Das Clubsterben in der Hauptstadt geht weiter
Clubcommission drängt zur Umsetzung der baurechtlichen Anerkennung der Berliner Clubkultur
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© Francesco Paggiaro via Pexels
Mehrere Clubs in Berlin, darunter die Spielstätten Mensch Meier oder Loophole sind geschlossen. Andere Standorte, darunter die Wilde Renate und die Alte Münze, stehen vor einer ungewissen Zukunft.
Insgesamt fühlen sich 67 Prozent der Clubtreibenden durch die aktuellen Entwicklungen existenziell bedroht, wie eine Mitgliederumfrage der Clubkommission ergab.
Gründe des Clubsterbens
Gründe dafür sind steigende Kosten, höhere Gewerbemieten und Umsatzrückgänge von etwa 10 Prozent. Zudem gefährden geplante Umnutzungen von Grundstücken der Deutschen Bahn und der Weiterbau der A100 die Berliner Clubräume.
Am 13. September organisiert die Clubcommission aus diesen Gründen am Markgrafendamm einen Protest gegen den Weiterbau der A100 unter dem Motto "A100 wegbassen".
Referentenentwurf
Eine weitere Gefahr für die Clubkultur stellt der neue Referentenentwurf des Bauministeriums dar. Ursprünglich wurde vor vier Jahren beschlossen, Clubs als Kulturstätten und damit gleichwertig zu Theatern, Kinos und Varietés anzuerkennen. Nun sieht der Referentenentwurf allerdings die Einführung einer eigenen Kategorie für Musikclubs vor.
Die Clubcommission, der Deutsche Musikrat und der Bundesverband LiveKomm kritisieren den Referentenentwurf und warnen davor, dass Clubs dadurch zu Kulturorten zweiter Klasse degradiert werden. Marcel Weber, Vorsitzender der Clubkommission hebt hervor:
"Clubkultur trägt maßgeblich zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben bei und dient als sicherer Ort für vielfältige soziale Perspektiven und demokratische Teilhabe. Sie bringt Menschen aus unterschiedlichen Lebensrealitäten zusammen, zieht den Tourismus an und schafft Arbeitsplätze."
Nachtökonomie Strategie
Die wirtschaftliche Relevanz der Clubkultur wird durch die Ergebnisse der Nachtökonomie-Strategie unterstrichen, die im Juni von Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, präsentiert wurde.
Die Studie, an der unter anderem visitberlin, BVG, Dehoga sowie weitere 25 relevante Berliner Institutionen beteiligt waren, enthält 30 Handlungsempfehlungen, die Vielfalt und Kleinteiligkeit fördern, nachhaltigen Tourismus gestalten und Verwaltungsabläufe insbesondere in der Nutzung und Genehmigung von Immobilien vereinfachen.
Lutz Leichsenring, Projektleiter der Nachtökonomie Strategie, erklärt: "Es ist entscheidend, dass diese Konzepte in die strategische Stadtplanung einfließen, um die Clubkultur als wichtigen Teil der Berliner Identität zu sichern und die Nachtökonomie langfristig zu schützen."
Clubkulturelle Räume dürften daher im Baurecht nicht gegenüber anderen Kultureinrichtungen benachteiligt werden.
Locations
Loophole
Boddinstrasse 60, 12053 Berlin
Wilde Renate
Alt-Stralau 70, 10245 Berlin
Alte Münze
Am Molkenmarkt 2, 10179 Berlin
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