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Geld oder Ruhm?

Lip-Sync-Plattform Tik Tok aufgrund seiner Lizenzierungspraktik in der Kritik

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 28.02.2019

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Lip-Sync-Plattform Tik Tok aufgrund seiner Lizenzierungspraktik in der Kritik

Gerade unter jungen Leuten ist Tik Tok äußerst beliebt. © Pixabay via Pexels / Lizenz: CC0

Während den meisten Erwachsenen das Videoportal Tik Tok wohl ein Rätsel ist, ist der Dienst unter Jugendlichen ein veritabler Hit. Doch auch Tik Tok steht aufgrund seiner geringen Auszahlung an Musikerinnen und Musiker in der Kritik.

Das Prinzip von Tik Tok ist wohl leichter erklärt als dessen Popularität bei Jugendlichen: Wie auch bei anderen Videoplattformen wie etwa YouTube können Nutzerinnen und Nutzer bei Tik Tok Videos anschauen und selbst hochladen.

Die Videos können dabei mit Musikstücken oder Tonaufnahmen sowie mit zahlreichen Filtern und Spezialeffekten versehen werden. Daraus resultiert auch Tik Toks hauptsächliche Verwendung zum Erstellen lippensynchroner Karaokesongs – ähnlich zur ebenfalls populären Plattform Musical.ly, die 2018 von Tik Tok übernommen wurde.

Comfortably blind

Die Songs, mit denen User ihre Videos unterlegen können, stammen aus einer Tik Tok-internen Datenbank, die gleichzeitig auch von Nutzerinnen und Nutzern der App befüllt wird: Jede in einem Video verwendete Tonspur geht automatisch in die Songdatenbank über, und steht ab dann jedem Nutzer zur Verfügung. 

Wie die Musik-Website Pitchfork schreibt, liegt genau hier das Problem, das Tik Tok für die Musikindustrie darstellt: Die Plattform überprüft im Hinblick auf das von Usern hochgeladene Material nicht, ob dieses auch von den betreffenden Personen hochgeladen werden durfte.

Anders gesagt: Die korrekte Lizenzierung von Songs (und damit Entlohnung von Musikerinnen und Musikern) scheint nicht die erste Priorität der Plattform. 

Stichwort DMCA

Das Vorgehen Tik Toks wird ermöglicht durch den Digital Millenium Copyright Act (DMCA). Dieser schützt Plattformen, die den Usern die Möglichkeit bieten, eigenen Content hochzuladen, vor eventuellen, horrenden Klagen bezüglich verletzter Rechte. 

Von dem DMCA geschützte Plattformen sind lediglich verpflichtet, unerlaubt hochgeladenes Material – nach Anzeige durch die Rechteinhaber – zu löschen.

Damit ist weder ein erneuter Upload unterbunden, noch das Material von der Plattform getilgt: Tik Tok muss bloß das angezeigte Video löschen; sämtliche anderen Uploads, die eventuell den gleichen Song benutzen, müssten erneut angezeigt werden. Ein schier unmögliches Unterfangen, da sich bei Tik Tok nicht zentral feststellen lässt, welcher Song in welchen Videos verwendet wird. 

Kurze Aufmerksamkeitsspanne

Plattformen wie beispielsweise YouTube oder Soundcloud haben Plattenfirmen, Künstlerinnen und Künstlern inzwischen durch die Einrichtung von Systemen, die die Lizenzierung bzw. Monetarisierung ermöglichen, einige Zugeständnisse eingeräumt.

Dies liegt jedoch vor allem auch daran, dass ein möglichst umfassendes (und stabiles) Angebot, gerade an Musik, für die Plattformen unerlässlich ist. 

Tik Tok hingegen basiert auf der Schnellebigkeit des hochgeladenen Materials, ein ausgedehnter Backkatalog ist hier nicht von Nöten.

Keine Kompromisse

Dies erklärt auch die bisherige Lizenzierungspraktik der Plattform: Nach Informationen von Pitchfork zeigten sich die Anwälte des Tik Tok-Vorgängers Musical.ly in Verhandlungen mit Labels oder Rechteverwaltern nicht bereit, von den von ihnen vorgeschlagenen Verträgen abzuweichen oder Kompromisse einzugehen. 

Entweder unterzeichnet ein Rechteinhaber exakt den Vertrag, den Musical.ly bzw. Tik Tok ausgearbeitet hat, und erhält dementsprechend eine geringe Entlohnung – oder er verweigert sich dem Vertrag und erhält gar keine Entlohnung, während Tik Tok, geschützt durch den DMCA, das geschützte Material weiterhin verwendet. 

Gleichzeitig trauen sich nur wenige aktuelle Künstlerinnen und Künstler, sich solchen enormen Content-Aggregatoren wie Tik Tok zu verweigern. Selbst, wenn sie für ihre Werke nicht bezahlt werden, fürchten sie sich, auf die virale Verbreitung ihrer Kunst – wie diese eben über Tik Tok geschieht – zu verzichten.

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