu erreichen.
Keine schnellen Lösungen zu erwarten
So erfreulich auch die Tatsache ist, dass dieses Treffen stattfand, es verdeutlicht auch, dass es schnelle Lösungen nicht geben wird. Die Hoffnung auf eine Selbstregulierung der Branche erscheint zudem wenig realistisch zu sein, da die Interessen der Beteiligten zu unterschiedlich sind.
Während Labels und vor allem Streaming-Unternehmen danach streben, ihre Gewinne zu optimieren und ihren Aktienkurs zu steigern, fordern die Musikschaffenden höhere Vergütungen, was den wirtschaftlichen Zielen der Unternehmen entgegensteht. Die berüchtigte 1.000-Streams-Schwelle von Spotify, die vor allem kleine, unabhängige Acts benachteiligt, kann als Beispiel dafür dienen.
Stimmen der Beteiligten
Balbina (Hauptsprecherin Akademie für Populäre Musik):
"Ich setze mich seit vielen Jahren dafür ein, dass Musikerinnen und Musiker nicht nur Gegenstand kulturpolitischer Entscheidungen sind, sondern als Beteiligte dieses Wirtschaftssektors selbst mit am Verhandlungstisch sitzen. Genau dafür braucht es Räume, in denen diese Perspektiven gebündelt und hörbar werden. Die Deutungshoheit über die Zukunft der Musik darf nicht allein bei den Unternehmen liegen, die ihre Infrastruktur betreiben, sondern muss auch bei denen liegen, die die Werke schaffen. Dieser Dialog kann deshalb nur ein Anfang sein – und muss sich zu einer dauerhaften politischen Beziehung entwickeln, in der die Vielfalt musikalischer Perspektiven systematisch einbezogen wird. Dass der Kulturstaatsminister uns heute diese Tür geöffnet hat, ist ein wichtiges Signal – jetzt geht es darum, sie auch offen zu halten."
Herbert Grönemeyer (Akademie für Populäre Musik):
"Mit meinem Label Grönland Records versuche ich, neue Künstlerinnen und Künstler wirtschaftlich aufzubauen. Dabei zeigt sich täglich, dass sie unter heutigen Marktbedingungen nicht mehr die Chancen haben, die frühere Generationen hatten. Wenn innovative Musik in diesem System kaum noch etabliert werden kann, ist das kein individuelles Problem, sondern eine strukturelle Gefährdung eines gesamten Wirtschaftssektors. Genau darauf haben wir heute im Zentrum der Demokratie hingewiesen – und klar gemacht, dass jetzt gehandelt werden muss."
Axel Müller (freischaffender Musiker, Studiomusiker/ Arrangeur/ Sideman, Gründungsmitglied PRO MUSIK):
"Das Ökosystem Musik ist defekt: Musikproduktion ist für die breite Masse der Musiker*innen unwirtschaftlich geworden, weil das Musik-Streaming als derzeitiger Hauptvertriebsweg keine auskömmliche Einnahmequelle darstellt. Dadurch stirbt die musikalische Vielfalt aus, während der Gewinn von Streaming-Plattformen und Major-Labels jährlich steigt. Das ist Monopolisierung zu Lasten der Kreativen. Es braucht Transparenz und Regulierungen, um Musiker*innen fair zu vergüten."
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