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Veranstalter fordern verpflichtende Impfnachweise für Festival- und Konzertbesucher in Großbritannien

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 09.03.2021

coronakrise festivalorganisation Öffnungsperspektiven

Veranstalter fordern verpflichtende Impfnachweise für Festival- und Konzertbesucher in Großbritannien

© Hanny Naibaho via Unsplash

Die Öffnungsstrategie der britischen Regierung schürt die Hoffnungen, dass Musikfestivals im Sommer 2021 wieder stattfinden können. Doch die Veranstalter/innen sehen sich nach wie vor mit Problemen konfrontiert – und fordern u.a. eine Impfpflicht für die Gäste.

Die jüngst von der britischen Regierung vorgestellten Öffnungsstrategie wirkt wie ein positives Zeichen für Veranstalterinnen und Veranstalter: Ab dem 17. Mai 2021 sollen Outdoor-Events mit bis zu 4.000 Gästen wieder erlaubt sein; ab dem 21. Juni könnten Kontaktbegrenzungen komplett aufgehoben werden – in Abhängigkeit davon, wie die Pandemie sich entwickelt.

Nachweis erforderlich

Die bisher im UK angekündigten Events waren – wenig verwunderlich – in Rekordzeit ausverkauft. Doch die verantwortlichen Veranstalterinnen und Veranstalter schauen besorgt in den Sommer.

Josh Robinson, Veranstalter des Drum and Bass-Festivals "Hospitality Weekend in the Woods" fordert die Regierung beispielsweise auf, bei der Öffnungsstrategie einem Konzept zu folgen, das schon für viele andere Bereiche in Planung ist: Besucher sollen einen Impfpass vorzeigen müssen, mit dem nachgewiesen wird, dass sie gegen Covid-19 geimpft sind.

Dies soll in Form einer einheitlichen Vorgabe der Regierung erfolgen, um Veranstaltende zu entlasten und eindeutige Klarheit zu schaffen. Zustimmung erhält Robinson auch von Gareth Williams, Veranstalter des Cropredy Folk Festivals.

Impfnachweis nicht nur auf Begeisterung

Die geplanten Öffnungen der britischen Regierung und die damit immens gesteigerte Nachfrage sind auf der einen Seite ein deutlich positives Zeichen für die Veranstalterinnen und Veranstalter.

Gleichzeitig sorgen sie jedoch auch für Unsicherheit: Veranstaltende fühlten sich wie eine Art "Bank", da nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob Veranstaltungen wie geplant stattfinden können oder Tickets doch noch erstattet werden müssen, so Robinson.

Grund für diese Unsicherheiten ist einerseits die nicht wirklich planbare Entwicklung der Pandemie, andererseits eben die die noch nicht feststehenden Sicherheitsbestimmungen. So sind viele der geplanten Festivals noch immer nicht endgültig terminiert. 

Ein komplexes Thema

Auch das individuelle Verhalten von Musikerinnen und Musikern sorgt für zusätzliche Komplexität in der Festival-Planung. Ein verpflichtender Impfnachweis für Besucher/innen würde schließlich auch einen Nachweispflicht für Musiker und ihre Crews mit sich ziehen – und gerade viele Künstlerinnen und Künstler sprechen sich eher kritisch zu einer Impfnachweis-Pflicht aus.

Eine Leitlinie der Regierung, die das Vorzeigen eines Impfnachweises oder negativen Tests voraussetzt, könnte für Festival-Organisation zumindest eine dringend benötigte Vereinfachung darstellen. Denn: "Wenn wir nicht bald weitermachen können, wird die gesamte Unterstützungsstrategie für diesen Industriezweig zunichte sein", so Robinson. 

Logistische Schwierigkeiten

Viele der rund 70 Festivalveranstalter in Großbritannien fürchten darüber hinaus, Unmengen an Schnelltests für ihre Besucherinnen und Besucher durchführen zu müssen, wenn ihre Veranstaltungen stattfinden sollen.

Das Pensum sei jedoch logistisch schlichtweg nicht umsetzbar. Die enorme Planungsunsicherheit bedeutet eine enorme zusätzliche finanzielle Belastung, während viele Veranstalter noch immer auf finanzielle Unterstützung vom Staat warten.

Personalmangel

Viele Festivals wurden deshalb auf den Spätsommer verschoben, um mehr Zeit zu gewinnen, was jedoch nicht Vorteile mit sich bringt: die Nachfrage an Mitarbeitern für diesen Zeitraum steigt enorm. Doch viele selbstständige Barmitarbeiter oder Licht- und Tontechniker, auf deren Mitarbeiter Veranstalter normalerweise angewiesen sind, mussten aufgrund der Pandemie Insolvenz anmelden.

"Festivalveranstalter sind Meister darin, mit allen möglichen Eventualitäten zu rechnen. Aber dieses Jahr gibt es so viele unberechenbare Faktoren, auf die bei der Planung geachtet werden muss.", so Williams.

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