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Fitness und Spaß erhalten, Teil 1 von 2

Damit Musikmachen gesund bleibt: Wie du Erfolgsdruck, Stress oder Frust entgegenwirken kannst

Tipps für Musiker und Bands von Frank Wilkens
veröffentlicht am 24.05.2019

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Damit Musikmachen gesund bleibt: Wie du Erfolgsdruck, Stress oder Frust entgegenwirken kannst

Musik ist gesund. Meistens. © Wendy Wei / Pexels

Musik ist Gesund. Musik macht krank. In den letzten Jahren machen immer wieder Studien die Runde, die durch verschiedene Betrachtungsweisen beides belegen. Wie können Musikerinnen und Musiker mit den Erkenntnissen umgehen und was können sie sich selbst Gutes tun? In diesem zweiteiligen Artikel blickt Frank Wilkens genauer darauf, wie man sich auch unter hohem Musikbusinessdruck den Groove und die Gesundheit erhalten kann.

Musik ist gesund – das könnte im großen Buch der Lebensweisheiten stehen. Nachgewiesenermaßen trägt der Konsum von Musik zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens bei. Man sagt der Musik sogar nach, sie hätte bereits Auswirkungen auf das ungeborene Leben im Mutterleib.

Musik an sich hat also deshalb bereits eine Daseinsberechtigung. Natürlich können Melodien und Lyrics auch (zum Beispiel für Propagandazwecke) "zweckentfremdet" werden. Aber seien wir mal ehrlich, in unserem Tagesablauf  lassen wir uns von der Musik, egal ob Klassik, Pop oder Heavy Metal, doch weitesgehend im positiven Sinne beeinflussen und verspüren zumindest einen seelischen Aufschwung, der sich unter Umständen auch ebenso positiv auf physische Probleme einwirken kann.

Reale Strapazen

Doch wie sieht es mit den Menschen aus, die eben jene Musik machen? Auf jeden Fall hält Musizieren den Kopf fit und hat positive Effekte aufs Älterwerden. Doch es gibt auch die Kehrseite. Mittlerweile mehreren Studien zufolge hat die Beschäftigung als unabhängige Musikerin bzw. unabhängiger Musiker oft extreme psychische Auswirkungen zur Folge.

Bands ziehen oft wochenlang durch die Lande, weitab jedweder Pauschaltourismus-Träumerei, zusammengepfercht in einem Tourbus oder bisweilen auch in mehr oder meist weniger komfortablen Unterkünften.

Musiker, die also oftmals wochenlang getrennt von Freunden und Familie Abend für Abend ihr Publikum begeistern müssen. Da ist Leistung gefragt und das oft beschriebene romantische Bardenleben wird schnell zur Illusion. Auf Tournee zu sein bedeutet harte Arbeit, wie man es auch von Chirurgen oder Handwerkern erwartet, denn der Kunde (wir alle, die wir gern auf Konzerte gehen) hat schließlich dafür bezahlt.

Keine vorgegebenen Lösungen

Sicher kann man hergehen und das gute alte "Sex, Drugs & Rock’n Roll" Image bemühen. Doch ist nicht genau das lediglich eine Rechtfertigung für eine oftmals desolate physische Verfassung des Künstlers, der seinen Zuhörern eigentlich das gute Lebensgefühl vermitteln und die Menschen glücklich machen will?

Wir alle kennen das Problem. Der Zahn zwickt und zwackt. Gehen wir deshalb auf den guten Ratschlag von unseren Nächsten ein und holen uns umgehend einen Termin beim Zahnarzt? Nein, wir spielen die Sache herunter nach dem Motto "Ist noch nicht so schlimm, es geht schon wieder" und versuchen, das vermeintliche Übel zu ignorieren. Dabei wäre der erste Schaden oft der Kleinste.

Auch für Künstler auf Tournee gäbe es bessere Mittel zur Gesunderhaltung, als im Nachhinein die Symptome kurzfristig mit Schmerzmitteln und anderen herkömmlichen Medikamenten zu lindern, um die Show halbwegs über die Bühne zu bringen.

Präventiv handeln

Zu einer guten Tourneevorbereitung und Durchführung gehört also auch konsequente Pflege von Körper und Geist. Fiterhaltung sollte immer auf dem Terminplan stehen. Denn nur wenn der Künstler fit und gesund ist, kann er sein Publikum überzeugen. Nur wenn der Künstler sich und seinen Körper gut einschätzen lernt, ist er für die Strapazen einer mitunter sehr langen Konzertreise gewappnet. Sicher soll der Spaß an der Arbeit im Vordergrund stehen, doch wie will man das Publikum unterhalten, wenn man selbst total dem Stress verfallen ist.

Abhilfe schaffen in dem Falle kurze, aber effektive Übungen. Zu nennen wäre hier zum Beispiel die Progressive Muskelentspannung (PM) nach Edmund Jacobsen. Die PM ist ein erlernbares Verfahren zur willentlichen, bewussten und eigenständigen Stressreduktion. Durch Schulung der Wahrnehmung und Loslassen der wahrgenommenen Anspannung in der Muskulatur kann sich der Organismus auf körperlicher und geistig-seelischer Ebene entspannen. Das Verfahren wird von zertifizierten Fachkräften in mehreren Anleitungsstunden vermittelt und durch regelmäßige Anwendung zunächst in gewohnter Umgebung weiter erlernt und angewendet. Auf diese Weise reichen ein paar Minuten eines oftmals straff organisierten Tages während der Tournee, um wieder zu Kräften zu kommen.

Teamwork

Angemerkt sei noch, dass zur Durchführung einer Tournee nicht nur der Künstler, sondern auch die Crew gehört. Hier seien die Hilfen beim Transport, bei der Technik oder am Merchandise-Stand genannt. Menschen, die ebenso dazu gehören und von deren leiblichem Wohlbefinden ebenfalls eine gute Show abhängen kann. Es ist also ratsam, das ganze Team bereits im Vorfeld in die Prävention mit einzubeziehen.

Weitere Methoden, wie man sich den Touralltag und die damit einhergehenden gesundheitlichen Strapazen besser bewältigen kann, findet ihr hier im zweiten Teil. Doch selbstverständlich kann kein Artikel eine ärztliche Beratung ersetzen.

Falls ihr Tipps habt, wie ihr Stress und Druck unter Kontrolle haltet, freuen wir uns auf Feedback in den Kommentaren!

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