Auswirkungen auf Live Nation Kartellprozess
US-Justizministerium untersucht dubioses Zahlungsmodell zwischen OVG und Ticketmaster
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© Glenn van de Wiel via unsplash.com
Im Zuge einer laufenden Untersuchung des US-Justizministeriums (DOJ) gegen Live Nation und dessen Ticketing-Tochter Ticketmaster sind neue Details zu einem bislang nicht veröffentlichten Zahlungsmodell zwischen der Oak View Group (OVG) und einem großen Ticketing-Anbieter bekannt geworden – nach übereinstimmenden Berichten von Billboard und TicketNews handelt es sich um Ticketmaster.
Details über dieses Zahlungsmodell enthält ein zwischen dem US-Justizministerium und der OVG geschlossenes Non-Prosecution Agreement (NPA), das TicketNews veröffentlicht hat. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung, die OVG zur Zusammenarbeit mit der US-Justiz verpflichtet. Im Gegenzug verzichtet das US-Justizministerium auf strafrechtliche oder zivilrechtliche Verfolgung von Fehlverhalten.
Hohe Zahlungen an OVG
Laut Dokument zahlte der Ticketing-Anbieter (vermutlich Ticketmaster) jährlich 7,5 Millionen US-Dollar an OVG – abhängig vom Volumen der verkauften Tickets in von OVG betriebenen Veranstaltungsstätten. Zusätzlich erhielt OVG eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar. Die Vereinbarung trat im November 2022 in Kraft und sollte über zehn Jahre laufen.
OVG stimmte im Rahmen des NPA einer Strafzahlung in Höhe von 15 Millionen US-Dollar zu und verpflichtete sich neben der Kooperation mit der Ermittlungsbehörden auch der Erweiterung der eigenen Compliance-Programme.
Empfehlungen mit Interessenkonflikt
Im Gegenzug verpflichtete sich OVG dazu, den Ticketing-Anbieter aktiv bei Vertragsverhandlungen mit Hallenbetreibern zu empfehlen – auch bei Ausschreibungen, bei denen ursprünglich andere Anbieter beteiligt oder interessiert waren.
OVG erwähnte diese Empfehlungsaktivitäten jedoch gegenüber den Eigentümern der Veranstaltungsstätten nicht. Das US-Justizministerium wertet dies als klaren Verstoß gegen die treuhänderischen Pflichten, die OVG als operativer Hallenbetreiber gegenüber seinen Auftraggebern hat.
Aufgeflogen im Zuge anderer Ermittlungen
Die finanziellen Verflechtungen wurden im Rahmen eines separaten Ermittlungsverfahrens publik. Tim Leiweke, Mitgründer und bis vor Kurzem CEO von OVG, wird beschuldigt, das Ausschreibungsverfahren für die Moody Center Arena, eine Mehrzweckhalle auf dem Campus University of Texas in Austin manipuliert zu haben.
Im Zuge der Ermittlungen sichergestellte interne Emails lieferten den Ermittlern Hinweise auf das Kickback-Modell mit dem Ticketing-Unternehmen.
Auswirkungen auf die Klage gegen Live Nation
Die Enthüllungen kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Seit Mai 2024 läuft die Kartellklage des US-Justizministeriums gegen Live Nation und Ticketmaster – mit dem Ziel, die beiden Unternehmen zu zerschlagen. Inzwischen unterstützen 39 US-Bundesstaaten sowie der District of Columbia die Klage.
Das Verhältnis zwischen OVG und Live Nation stehen schon länger im Fokus der Ermittlungsbehörden. Diesen war nicht entgangen, dass OVG sich von einem Konkurrenten zu einem Partner von Live Nation wandelte. Das US-Justizministerium hatte schon länger den Verdacht geäußert, dass OVG Hallenbetreiber dazu drängt, Verträge mit Ticketmaster abzuschließen.
Die neuen Informationen könnten als gerichtsfester Beweis dienen und belegen, dass Live Nation nicht nur durch seine Mehrfachfunktion als Veranstalter, Hallenbetreiber und Ticketanbieter, sondern auch durch finanzielle Einflussnahme auf Drittanbieter seine Marktmacht sichert.
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