Nach Einreichung von Kartellklage
Live Nation-CEO Michael Rapino verteidigt Ticketmaster-Geschäftspraktiken
Michael Rapino, Präsident und CEO von Live Nation (2022). © Live Nation
Das US-Justizministerium wirft Live Nation und seinem Tochterunternehmen Ticketmaster vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen, was zu Wettbewerbsverzerrungen in der Live-Unterhaltungsindustrie führe.
Die Klage zielt darauf ab, den Wettbewerb wiederherzustellen und den Fans eine bessere Auswahl zu niedrigeren Preisen zu bieten. Ist sie erfolgreich, könnte Live Nation dazu gezwungen sein, Ticketmaster zu verkaufen. Live Nation wies die Anschuldigungen zurück.
Bester Anbieter dominiert
Jetzt äußerte sich auch Konzernchef Michael Rapino bei einer Konferenz zu den Vorwürfen und erklärte den Erfolg von Ticketmaster damit, dass es sich um die "beste globale Unternehmensplattform" handele. Das Produkt von Ticketmaster sei demzufolge einfach besser als das anderer Unternehmen.
Zu den Vorteilen von Ticketmaster zählen seiner Ansicht nach die Nutzerfreundlichkeit und der Einsatz fortschrittlicher Technologien. Diese Meinung teilt nicht jeder. Das US-Justizministerium spricht in seiner Klage davon, dass Kunden gezwungen seien, veraltete Technologien zu nutzen.
Vorteile für Business-Kunden
Rapino sprach aber auch über selten thematisierte Aspekte des Ticketmaster-Erfolgs und hob insbesondere den offenen Datenzugang für Businesskunden hervor. Als LiveNation Ticketmaster übernommen hat, habe dieser noch nicht bestanden.
Heutzutage haben die Ticketverkäufer die Möglichkeit, diverse Informationen über die Käufer zu erhalten. Diese sind sehr wertvoll, da so die Zielgruppe besser eingeschätzt und künftig gezielt angesprochen werden kann.
Ein Beispiel hierfür ist TM1 Marketing, das auf der Ticketmaster Business-Seite beworben wird. Das Marketing-Tool stellt neben Kundendaten auch die Verkauferlöse in Echtzeit dar.
Außerdem bietet es die Möglichkeit, Fans, die im Umkreis des Veranstaltungsortes leben, passgenau zu erreichen. Auch die Interessen dieser Kunden können eingesehen werden: So zeigt Ticketmaster an, welche Genres und Künstler die Person bevorzugt und welche Events sie in der Vergangenheit besucht hat.
Neue Marktbedingungen
Rapino sprach auch über aktuelle Entwicklungen in der Musikindustrie. Die Möglichkeit, Songs digital abzurufen, mache Künstler auf der ganzen Welt berühmt. Zudem würden Touren heute einen viel größeren Anteil ihrer Einnahmen ausmachen. Diese würden dementsprechend einen Vertriebspartner mit globalen Ressourcen bevorzugen:
"Das Konzert-Spiel hat sich von einem kleinen Laden zu einem globalen Geschäft entwickelt, und der Künstler will jetzt einen globalen Promoter mit großen lokalen und globalen Ressourcen, der ihm hilft."
Genau ein solcher Partner sei Ticketmaster: Dank der globalen Distributionspartner des Unternehmens könnten Fans auf der ganzen Welt erreicht werden.
Prozess soll erst 2026 starten
Wie überzeugend diese Argumente vor Gericht sein werden, wird sich aufgrund der Komplexität des Falles wohl frühestens Anfang März 2026 zeigen, wenn sich der Prozessbeginn nicht weiter verzögert, unter anderem, weil Live Nation vor ein anderes Gericht ziehen möchte, wie wir bereits berichtet haben.
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