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Matthias von Welck im Interview

Stadtgarten Köln: Die APPLAUS-Preisträger über Clubförderung und die Wirkung des Preises

Interview von Backstage PRO
veröffentlicht am 02.11.2016

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Stadtgarten Köln: Die APPLAUS-Preisträger über Clubförderung und die Wirkung des Preises

Der Konzertsaal im Stadtgarten. © Konstanze Variabel

Im Interview erzählt Stadtgarten-Geschäftsführer Matthias von Welck, weshalb kommunale und staatliche Clubförderung notwendig ist.

Bereits viermal von APPLAUS prämiert, wurde der Stadtgarten in Köln 2016 zum ersten Mal als Spielstätte des Jahres ausgezeichnet.

Mit über 400 Veranstaltungen im Jahr deckt das Programm des Stadtgartens im Konzertsaal und im Studio 672 eine beachtliche kulturelle Bandbreite ab. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die aktuelle Musik in all ihren Erscheinungsformen, ergänzt durch zeitgenössische Literatur und Diskussionsrunden. Samstag abends verwandelt sich sogar ein Teil des Restaurants zur Bühne.

In diesem Jahr feiert der Stadtgarten in Köln (weitere Infos und Meinungen im Locationguide) sein 30-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr erhielt der international renommierte Club eine weitere positive Nachricht – er wird zum "Europäischen Zentrum für Jazz und Aktuelle Musik".

"Unsere Ziele sind nicht ohne Zuschüsse erreichbar"

Der Stadtgarten feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen – was waren für Sie persönlich musikalische Höhepunkte?

Matthias von Welck: Es ist schwierig, 30 Jahre auf ein paar Höhepunkte zu beschränken. Sicherlich werden immer die Konzerte der sogenannten ‚Großen’ der Jazzgeschichte, also z.B. Gil Evans, Ornette Coleman, Wayne Shorter oder Cecil Taylor in Erinnerung bleiben. Genauso wenig vergessen werde ich aber all die Auseinandersetzungen, die wir führen mussten, damit dieser Ort überleben konnte.

Man könnte annehmen, solch ein renommierter Club trägt sich selbst. Wie konnte Sie die APPLAUS-Förderung konkret in den vergangenen Jahren unterstützen?

Matthias von Welck: Natürlich könnte sich der Stadtgarten auch ohne Subventionen tragen. Das hätte nur ein ganz anderes, sehr viel kommerzielleres Veranstaltungsprogramm zur Folge. Unser Ziel war von Anfang an, ein künstlerisches Konzept bei der Programmgestaltung zu verfolgen. Und dazu ist es erforderlich, Musikerinnen und Musiker proaktiv einzuladen und deren Reise-, Hotel- und Honorarkosten zu tragen. Das ist mit dem Verkauf von Eintrittskarten bei unserer Größenordnung leider nicht ohne Zuschüsse machbar.

Hat der Preis Ihren Stand in Kulturpolitischen Diskussionen verbessern können?

Matthias von Welck: Der APPLAUS-Programmpreis hat das Thema ‚Spielstätten für aktuelle Musik’ zum ersten Mal auf die Tagesordnung der Politik geholt. Sowohl beim Bund als auch in den Ländern und Gemeinden. Das ist sein großer Verdienst. Bevor es diese ausdrückliche Geste der Wertschätzung gab, wurden all diese unaufgefordert entstandenen Clubs und Säle bestenfalls hingenommen. Seit APPLAUS gibt es hier eine größere Sensibilität dafür, dass nicht nur die staatlich betriebenen Kulturinstitutionen wie Opern und Philharmonien, sondern auch die vielen alternativen Konzerthäuser, die sich der Musik des 21. Jahrhunderts widmen, einen wichtigen Beitrag für die Kultur leisten.

Ab 2017 wird der Stadtgarten "Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik" – was bedeutet das konkret?

Matthias von Welck: Genau genommen geht damit ein 30 Jahre alter Traum in Erfüllung. Wir werden in die Lage versetzt, Produktionsstandort zu sein und mit unserem Programm eigenständige Akzente setzen zu können. Und zum ersten Mal wird es uns möglich sein, mit vergleichbaren Häusern in anderen europäischen Metropolen auf Augenhöhe gemeinsame Projekte zu entwickeln. Dies alles ist zum Vorteil der hiesigen Musikerschaft, aber vor allen Dingen auch zum Vorteil unseres Publikums, das jetzt in den Genuss eines einmaligen, exklusiven Programmangebots kommen wird.

Inwieweit wirkte sich die APPLAUS-Auszeichnung hierbei aus?

Matthias von Welck:  In dem Zusammenhang, in dem ich jetzt hier befragt werde, wäre es leicht zu antworten, dass wir dieses Zentrum in erster Linie APPLAUS zu verdanken haben. Das wäre wahrscheinlich übertrieben. Fest steht aber, dass APPLAUS eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung in Politik und Verwaltung gespielt hat. Und wir hoffen ganz fest, dass wir mit dem Zentrum als gutes Beispiel vorangehen und in Zukunft noch viele weitere Spielstätten in der Republik eine ähnliche Anerkennung erfahren werden.“

Backstage PRO präsentiert euch dieses Interview mit freundlicher Genehmigung der Initiative Musik, die im Vorfeld der diesjährigen Verleihung des Spielstättenpreises APPLAUS mit Matthias von Welck sprechen konnte.

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Venloer Str. 40, 50672 Köln

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