Konfrontation der Shadow Library
Piraterie im Visier: Warum Anna's Archive jetzt Labels, Spotify und NVIDIA beschäftigt
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Bei Anna's Archive handelt es sich um eine anonyme Suchmaschine, die bislang vor allem Zugang zu Büchern, wissenschaftlichen Artikeln und anderem digitalen Material ohne formale Lizenz bot und sich über Spenden finanzierte.
Inhalt der Klage
Hintergrund der Klage [PDF] von Spotify, Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group ist, dass das als "Shadow Library" bekannte Projekt im Dezember 2025 rund 86 Millionen Musikdateien und 256 Millionen Metadatensätze aus dem Spotify-Katalog extrahiert haben soll.
Wie Music Business Worldwide berichtet, wirft die Klage, die Ende Dezember 2025 eingereicht und Mitte Januar 2026 öffentlich wurde, Anna's Archive unter anderem Urheberrechtsverletzung, Vertragsbruch, Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) und Computerbetrug vor.
Theoretisch könnten bis zu rund 13 Milliarden US-Dollar an Schadensersatz geltend gemacht werden. Der Betrag ergibt sich daraus, dass das US-Urheberrecht bei jedem einzelnen betroffenen Werk bis zu 150.000 Dollar Schadensersatz erlaubt.
Ein US-Bundesgericht hat bereits eine einstweilige Verfügung erlassen, die Anna's Archive daran hindert, weiterhin kopierte Werke zu hosten oder zu verbreiten, und Internetdienstleister angewiesen, entsprechende Domains und Dienste zu blockieren.
Anna's Archive selbst hat sich in einem nicht mehr aufrufbaren Blogeintrag zu Wort gemeldet und angegeben Spotify effektiv "gesichert" zu haben (im Original "backed up Spotify"), indem es die Inhalte der Plattform archiviert habe.
Wie MusicTech berichtet, positioniert sich Anna's Archive als vollständig offenes Archiv zur Bewahrung moderner Musik. Das Projekt begründet sein Vorgehen mit der Befürchtung, dass große Teile weniger bekannter Musik verloren gehen könnten, sollten Streamingdienste ihre Lizenzen kündigen oder ihren Betrieb einstellen.
Kein Einzelfall
Parallel zu der Klage gegen Anna's Archive haben Autor*innen in den USA eine Sammelklage aus dem Jahr 2024 gegen NVIDIA erweitert, in der KI-Chip-Hersteller beschuldigt wird, seine KI-Modelle mit illegalen, urheberrechtlich geschützten Werken trainiert zu haben.
In der aktuellen Klage wird nun unter anderem behauptet, dass NVIDIA direkt mit Anna's Archive in Kontakt getreten sei, um Zugang zu Millionen an Inhalten zu erhalten.
Weiter heißt es:
"Innerhalb einer Woche nach der Kontaktaufnahme mit Anna's Archive und wenige Tage, nachdem Anna's Archive auf die illegale Natur ihrer Sammlungen hingewiesen hatte, gab die Geschäftsleitung von NVIDIA 'grünes Licht' für die Fortsetzung der Piraterie. Anna's Archive bot NVIDIA Millionen von urheberrechtlich geschützten Büchern an."
Was der Fall Anna's Archive für Herausforderungen aufwirft
Die Vorwürfe gegen NVIDIA verdeutlichen, dass es bei der Nutzung von frei zugänglichen Medieninhalten nicht "nur" um fehlende Entlohnung der Rechteinhaber*innen geht. Es wird auch deutlich, dass KI-Modelle auch dann mit urheberrechtlich geschützten Inhalten trainiert werden können, wenn diese Daten über Umwege in Trainingssets gelangen.
Plattformen wie Anna's Archive können es ermöglichen, ohne Zustimmung der Rechteinhaber*innen urheberrechtlich geschützte Werke in großem Umfang in KI-Modelle einzuspeisen.
Die Vorwürfe gegen NVIDIA könnten damit zu einem Präzedenzfall werden, der klärt, wie weit die Sorgfaltspflicht von KI-Unternehmen bei der Herkunft ihrer Trainingsdaten reicht.
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