×

Gemeinsam die Locations füllen

Win-Win durch Mindestticketabnahme: Psycho Village über ihre erfolgreiche Tour mit Local Supports

Interview von Florian Endres
veröffentlicht am 09.11.2017

psycho village liveszene pay to play mindestticketabnahme tourplanung konzertorganisation

Win-Win durch Mindestticketabnahme: Psycho Village über ihre erfolgreiche Tour mit Local Supports

Psycho Village auf der Bühne. © Psycho Village

Es gibt für eine Band wohl wenig schlimmeres, als vor einem leeren Saal zu spielen. Wir sprachen mit der Band Psycho Village und ihrem Management über Möglichkeiten, eine solche Situation zu vermeiden, das Leben auf Tour und das Für und Wider von Mindesticketabnahmen und Pay-to-Play.

Backstage PRO: Stellt eure Band "Psycho Village" als erstes doch einmal vor!

Dani (Psycho Village): Psycho Village gibt es mittlerweile seit 2009 und besteht zur Zeit aus mir (Gesang und Gitarre) und Cello an den Drums. Wir arbeiten aktuell gemeinsam mit dem Produzenten Gwenael Damman, der bereits für Avril Lavigne, Nina Hagen und andere tätig war, an unserer zweiten EP. 2014 erschien unsere erste EP "Selfmade Fairytale – Part 1", deren Singles alle Top 10-Platzierungen in den österreichischen iTunes-Charts erreichten. Zwei Singles gelangten sogar für mehrere Wochen in die österreichischen Singlecharts und erreichten landesweit sehr viel Airplay.

Wir waren in den letzten Jahren in ganz Europe auf Tour und durften u.a. die Amerikaner Fates Warning und The Creepshow aus Kanada auf drei Europa-Tourneen begleiten.

"Wir machen alles selbst"

Backstage PRO: Anfang Oktober hat eure eigene Headliner-Tour angefangen, die euch beinahe einen ganzen Monat durch Deutschland treibt. Wie läuft es bisher?

Dani: Der Auftakt in München lief großartig. Wir waren beinahe ausverkauft – an einem Donnerstag! Mittlerweile haben wir schon acht Shows hinter uns und damit fast ein Drittel der Tour. Bis jetzt waren alle Shows sehr gut besucht und es lief – bis auf zwei kleine Pannen mit unserem Tour-Bus – alles nach Plan.

Backstage PRO: Wie hält man eine Tour dieser Größenordnung durch? Gerade als Headliner ist das ja schon eine ziemliche Herausforderung.

Dani: Eine Herausforderung ist es auf jeden Fall – wir machen zur Zeit alles selbst. Ich bin für das Tourmanagement während der Tour, die Promotion, die Kasse am Konzertabend und die Logistik während der Tour verantwortlich. Gleichzeitig bin ich Ansprechpartner für die lokalen Supportbands. Cello hilft beim Auf- und Umbau; die Fahrten zwischen den Venues und den Merchverkauf teilen wir untereinander auf.

Das ist zwar anstrengend, macht aber natürlich auch Spaß. Wir arbeiten in allen Venues mit der lokalen Technik-Crew zusammen, was bis jetzt immer großartig funktioniert hat. Mittlerweile kennen wir auch viele Venues und die handelnden Personen dort ganz gut – ein großer Vorteil bei der Organisation.

Backstage PRO: Wie muss man sich eure Arbeit vorstellen? 

Dani: Der typische Tour-Tag endet meist gegen 3 Uhr nachts, nachdem wir schon ein oder zwei Stunden in Richtung der nächsten Stadt gefahren sind, und beginnt dann um 11 Uhr mit der Weiterfahrt.

Dazwischen kümmern wir uns um das Einladen und den Aufbau, die Soundchecks und auch die Einweisung der lokalen Bands. Auch die Bezahlung aller Beteiligten läuft über uns, meist noch nach der Show. Je nach Club fällt auch die Organisation vor Ort – Einhalten der Spielzeit usw. – in unseren Aufgabenbereich.

"Backstage PRO ist ein großartiges Tool"

Backstage PRO: Ihr habt für alle Gigs während der momentanen Tour lokale Support-Acts gebucht, viele davon über das Booking-System von Backstage PRO. Seid ihr zufrieden mit eurer Bandauswahl?

Dani: Backstage PRO ist neben Facebook ein großartiges Tool, um Shows auszuschreiben sowie nach Venues und auch proaktiv nach lokalen Bands zu suchen. Ich würde sagen, dass wir ca. 70-80% der Bands, die wir zu den Shows dazu buchen, über Backstage PRO finden. Bis jetzt haben wir uns mit allen Bands großartig verstanden und sind natürlich auch musikalisch sehr zufrieden.

Backstage PRO: Für eure aktuelle Tour ist es ja Voraussetzung, dass die Support-Bands sich am Ticketverkauf der Tour beteiligen. Wollt ihr das vielleicht kurz erklären?

Dani: Neben Psycho Village als Band gibt es auch die hauseigene Agentur – Psycho Sound Productions –, an der ich beteiligt bin und die für das Booking und die Organisation der Touren verantwortlich ist. Michael ist hier für das Booking der lokalen Bands zuständig und erklärt dir kurz, wie wir das handhaben.

"Größere Locations sind für unbekannte Bands oft zu teuer"

Michael: Wir machen es auf Tour so, dass wir mit Psycho Village und lokalen Support-Bands Shows in gefragten Locations in deutschen Metropolen organisieren. Die meisten dieser Locations sind allerdings für eine noch nicht so bekannte Band arg teuer – ohne entsprechende Struktur würde es niemals gelingen, die Miete sowie die zusätzlichen Kosten für Security, Technik und so weiter zu tragen.

Im Durchschnitt kostet eine uns Location – unter Einrechnung aller Kosten – um die 1.000 Euro. Dabei ist der Aufwand für Organisation, Anreise etc. noch gar nicht berücksichtigt.

Es ist also meist notwendig, deutlich über 100 Gäste zur Show zu bringen, um den Break-Even-Point zu erreichen. Schafft man dies nicht, drohen Nachzahlungen. Im schlimmsten Fall hat man dann in Zukunft keine Chance mehr, in der Location zu spielen. Das ist auch verständlich, denn auch die Locations haben Kosten und Personal und müssen überleben.

"Es gilt, die Fans zu motivieren"

Backstage PRO: Und mit eurem jetzigen System könnt ihr solch einer Situation entgegenhalten?

Michael: Genau. Die notwendigen Besucherzahlen bekommt man derzeit nur dann flächendeckend organisiert, wenn mehrere lokale Bands mit deren Fans teilnehmen und diese auch zum sicheren Kommen motivieren. Mit unserem Modell beteiligt sich die Band im Vorfeld am Ticketverkauf.

Das bedeutet auch, dass eine Band umso mehr verdient, je mehr Besucher sie mitbringt. Natürlich wird aufgrund der Fixkosten, die wir haben, eine gewisse Mindestanzahl erwartet. Das sagen wir den Bands auch explizit und raten davon ab, mitzumachen, wenn man hier Bedenken hat.

Wir versuchen so, eine Win-Win-Situation zu schaffen. Die Bands kommen in Clubs, die normalerweise schwer zu finanzieren sind. Im besten Fall kann die Location gefüllt oder sogar ausverkauft werden, wie jüngst zum Beispiel in München, Berlin oder Frankfurt.

Die Band kann dann vor einem großen, teilweise auch neuen Publikum spielen, während die Location-Betreiber sich über den Getränkeumsatz freuen. Wir als Organisatoren haben damit dann ebenfalls unser Ziel erreicht.

Backstage PRO: Läuft das System gut und findet ihr es den Bands gegenüber fair?

Michael: Die meisten Veranstaltungen nach diesem Modell laufen extrem gut und die beteiligten Bands sind sehr zufrieden – auch die Locations, die ja ein wichtiger Partner sind; das darf man nicht übersehen.

Der Aufwand, den wir in die Organisation stecken ist aber auch entsprechend hoch: üblicherweise haben wir für diese Art von Tour eine Vorlaufzeit von sechs bis acht Monaten. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Qualität aus. Wenn uns dann die Locations zu den Veranstaltungen gratulieren und uns einladen, jederzeit wieder kommen zu dürfen, dann ist das schon eine sehr positive Referenz.

"Eine erfolgreiche Veranstaltung – klar ist das fair"

Viele Veranstalter sprechen uns auch auf unsere hohen Besucherzahlen an und erzählen von Events, wo dann beispielsweise an einem Samstag Abend nur 20 Gäste gekommen sind und die lokalen Band quasi vor sich selbst gespielt haben. In so einem Fall sind alle sauer – die Bar, die Bands und die wenigen Gäste. Ist ein solches "bandfreundliches" Modell fair? In diesem Club hat man dann wahrscheinlich zum letzten Mal gespielt.

Wir finden, es ist okay und fair, wenn alle Beteiligten – u.a. eben mit dem vorherigen Ticketverkauf – zum Erfolg einer Veranstaltung beitragen und diese dann auch funktioniert.

Backstage PRO: Wie kommt es, dass Pay to Play-Angebote scheinbar immer stärkere Verbreitung finden?

Michael: Das liegt an den Veränderungen in der Kostenstruktur von Clubs: Vor einigen Jahren wurden noch viele Clubs von den Städten oder Gemeinden finanziell gefördert und konnten kostenfrei oder sehr günstig Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Das gibt es aufgrund der Tendenz zum Sparen in Deutschland und Österreich fast nicht mehr.

Backstage PRO: Was haltet ihr von solchen Modellen?

Michael: Sogenannte Buy Ons sind derzeit stark im Rock- und Metal-Bereich verbreitet. Das funktioniert so, dass der Support der Hauptband einen fixen Betrag pro Show bezahlen muss, um auf die Tour mitkommen zu dürfen oder teilweise auch im Bus mitfahren zu können. Ich habe Deals gesehen, wo 20.000 Euro oder mehr im Vorfeld für eine ganze Tour bezahlt werden müssen, bei anderen Tourneen sind es "nur" 2.000 Euro. Es hängt vom Bekanntheitsgrad der Headlinerband ab.

Die Idee dahinter ist, dass die Vorband vor vielen neuen Leuten spielen kann, vor denen sie normalerweise nie spielen würde. Es ist ein bisschen mit der Standmiete bei einer Messe zu vergleichen oder mit einer TV-Werbeschaltung.

"Eine reine Marketing-Maßnahme"

Das ganze ist eine reine Marketing-Maßnahme, um neue Fans zu gewinnen. Im Idealfall kann man den Buy On dann durch Merch-Verkäufe refinanzieren. Im Worst Case bleibt man natürlich auf den Buy On-Kosten zur Gänze sitzen. Ich kenne Bands, die beides erlebt haben. Am Ende des Tages ist es eine Kosten-Nutzen-Rechnung, ob es sich auszahlt, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Ob sich das rechnet, möchte ich nicht beurteilen.

Wir machen solche Buy On Deals bei unseren Veranstaltungen nicht. Wir haben zwar schon das ein oder andere Mal solche Anfragen erhalten, haben aber immer abgelehnt.

Es geht uns darum, gemeinsam mit anderen Bands die Hallen zu füllen und hier zusammen zu arbeiten – und optimalerweise etwas zu verdienen! Am Ende der Veranstaltung sollen alle zufrieden sein.

Backstage PRO: Vielen Dank für eure Zeit und weiterhin viel Erfolg auf Tour!

Jetzt bewerben

Rocknight im THE TUBE Düsseldorf

Rocknight im THE TUBE Düsseldorf

11.11.2017, The Tube, Düsseldorf

11.11.2017, Düsseldorf
The Tube

Anbieter: Psycho Village   1
Datum: Samstag, 11. November 2017, 20:00
Location: The Tube , 40213 Düsseldorf
Lokale Acts bevorzugt!
Genre: Rock, Metal, Alternative/Independent
Ausgeschlossen: Show/Tanz, Schlager/Unterhaltung
Gesuchte Acts: Band
Freie Slots: 2
Bestätigt: REV KIDDO
Gage: Noch nicht bekannt
Kosten/P2P: Noch nicht bekannt
Backline: Teilweise vorhanden, Rest nach Absprache

Gepostet am 18. August 2017   8

RockNight in der Rockbar

RockNight in der Rockbar

16.11.2017, Danny Rockbar, Bremen

16.11.2017, Bremen
Danny Rockbar

Anbieter: DryWater   14
Datum: Donnerstag, 16. November 2017, 20:00
Location: Danny Rockbar , 28195 Bremen
Lokale Acts bevorzugt!
Genre: Rock, Metal, Alternative/Independent
Ausgeschlossen: Punk/Hardcore, Rock'n'Roll/Rockabilly, R'n'B/Soul/Black, Hip Hop/Rap
Gesuchte Acts: Band, Singer/Songwriter
Freie Slots: 0
Bestätigt: Voldt und Mazy Puppets
Gage: Spendenkasse
Kosten/P2P: Keine
Backline: Noch nicht bekannt

Gepostet am 13. September 2017   1

Artists

Psycho Village

Modern Rock aus Hennersdorf

Ähnliche Themen

Einen Gig um jeden Preis spielen? Unter diesen Umständen solltest du lieber absagen!

Wenn Nein sagen die beste Option ist

Einen Gig um jeden Preis spielen? Unter diesen Umständen solltest du lieber absagen!

veröffentlicht am 06.12.2017   16

Der DIY-Spar-Tourguide: So sparst du deine Kohle auf Tour

Wenig ausgeben, viel erleben und erreichen

Der DIY-Spar-Tourguide: So sparst du deine Kohle auf Tour

veröffentlicht am 05.09.2017   7

Pay-to-Play im Reality Check: Was es bringt, was es mit uns macht

Zwischen Noob und Pro, Teil 3

Pay-to-Play im Reality Check: Was es bringt, was es mit uns macht

veröffentlicht am 10.08.2017   9

Die fünf besten Booking-Tipps von Martell Beigang (Dick Brave & the Backbeats)

"Am Anrufen führt kein Weg vorbei"

Die fünf besten Booking-Tipps von Martell Beigang (Dick Brave & the Backbeats)

veröffentlicht am 26.04.2017   5

Checkliste: Sieben wichtige Regeln für eure (erste) Tour

Verstand und Etikette wahren

Checkliste: Sieben wichtige Regeln für eure (erste) Tour

veröffentlicht am 03.04.2017   13