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Ausblicke und Weitblicke

Das Future Music Camp 2019 diskutierte über Künstliche Intelligenz und Zukunftsszenarien im Musikbusiness

Spezial/Schwerpunkt von Theo Müller
veröffentlicht am 20.05.2019

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Das Future Music Camp 2019 diskutierte über Künstliche Intelligenz und Zukunftsszenarien im Musikbusiness

Future Music Camp 2019. © Sven Tillack / Quelle: Popakademie

Die Popakademie Baden-Würtemberg lud Mitte Mai 2019 zum 10. Future Music Camp nach Mannheim ein. Topthema war die Rolle von KI im Musikbusiness. Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse des Branchentreffens zusammen.

Mit 600 angemeldeten Besuchern war das Future Music Camp auch bei seinem Jubiläum ausgebucht. Zu ungefähr einer Hälfte setzten sich die Teilnehmer aus Studenten und zu anderen Hälfte aus Praktikern der Musik- und Kreativbranche zusammen.

Das Leitthema dieses Jahr war Künstliche Intelligenz ("KI"), passend dazu, dass der Begriff eines der branchenübergreifend dominierenden Buzzwörter dieser Zeit ist und somit natürlich auch die Musikbranche beschäftigt.

Volles Haus bei den Sessions

Volles Haus bei den Sessions, © Sven Tillack / Quelle: Popakademie

Tatsächlich ist der Begriff KI jedoch nur schwer greifbar. Viele technologische Entwicklungen aus den letzen Jahren werden heute als KI bezeichnet. So war es auch für die Organisatoren des Future Music Camps, Steffen Geldner und Alexander Endreß, kein leichtes Spiel, passende Speaker für die Keynotes zu finden. Nicht jedes Unternehmen, das Innovation im Bereich KI vorgibt, bietet diese auch wirklich. So ist es heute schwer, in der Musikbranche echte KI-Anwendungen zu finden. Die Technologien sind noch recht teuer und somit für kleinere Unternehmen schwer zu finanzieren.

Machine Learning und Algorithmen sind die wegweisenden Technologien

Andreas Stiegler (Creative Technologist – Strichpunkt Design) stellte in seiner Keynote die Technologien, die sich hinter dem Buzzword KI verbergen, einmal genauer vor. Zum Beispiel das sogenannte Machine Learning ("maschinelles Lernen").

Machine Learning ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz, bei dem IT-Systeme durch das Erkennen von Mustern in vorliegenden Datenbeständen in der Lage sind, eigenständig Lösungen für Probleme zu finden. Der dafür nötige Algorithmus ist vergleichsweise einfach und kann schon in wenigen Minuten programmiert werden. Wichtig sind die Qualität und Quantität der Datenbestände, aus denen die Maschine "lernen" kann Das meiste, was heute unter den Begriff KI fällt, wird in der Spieleindustrie schon seit 20 Jahren umgesetzt,  erfahren wir von Andreas Stiegler.

Zwischen den Sessions und Keynotes bot sich den FMClern genug Gelegenheit zum weiteren Austausch

Zwischen den Sessions und Keynotes bot sich den FMClern genug Gelegenheit zum weiteren Austausch, © Sven Tillack / Quelle: Popakademie

Die Musikbranche entdeckt KI sehr zögerlich. Tatsächlich ist der Durchbruch von KI-Technologien im Massenmarkt erst heute möglich, da erst heute die nötige Rechenleistung weiträumig verfügbar ist. Musik bietet sich gut an zur Verwendung in KI-Technologien, weil hier vor allem eindimensionale Daten wie Musikdateien oder textbasierte Metadaten benutzt werden.

Algorithmen bestimmen heute in weiten Teilen die Nutzung und den Erfolg von Musik. Dies fängt an bei automatisiert erstellten Playlisten auf Spotify – heute wohl neben Youtube eines der wichtigsten Tools, um neue Musik kennen zu lernen. Leider wollte Tom Dreiseitel von YouTube & Google Play Music nicht verraten, wie der Youtube-Empfehlungs-Algorithmus im Detail funktioniert, gab aber den mehr oder weniger nützlichen Tipp, dass man seine Youtube-Aktivitäten auf den Endnutzer ausrichten sollte.

Umfangreiche Datenmengen sind der Schlüssel

Auch für A&Rs, den Entdeckern von neuer erfolgsversprechender Musik der Musikfirmen, bieten sich heute durch umfangreiche Datenanalysen ungeahnte Möglichkeiten, erfuhr man in der Keynote von Chaz Jenkins (Partner und Berater – Chartmetric Inc). So sei es heute für Labels einfacher geworden, internationale Künstler zu entdecken. Auch kommen heute Labels oft später ins Spiel, nachdem bereits Verlage und Bookingagenturen auf neue Künstler aufmerksam geworden sind.

Um auf Spotify erfolgreich zu sein, empfiehlt Chaz Jenkins, dort regelmäßig für Aktivität zu sorgen, um so besser vom Algorithmus bewertet zu werden. Im heute sehr erfolgreichen "Track-Business", bei dem eher viele einzelne Singles als ein einmaliges Album veröffentlicht werden, ist dieses Vorgehen schon fest etabliert.

Die Teilnehmer hatten nach den Keynotes immer Gelegenheit, Rückfragen zu stellen

Die Teilnehmer hatten nach den Keynotes immer Gelegenheit, Rückfragen zu stellen, © Sven Tillack / Quelle: Popakademie

Robin Hoffmann von HearDis! stellt ein Projekt vor, mit dem Musik mit Hilfe umfangreicher Daten als Unterstützung für das Marketing von Produkten aller Art genutzt werden kann. Oft ist es problematisch zu einem Produkt die passende Musik zu finden, die zum Beispiel in einem Werbeclip im Hintergrund läuft oder für die richtige Atmosphäre in Einzelhandelsgeschäften sorgt. So wurden im Pojekt "ABC_DJ" tausende Songs geclustert und analysiert, um anschließend die so ermittelten Attribute auf Markenwerte umzurechnen. Man will auf diese Art über eine Datenbasis die passende Musik zu jedem Produkt ermitteln.

Neue Möglichkeiten um Musik zu schaffen und einzusetzen

Ein besonders spannender und erfolgsversprechender Einsatzort von Musik ist in Games. Marlen Huellbrock von Music Ally stellte einige Kooperationen vor, bei denen Musiker mit Gamern zusammenarbeiteten oder Gamer selbst zu Musikern wurden oder erfolgreiche Playlisten erstellten. Auch Andreas Stiegler berichtete, dass Musik in Games eines der wenigen Dingen ist, die noch nicht automatisiert erstellt wird, also noch echte Menschen den kompletten kreativen Prozess übernehmen.

Projekte, die diesen kreativen Schaffensprozess übernehmen, gibt es immer mehr. Zum Beispiel stellte Björn Deparade, Manager von Milky Chance, die App Mubert vor, die Musik automatisiert erstellt.

Das bestehende Urheberrecht stößt jedoch an seine Grenzen bei automatisiert erstellter Musik, so dass heute noch zusätzliche vertragliche Bestimmungen nötig sind um solche Musik effektiv zu verwerten, erfuhr man in der Keynote von Rechtsanwalt Prof. Dr. Ralf Kitzberger (Schickhardt Rechtsanwälte).

Marlen Huellbrock (Marketing Executive, Music Ally) bei ihrer Keynote

Marlen Huellbrock (Marketing Executive, Music Ally) bei ihrer Keynote, © Sven Tillack / Quelle: Popakademie

Die Zukunft der Branche im Visier

Auf dem Future Music Camp wurden dieses Jahr viele Ideen, Projekte und Entwicklungen vorgestellt, die in der Musikbranche oft noch in den Kinderschuhen stecken, jedoch gewaltiges Potential versprechen. So blieb das Future Music Camp seinem Ansatz treu, als Spürnase für Innovationen innerhalb der Branche zu agieren und frühzeitig zukunftsrächtige Themen aufzugreifen.

Auch wenn der Einsatz von KI-Technologien vor allem für kleine Künstler und Labels noch weit weg zu sein scheint, können sich schon heute Musiker von der Konkurrenz abheben, indem sie die Grundlagen darüber verstehen, wie Algorithmen arbeiten und was es bedeutet, in den Empfehlungs-Algorithmen von Youtube, Spotify usw. ein besseres Ranking zu erhalten, fasste Steffen Geldner ein wichtiges Ergebnis des Jubiläumscamps zusammen.

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