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“Wir wollen selbst Acts entdecken”

SWR3-Musikchef Gregor Friedel über die Musikauswahl fürs Radio

Interview von Reinhard Goebels
veröffentlicht am 03.03.2020

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SWR3-Musikchef Gregor Friedel über die Musikauswahl fürs Radio

"Viele Bands gehen beim Songwriting den letzten Meter nicht" – Gregor Friedel. © SWR3

Gregor Friedel ist seit 2017 Leiter der Abteilung Musik und Musikevents bei SWR3. Seine Verbindung zum Sender reicht jedoch noch viel weiter zurück. Wir sprechen mit ihm unter anderem darüber, wie bei SWR3 Songs ausgewählt werden und wie sich das Streaming sowohl auf Hörgewohnheiten als auch das Songwriting auswirkt.

Backstage PRO: Was gehört denn als Leiter der Abteilung Musik und Musikevents bei SWR3 alles zu deinem Aufgabenbereich?

Gregor Friedel: In meinen Verantwortungsbereich fällt prinzipiell alles, was bei SWR3 in irgendeiner Art und Weise mit Musik zu tun hat. Dazu gehört zunächst natürlich das Musikprogramm. Ich habe sieben Mitarbeiter, die sich um die musikalische Berichterstattung und Musikprogrammierung kümmern. Außerdem bin ich verantwortlich für all unsere Off-Air Events wie etwa die Casino-Sessions, Hautnah-Konzerte, Studio-Sessions und die Live-Lounge. Ein großer Teil dessen, was mich etwa fünf bis sechs Monate im Jahr beschäftigt, ist das SWR3 New Pop Festival, bei dem ich Festivalleiter bin.

Backstage PRO: Das klingt sehr umfangreich.

Gregor Friedel: Ja, es ist viel, aber es macht großen Spaß, da viel Abwechslung dabei ist. Unabdingbar in dieser Position sind ein guter Überblick sowie ein sehr großes und sehr gutes europaweites Netzwerk – nicht nur zu Plattenfirmen, sondern auch zu Künstlern und deren Management – das auch gepflegt werden will. Das Wichtigste in einem solchen “People Business” ist das Adressbuch im Telefon. Du musst immer wissen, wen du anrufen kannst und dein gegenüber muss immer wissen, dass man sich auf dich hundertprozent verlassen kann.

“Als ich 14 war, habe ich gesagt: Ich will diesen Job machen”

Backstage PRO: Bevor du 2017 deinen aktuellen Posten angetreten hast, warst du sechs Jahre lang für den NDR als Referent des ARD Unterhaltungskoordinators tätig. Davor allerdings warst du schon lange bei SWR3. Hast du eine besondere Verbindung zum Sender?

Gregor Friedel: Das ist eine Geschichte, die klingt, als hätte ich sie mir ausgedacht, aber sie ist tatsächlich wahr (lacht). Als ich 14 Jahre alt war, war ich auf einem Gianna Nannini-Konzert in Crailsheim, das vom damaligen SDR3-Musikchef Matthias Holtmann anmoderiert wurde. Ich habe ihn gesehen und gesagt: “Ich will diesen Job machen”. Nach meinem Studium in Mannheim hatte ich dort einen Lehrauftrag und habe angefangen, eine Doktorarbeit zu schreiben, jedoch schließlich die Zelte abgebrochen, da ich mich parallel um ein Volontariat beim SDR beworben und das auch bekommen hatte.

Backstage PRO: Und nach deinem Volontariat wurdest du übernommen?

Gregor Friedel: Genau, anschließend war ich Redakteur und Reporter bei SDR3. Obwohl ich eigentlich im Wortbereich war, habe ich 1999 meine allererste Projektleitung übernommen: 10 Jahre die Fantastischen Vier in der Villa Berg. Dabei fragte mich eben dieser Matthias Holtmann, der nun Musikchef bei SWR3 war, ob ich nicht nach Baden-Baden in die Musikredaktion kommen wolle. Dort war ich drei Jahre. Anschließend habe ich in Mannheim das Studio im Musikpark aufgebaut. Nach etwa dreieinhalb Jahren bin ich zurück nach Baden-Baden und war hier stellvertretender Musikchef und stellvertretender Projektleiter des New Pop Festivals. Gemeinsam mit einem Herstellungsleiter vom Fernsehen habe ich das Konzept für die Übertragung von Rock am Ring erstellt, wie sie lange in EinsPlus lief. Daraufhin holte mich der NDR nach Hamburg. In dem Moment war mein Traumjob “Musikchef bei SWR3” kaum mehr zu erreichen, da ich einmal quer durch die Republik das Medium gewechselt hatte; doch 6 Jahre später habe ich ihn bekommen. Insofern habe ich eine sehr enge Verbindung zum Sender.

“Wir suchen Bands, die nicht so bekannt sind”

Backstage PRO: Ihr trefft euch jede Woche zu einer „Abhörkonferenz“, bei denen eure Musikredakteure Songs mitbringen, von denen sie glauben, dass sie auf SWR3 laufen sollten. Welche Kriterien spielen bei der Auswahl eine Rolle und wie werden eure Redakteure auf die Songs aufmerksam?

Gregor Friedel: Heutzutage gibt es ja das Music Promotion Network, eine Plattform, auf der die Titel digital bemustert werden. Zur täglichen Arbeit unsere Redakteure gehört es, sich neu eingestellte Songs anzuhören. Der Name des Acts oder die Plattenfirma sind dabei in der Regel kein Kriterium. Es gibt natürlich ein paar Künstler wie etwa Ed Sheeran oder P!NK, die man als sichere Bank bezeichnen kann und deren Titel sicherlich einer unserer Redakteure mitbringen wird, da man davon ausgehen kann, dass wir sie spielen werden. Ansonsten gibt es Songs, bei denen sofort klar ist, dass sie in unser Format passen, und solche, über die wir diskutieren. Wir sitzen zu acht zusammen und entscheiden am Ende demokratisch, ob ein Titel gespielt wird. Manchmal zündet ein Song auch nicht sofort und wird erst einige Male abgelehnt, schließlich aber doch aufgenommen.

Backstage PRO: Es gibt eine schier unendliche Anzahl an neuen Releases, auf die eure Redakteure Zugriff haben. Gibt es bestimmte Kriterien, anhand derer ihr eine Vorauswahl trefft, etwa die Bekanntheit einer Band?

Gregor Friedel: Überhaupt nicht, das würde auch dem widersprechen, was wir etwa beim New Pop Festival machen. Wir haben den Ehrgeiz, selbst Acts zu entdecken, und suchen daher gerade auch nach Bands, die nicht so bekannt sind.

Backstage PRO: Häufig entsteht der Eindruck, dass Nischenthemen auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern nur zu ungünstigen Sendezeiten gespielt werden. Stimmt dieser Eindruck?

Gregor Friedel: Die meisten Leute haben den Anspruch, Hits zu hören und Sachen zu entdecken, die gerade eher en vogue sind, wenn sie zur Arbeit oder nach Hause fahren. Nischenthemen laufen daher tatsächlich nicht zu den Hauptzeiten. Zudem hat man am Abend vielleicht dann doch eher die Muße, sich bewusst auf neue Titel einzulassen. Das ist jedoch keine neue Entwicklung.

Backstage PRO: Wie genau kann ich mir den Auswahlprozess vorstellen?

Gregor Friedel: Die Releases sind mit Genres gekennzeichnet. Death Metal hat mit unserem Format nichts zu tun, genauso wenig Schlager oder Volksmusik. Aber wenn Bands in die Bereiche Pop, Rock, Indie, Bands, Soul oder Ähnliches fallen, hören wir sie uns an. Wir lesen auch viel im Netz. Dabei erfährt man zuweilen auch früh etwas von spannenden Künstlern, die etwas außerhalb unseres eigentliches Fokusses liegen. Es ist wichtig, immer sehr rege und mit wachen Augen unterwegs zu sein. Dabei wissen natürlich auch wir nicht, ob Themen am Ende aufgehen. Es gibt Bands, die auf dem englischen Markt extrem angesagt sind, jedoch in Deutschland nicht funktionieren.

“Es bringt einer Band nichts, wenn ihr Song ein einziges Mal im Radio läuft”

Backstage PRO: Welche Tipps hast du für eine Band, die ins Radio will?

Gregor Friedel: Bands müssen sich zunächst der Tatsache bewusst sein, dass es überhaupt nichts bringt, wenn ein Radiosender ihren Song einmal spielt; das ist ein Tropfen im Ozean. Wenn du ins Radio willst, schreibe nicht nur einen Sender an, sondern mehrere. Nutze alle verfügbaren Distributionswege – denn Glück spielt heutzutage eine große Rolle. Du musst natürlich die Macht der digitalen Medien nutzen, also auch der Streamingportale. Eine tolle Geschichte wie die von Reamonn, die hier beim New Pop Festival selbstgebrannte CDs mit “Supergirl” verteilt und am Bahnhof auf der Bank übernachtet haben, da sie sich kein Hotel leisten konnten, wird heute nicht mehr funktionieren.

Backstage PRO: Was ist denn noch wichtig für eine Band, um erfolgreich zu sein?

Gregor Friedel: Ich glaube, unabdingbar ist, dass man alles auf eine gewisse Art und Weise professionalisiert und nie aufhört, an sich zu arbeiten. Versuche nicht, ein Muckerleben zu leben, sondern Musik als Beruf zu sehen. Es gibt viele Bands, die beim Songwriting bei 80% aufhören, weil sie denken, das sei gut genug, und dann den letzten Meter nicht gehen. Die Toten Hosen machen neben ihrer “blauen Stunde”, bei der sie regelmäßig zusammensitzen und alles durchdiskutieren, regelmäßig Proben im Dunkeln, um sicherzustellen, dass die Instrumentalisten live nicht ständig auf das Griffbrett schauen. Es sind viele solcher kleinen Bausteine, die für mich Faktoren für Erfolg sind.

“Der langfristige Aufbau von Acts fehlt”

Backstage PRO: Es gibt ja auch diese klassische Vorstellung, dass man als kleine Band von einer Plattenfirma bei einem Konzert entdeckt und dann von ihr groß gemacht wird. Kommt so etwas heutzutage noch vor?

Gregor Friedel: Ich glaube, das gibt es schon noch. Die Plattenfirmen haben immerhin ja noch ihre Scouts und A&Rs rumlaufen. Die Digitalisierung hat das Ganze natürlich vereinfacht. Es ist deutlicher weniger Aufwand, sich etwas im Netz anzuschauen, als z.B. extra nach Wolfenbüttel zu fahren, um da eine Band zu sehen, die vielleicht etwas sein könnte. Dann allerdings sollte man sich die Band wirklich nochmal live anschauen.

Backstage PRO: Was hat sich an der Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Labeln geändert?

Gregor Friedel: In der Regel ist die Zusammenarbeit nicht mehr so nachhaltig, wie sie es einmal war. Welches Label bietet heute noch einem neuen Künstler einen Vertrag über ein ganzes Album? Ed Sheeran ist heute einer der wenigen Albumkünstler, die als solche funktionieren und aufgebaut werden. Meistens ist es ein Deal für eine Nummer, und wenn diese nicht funktioniert, ist der Künstler weg vom Fenster. Der langfristige Aufbau eines Acts, wie etwa im Falle von Bosse, das fehlt. Bosse hatte lange Zeit nicht den durchschlagenden Erfolg – irgendwann ist es passiert. Wir hatten beim SWR3 New Pop Festival die kuriose Situation, dass uns ein Label einen Künstler angeboten hatte, obwohl es nur den Deal für einen Song gab und es dräute, dass der Künstler das Label wechseln wird. Also haben wir abgesagt. Im darauffolgenden Jahr hat eben dieser Künstler beim SWR3 New Pop Festival gespielt, dann allerdings bei dem anderen Label und ausgestattet mit einem Albumdeal. So etwas sollte man unterstützen.

Backstage PRO: Woran liegt diese Entwicklung?

Gregor Friedel: Durch die schnelle Nutzbarkeit der Musik und die Oberflächlichkeit, die das Streaming mit sich bringt, sind Plattenfirmen natürlich daran interessiert, mehr neue Produkte auf den Markt zu schießen und sich breiter aufzustellen. Die Zeit, in der sich eine Plattenfirma hinstellen und sagen kann “Ich baue jetzt einen Billy Joel auf, weil ich weiß, dass er in 10 Jahren immer noch 2 Millionen Platten verkauft”, ist logischerweise vorbei.

“Die Wertschätzung für das Kunstschaffen hat nachgelassen”

Backstage PRO: Inwiefern wirkt sich das Thema Streaming auf die Programmgestaltung im Radio aus?

Gregor Friedel: Auf die Programmgestaltung selbst wirkt sich das kaum aus. Um in den Playlisten oben zu bleiben, müssen die Künstler immer etwas Neues bieten, ständig “Instant Gratification Tracks” veröffentlichen [Anm. d. Red.: Songs eines Albums, die bereits vor dessen Veröffentlichung verfügbar gemacht werden]. Für das Radio sind aber vor allem die “richtigen” Singles relevant.

Backstage PRO: Welche Auswirkungen hat Streaming auf das Radio?

Gregor Friedel: Das Programm klingt heutzutage anders. Die Songs sind im Durchschnitt viel kürzer geworden. In den 70ern und 80ern hatten Songs oft Intros, die dann über eine Bridge in die erste Strophe übergegangen sind, und es hat relativ lange gedauert, bis der Song zu seinem Kern gekommen ist. Das hat sich durch das Verhalten der Hörer im Streamingmarkt vollständig verändert. Die Skiprate ist dort so hoch, dass innerhalb der ersten 15 oder 20 Sekunden bereits alles passiert sein muss. Mein Lieblingsbeispiel ist “Zusammen”, einer der größten Hits der Fantastischen Vier. Das fängt mit der Hook an, jedoch noch nicht einmal mit der Band, sondern mit einem Gastsänger.

Backstage PRO: Siehst du diese schnelle Konsumierbarkeit in Hinblick auf künstlerische Vielfalt problematisch?

Gregor Friedel: Ich glaube, dass es nach wie vor eine immense Vielfalt gibt. Zudem glaube ich, dass die Chance, von einem Publikum entdeckt zu werden, heute höher ist. Da ich mit Vinyl aufgewachsen bin, finde ich es jedoch persönlich schade, dass Musik fast zu einem reinem Konsumobjekt geworden ist. Ich glaube, dass sich viele Leute keine Gedanken mehr machen, dass manche Künstler davon leben müssen. Die Wertschätzung für das Kunstschaffen hat nachgelassen, wie es immer ist, wenn Dinge frei verfügbar sind.

Backstage PRO: Ist der persönliche Bezug zu Alben und Songs schwächer geworden?

Gregor Friedel: Der Kauf einer Platte war früher mit einem Aufwand verbunden und war in viel höherem Maße ein individuelles Erlebnis, heutzutage läuft das eher nebenbei. Als ich mir meine erste Platte von den Smiths gekauft habe, “Hatful of Hollow”, bin ich mit meinem roten Hercules-Mofa zu meiner damaligen Freundin gefahren. An dem Lenker des Mofas flatterte die orange Tüte von Günthers Plattenladen, in der sich das Album befand. Ich bin ins Wohnzimmer ihrer Eltern gegangen und habe die Platte aufgelegt. Ich kann mich an alles noch genau erinnern, weil dieser Moment, als ich das erste Mal “William, It Was Really Nothing” gehört habe, für mich so erhaben war. Da war ich 15, und bis heute hat sich daran nichts geändert. Jetzt bin ich 52 Jahre alt, und immer wenn ich umziehe, baue ich meine Anlage und meinen Plattenspieler auf und höre in jeder neuen Wohnung als ersten Song dieses Lied. Das soll kein Wehklagen meinerseits sein, aber ich denke, eine solche emotionale Verbindung lässt sich heute höchstens noch über Live-Momente herstellen.

Backstage PRO: Macht es das auch schwieriger für Künstler, relevant zu bleiben?

Gregor Friedel: Es ist aufwendiger geworden. Künstler müssen ihre Kanäle immer mit IGTs up to date halten und dergleichen. Zudem ist es zwar theoretisch leichter, neue Künstler zu entdecken. Allerdings ist es in der Praxis schwerer, wenn sich ein Hörer nicht proaktiv darum kümmert. Und dafür fehlt oft die Zeit. Das Interesse, neue Musik zu entdecken sinkt mit Mitte 20 um bis zu 80 Prozent – was in erster Linie daran liegt, dass sich die Lebensumstände durch Arbeit und Familie stark ändern. Dennoch glaube ich, dass einmal erspielte Fans durchaus auch treu bleiben und sich die Verbundenheit zum Künstler nicht geändert hat.

Backstage PRO: Ist die Geduld, die man mitbringt, um einem Künstler zuzuhören, grundsätzlich kürzer geworden?

Gregor Friedel: Die Aufmerksamkeitsspanne ist durch die Digitalisierung kürzer geworden. Die Menschen müssen heute viel schneller denken und entscheiden, ob sie Inhalte als ansprechend genug erachten, um sich weiter mit ihnen zu beschäftigen. Meiner Meinung nach ist das jedoch ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.

“Die Rolle des Radios wird in der Medienlandschaft unterschätzt.”

Backstage PRO: Du hast in einem Interview mal gesagt, dass es völlig falsch wäre, das Radio in Bezug auf Streaming als “Zweite-Reihe-Produkt” zu bezeichnen. Wird die Rolle des Radios heutzutage unterschätzt?

Gregor Friedel: Zu mir hat mal eine Frau in einer sehr hohen Position von einem Major Label gesagt “Im Internet entsteht ein Hit – ein Smash-Hit nur im Radio.” Mit Streams erreichen Bands junge medien- und musikaffine Leute. Doch um jeden zu erreichen, spielt Radio eine Rolle, die vor allem von der Medienlandschaft häufig unterschätzt wird.

Backstage PRO: Was genau wird denn falsch eingeschätzt?

Gregor Friedel: Zum einen ist nicht jeder, der 17 oder 21 ist, auch automatisch “hip”; es gibt durchaus auch konservative Leute in dem Alter. Zum anderen lässt mit dem Alter ja nicht grundsätzlich das Interesse an neuer Musik nach, es fehlt nur die Zeit. Wenn ein Sender nicht gerade nur die Top 40 spielt oder nur 300 sichere Songs in der Rotation hat, ist Radio also die Möglichkeit, auf etwas Neues zu stoßen. Im Radio erfährt man, wer der Künstler ist, den man gerade hört. Daher glaube ich, dass Radio in puncto Musik immer noch einen sehr großen Einfluss hat und ein ganz wichtiges Medium ist, um Hits in den Mainstream zu bringen, zumindest wenn es das Selbstverständnis hat, wie es SWR3 hat. In der breiten Masse wird diese Rolle oft als selbstverständlich angesehen.

Backstage PRO: Warum wird die Rolle des Radios in den Medien häufig unterschätzt?

Gregor Friedel: Vermutlich liegt es daran, dass sich Medien nach neuen Ausspielwegen umschauen und diese darstellen müssen – was völlig nachvollziehbar ist. Natürlich lässt sich besser über einen neuen Streaming-Anbieter berichten, der gerade verkündet, mehr als 100 Milliarden Streams verzeichnen zu können, als über ein Medium, das seit Jahrzehnten existiert und das jeder kennt. Es macht schließlich keinen Sinn, zum 80. Mal darüber zu schreiben, wie Radio funktioniert. Auch wenn es schön wäre, wenn diese Relevanz auch mal wieder außerhalb der klassischen Medien wie radioszene.de aufgegriffen würde. Radio ist kein “Zweite-Reihe-Produkt”, um das nochmals deutlich zu sagen.

Backstage PRO: Wird sich diese Wahrnehmung mit der Zeit relativieren?

Gregor Friedel: Die Mediennutzung, Medienangebote und die Verfügbarkeit ändern sich so schnell, dass sich das nicht relativieren wird. Man denke an iTunes: Das war mal die große Nummer. Dann war iTunes nur noch die Library für ältere Herrschaften, die ihre CDs digitalisiert haben. Mittlerweile gibt es iTunes nicht mehr. Wir reden hier von einem Zeitraum von wenigen Jahren. Es wird sicherlich immer wieder neue Möglichkeiten geben, daher wird auch das mediale Interesse immer nach vorne gewandt sein.

Backstage PRO: Vielen Dank für das Gespräch!

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