Kritik verschärft sich
Neue Piraterie-Vorwürfe belasten KI-Firma Anthropic im Urheberrechtsstreit mit Musik- und Buchverlagen
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© Katrin Bolovtsova via pexels.com
UMG, Concord und ABKCO verklagten Anthropic bereits im Jahr 2023. Damals beschuldigten sie das Unternehmen, seinen KI-Chatbot Claude ohne Erlaubnis mit urheberrechtlich geschützten Liedtexten trainiert zu haben, die dieser nun in nur leicht veränderter Form wiedergebe.
Universal etwa verwies zudem auf die Möglichkeit, den Chatbot gezielt nach Songtexten von Künstlern zu fragen. Weiter sei Claude in der Lage diese Texte durch Anweisungen in den Stil eines anderen Künstlers umzuwandeln.
Musikverlage möchten Klage ausweiten
Zwei Jahre sind die Vorwürfe noch nicht aus der Welt. Ein jetzt veröffentlichtes Gerichtsdokument zeigt, dass die Verlage planen, ihre Klage wiederaufzunehmen und zu verschärfen. In diesem erneuern die Musikverlage ihre ehemaligen Vorwürfe und werfen Anthropic zudem vor, verheimlicht zu haben, für das KI-Training auf über BitTorrent raubkopierte Werke zurückgegriffen zu haben.
Darauf sind die Musikverlage offenkundig aufgrund einer separaten Klage aus dem Jahr 2023 aufmerksam geworden. Damals verklagten mehrere Buchautoren das KI-Startup und beschuldigten Anthropic, Claude ohne Erlaubnis mit ihren Büchern trainiert zu haben. Um ihre Beschuldigungen zu unterstreichen, legten die Kläger Beweise dafür vor, dass Anthropic BitTorrent verwendet.
Damals entschied der zuständige Richter, dass die unberechtigte Verwendung geschützter Werke für das Training des KI-Modells als "fair use" zu werten sei, die Piratierie von Büchern über illegale Webseiten allerdings nicht.
Brisante Äußerungen
Ein Antrag von Anthropic das in diesem Zusammenhang für Dezember 2025 angesetzte Verfahren zu verschieben, wurde am 11. August 2025 durch den Richter William Alsup abgelehnt.
Die Worte Alsups in diesem Zusammenhang verdeutlichen, dass die Klage der Musiverlage durch den neuen Aspekt der Raubkopien tatsächlich stark an Substanz gewinnen könnte. Im Fall der Autoren-Klage betonte dieser:
"Die Machenschaften von Anthropic beim Herunterladen von Raubkopien aus Bibliotheken und der Einsatz von Bit-Torrent-Technologie zu diesem Zweck spielen in diesem Fall eine große Rolle und sollten dem Geschworenengericht, dem Bezirksrichter und dem Berufungsgericht vollständig vorgelegt werden, bevor wir endgültig entscheiden, inwieweit das Kopieren von Raupkopien fair use war oder nicht."
Weiter kritisierte Alsup, die ausbleibende Transparenz seitens Anthropic und damit das Vorgehen des Unternehmens "urheberrechtlich geschütztes Material zu raubkopieren, ohne jemals Rechenschaft darüber abzulegen, inwieweit das raubkopierte Material tatsächlich und ausschließlich für eine faire Nutzung [fair use] verwendet wurde."
Signalwirkung für Musikindustrie
Die Entscheidung im Autoren-Verfahren könnte erhebliche Auswirkungen auf den parallelen Rechtsstreit der Musikindustrie haben. Sollten die Gerichte zu dem Schluss kommen, dass Anthropic systematisch urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung gesammelt und verbreitet hat, droht dem mit 61 Milliarden US-Dollar bewerteten Startup ein juristischer und finanzieller Präzedenzfall.
Die Musikverlage fordern bereits, den Prozess neu zu beginnen, um die BitTorrent-Vorwürfe umfassend zu untersuchen. Sollten sich diese bestätigen, könnte Anthropic nicht nur wegen unrechtmäßiger Vervielfältigung, sondern auch wegen illegaler Verbreitung haftbar gemacht werden.
Die Fälle gegen Anthropic stehen exemplarisch für eine zentrale Frage der KI-Ära: Wie weit darf die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zu Trainingszwecken gehen? Für Anthropic, das bilang Transparenz verweigert, könnte der bevorstehende Dezember-Prozess zur Schicksalsfrage werden und womöglich die Existenz von Anthropic bedrohen.
Wie Richter Alsup anklingen lässt, könnte der Prozess alleine im Falle der Autoren-Klage so kostspielig werden, dass das Unternehmen womöglich nicht mehr geschäftsfähig sei. "Wenn Anthropic eine große Niederlage erleidet, dann liegt das daran, dass das, was es [Anthropic] getan hat, auch von großem Ausmaß war."
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