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Das gröbste Chaos vermeiden: Projektmanagement-Basics als Hilfe für Bands und Musiker

Tipps für Musiker und Bands von Dominik
veröffentlicht am 07.11.2017

management diy konzertorganisation

Das gröbste Chaos vermeiden: Projektmanagement-Basics als Hilfe für Bands und Musiker

Projektmanagement für Bands und Musiker. © rawpixel / 123RF

Musiker gelten weitläufig als unorganisiert, vergesslich, geradezu zerstreut – "Künstler eben". Wir zeigen euch, wie ihr euch das Musikerleben mit einigen Kniffen aus dem Projektmanagement besser organisieren könnt.

Sind wir ehrlich: Wir Musiker/Innen neigen sogar untereinander zu Ausflüchten, wenn wir wieder das Instrument im Proberaum haben liegen lassen, ganz vergessen haben, dass da ein neuer Song zu Üben war, wer im Studio zuerst an der Reihe ist und wer was beim Gig organisiert. Trotzdem sträubt man sich gerne gegen Organisation.

Dabei kann schon eine einfache To-Do-Liste, die simpelste Form der Organisation, Abhilfe schaffen. Der Begriff Projektmanagement führt schon weiter, klingt für die meisten unter uns aber zunächst nach Job und wird sogar das ein oder andere Augenpaar zum Rollen bringen, wenn die eigenen Erfahrungen mit Projekten nicht gerade positiv waren. Aber es soll hier gar nicht um "Erfolge" gehen, sondern darum, sich das Leben einfacher zu machen.

Dazu muss man das Rad nicht unbedingt neu erfinden und kann einfach zu vorhandenen Methoden greifen: Wir blicken auf grob übertragene Modelle und Denkanstöße, die relativ locker in einer Band umzusetzen sind und vernachlässigen erstmal detaillierte Projektpläne mit Rollenverteilungen und ähnlichem mehr.

Analyse

Ganz am Anfang steht zunächst etwas, wofür es kein Fachwissen braucht: Analyse. Natürlich gibt es da auch spezielle Herangehensweisen aber im Falle einer Band reicht es, einfach mal mit ein wenig Abstand nachzudenken.

Zuerst: lohnt sich das überhaupt? Denn die eigenen Ansprüche sind als erste Hürde zu betrachten. Wenn es sowieso nur um lockeres Musizieren in Gemeinschaft geht, mit Gigs als absolutem Ausnahmefall, dann gibt es wahrscheinlich gar keinen Bedarf etwas zu verbessern. Falls es aber doch einigermaßen regelmäßig neue Songs geben soll, Auftritte oder sogar Studioproduktionen, dann hilft ein geregelter Ablauf im Idealfall dabei, mehr Zeit für das Kernelement zu lassen: die Musik.

Dabei gilt es diese Erwartungshaltung ggfs. mit allen Bandmitgliedern zu diskutieren, auch wenn dies die Gefahr birgt, dass da unterschiedliche Meinungen zu Tage treten…

Nun aber im Schnelldurchlauf die einfache Problemanalyse für Bands: Wo genau liegen die Probleme? Warum liegen sie da? Das klingt jetzt zu einfach? Führt zur Gegenfrage: Schon mal gemacht?

  • Wirklich schwarz auf weiß schriftlich festzuhalten, was genau die aktuellen Stolperfallen sind, kann schon zur Lösung führen, weil man im "laufenden Betrieb" zu gern übersieht, wo Prozesse ins Stocken geraten.
  • Bleibt die Liste kurz (so. ca. 3-4 knapp formulierte Punkte) sind es mit hoher Wahrscheinlichkeit Kommunikationsprobleme oder "persönliche Organisationsschwierigkeiten" einzelner Bandmitglieder. Dank der zahllosen Kommunikationsmöglichkeiten sollte es heute kein Problem mehr darstellen, solche Probleme zu lösen. Und auch bei letzteren kann die Technik aushelfen, bspw. mit Erinnerungs-Weckern. Aber auch Zettel im Instrumentenkoffer, Mikrofontasche oder sogar am Instrument selbst (bspw. zwischen die Saiten klemmen) funktionieren.
  • Wird die Liste aber länger und länger mit immer ausschweifenderen Begründungen, kann es ratsam sein, sich nach Lösungen umzusehen, die über solche einfache Maßnahmen hinausgehen. Und da man das Rad nicht neu erfinden muss, kann man sich an den vielen Optionen des Projektmanagements und Prozessmanagements bedienen.

Proben

Proben sind quasi die Team-Meetings eines Projekts "Band". Dementsprechend ergibt es Sinn, diese auch so zu planen – insbesondere, wenn es tatsächlich ums effektive Üben geht. Wo können hier die Probleme liegen?

Wenn die Band gerne schon nach dem ersten Song in end- und ziellose Jam-Sessions verfällt, hilft vielleicht das Abarbeiten des Live-Repertoires der Disziplin auf die Sprünge – also quasi ein simulierter Gig als Pflicht vor dem Vergnügen. Im Allgemeinen also eine "Tagesordnung", ein Programm, das es durchzuarbeiten gilt. Ob man, falls überhaupt zutreffend, die Jam-Phasen dabei zur Auflockerung zeitlich begrenzt in Stücken dazwischen oder nach getaner Arbeit ans Ende legt hängt von Vorlieben und der zur Verfügung stehenden Zeit ab.

Wichtig ist jedoch, dass der Plan – sobald erstellt – auch eingehalten und idealerweise Probe für Probe aktualisiert wird (bspw. Problemsongs/-passagen mehrfach spielen). Ob das dauerhaft ein Bandmitglied mit mehr Organisationsgeschick erledigt oder nach dem Motto "geteiltes Leid ist halbes Leid" die Verantwortung reihum geht gilt es ebenfalls vorher zu klären.

Im Allgemeinen hier der Hinweis: wer das Zepter ohne Absprachen an sich reißt, muss damit rechnen, dass seine Bandkollegen nicht unbedingt fröhlich mitziehen…

Konzerte

Konzerten bedeuten für Musiker viel (Vor-)Freude (vorausgesetzt die Proben sind erfolgreich), aber vor allem auch viel logistische Aufgaben: Alle Beteiligten und das benötigte Equipment müssen rechtzeitig vor Ort sein. Dazu muss man nicht tief in die Trickkiste greifen, sondern kann sich mit ganz simplen Checklisten aushelfen.

Wovon man jedoch profitieren kann ist zum einen die klar vorher definierte Aufteilung von Aufgaben (damit auch tatsächlich jemand den Bassisten abholt und alle daran denken notwendige Ersatzteile einzustecken) und zum anderen Prozessoptimierung. Beim ersten Gig wird wahrscheinlich nicht alles rund laufen, ein Fehler wäre es jedoch daraus nichts zu lernen.

Es wirkt natürlich auf den ersten Blick furchtbar trocken und langweilig, solche  Arbeitsabläufe genauer zu untersuchen, aber wenn man letzten Endes nur noch die Hälfte der Zeit für den Aufbau braucht und sich niemand mehr ins Gehege kommt ist das wieder ein Schritt weg von nervigen Pflichtaufgaben zu mehr Zeit für Musik.

Songwriting

Hier bieten sich eine Reihe von Standard-Methoden an, aber der kreative Prozess ist bei jeder Band individuell. Daher sollten die folgenden  Ansätze noch stärker als bisher als Tipps, Anregungen und Alternativen zum schon vorhandenen bandeigenen Vorgehen verstanden werden. Zuerst ist aber die Zielsetzung wieder einmal wichtig: geht es darum, den Prozess zu beschleunigen, überhaupt zum Abschluss zu bringen oder darum, ausgetretene Pfade zu verlassen?

Der große Vorteil einer nicht-beruflichen Band liegt hier im inexistenten Risiko: schlimmstenfalls wird der Song nicht fertig. Das ist natürlich ärgerlich, aber die Verluste belaufen sich auf Zeit und "Arbeit". Ein paar stichpunktartige Ansätze:

  • Wenn es wirklich schnell gehen soll, muss man auch mal Fünfe gerade sein lassen können und einfach mit groben Ideen und Strukturen arbeiten, die schnell zu einem Grundgerüst führen, auf dessen Basis dann Details, Variationen usw. weiterentwickelt werden. Dass kann z.B. heißen das neueste Riff des Gitarristen zu nehmen und einfach ein paar Mal zu spielen, simple Akkorde als Chorus dazwischen zu legen und auf der Basis dann erst die Feinheiten heraus zu arbeiten.
  • Um etwas zu verändern gibt es natürlich immer eine einfache Lösung: es einfach anders machen! Plattitüden aber mal außen vor gelassen kann es ganz einfach bedeuten, die Rollen zu tauschen, also bspw. zwei für die vorliegende Besetzung eher untypische Instrumente mit Lead-Aufgaben eines Songs zu betrauen oder jemand "untypisches" bekommt die Lyrics als Hausaufgabe.
  • Generell können Zwänge helfen, eingeschliffene Muster zu durchbrechen, z.B. die Vorgabe auf bestimmte Dinge zu verzichten oder auf jeden Fall zu benutzen, seien es Spielweisen, Töne, Rhythmen, Effekte…idealerweise funktionieren hier die für den Aufgabenbereich nicht zuständen Bandmitglieder als Autoren der Pflichten und Verbote.
  • Manche Songs wehren sich einfach vehement dagegen ein Ende zu finden. Manchmal nur im übertragenen Sinne, manchmal aber auch wortwörtlich. In letzterem Fall ist das wohl vorrangig eine Frage des Genres, ob das vertretbar ist, im ersten jedoch schon fast ärgerlich, insbesondere, wenn es einfach nicht "Klick" macht und alles zusammenkommt. Dann empfiehlt es sich zu schauen, ob man tatsächlich in dem Song macht, was man sich davon verspricht, also einen Wunschzettel zu verfassen und den dann an der Realität zu messen:
    • Geht’s irgendwo nicht geradeaus, weil zu viel gespielt wird? Entstehen Löcher, weil zwei Instrumente unisono spielen? Unterbricht eine Bridge statt eine Überleitung zu sein? Lenkt die eigentlich tolle Hintergrundmelodie vom Hauptthema ab – oder ist ein Part doch zu simpel gehalten? Widersprechen sich Text und Musik zu sehr in musikalischer Hinsicht, d.h. lange, vielsilbige Wörter stehen gegen keine oder komplexe Rhythmen?

(Studio-)Aufnahmen

Aufnahmen kommen der DIN-Definition eines Projektes am nächsten – dennoch oder gerade deshalb passt das klassische "Wasserfallmodell" hier am besten. Bei diesem fließt quasi eine Phase in die nächste und Abweichungen davon sind nicht möglich. Wegen dieser linearen Eigenheiten ist es wirtschaftlich (eigentlich) nicht mehr interessant, aber es reicht jedoch für Aufnahmen in adaptierter Form aus. Insbesondere, weil im Regelfall rein intuitiv nach diesem Schema vorgegangen wird, wenn auch grob:

Abhängigkeiten ergeben eine Aufnahme-Reihenfolge, die so zwangsläufig eingehalten wird. Effizienter ist es jedoch diese Reihenfolge (und mehr) im Vorfeld auszuarbeiten und festzuhalten. So lässt sich vor allem vermeiden, dass Bandmitglieder unbeteiligt rumsitzen, aber auch Zeit einsparen, weil genau festgelegt werden kann, wer, wann und was aufgenommen wird und welches Equipment dafür aufgebaut sein muss wodurch im Idealfall Leerlauf vermieden wird.

Unter Umständen habt ihr auch bei Fotos von Bands im Studio im Hintergrund schon Tabellen gesehen, bei denen Songtitel die Zeilen und Parts die Spalten darstellen – die Organisationsform ist also nicht neu, aber es tatsächlich zu machen hilft auch tatsächlich. Auch wenn ihr ins Studio geht wird euch das helfen…aber Studio-Checklisten gibt es zu genüge.

Für Wiederholungstäter empfiehlt es sich auch hier wieder die Abläufe im Nachhinein auf Optimierungspotential zu untersuchen.

In Phasen denken

Nicht nur Aufnahmen lassen sich so organisieren, sondern das gesamte Unterfangen "Band". Dabei bilden dann das Songwriting, Proben, Aufnahmen, Mischen/Mastern (lassen) und Veröffentlichung die Phasen, die mit allen Zwischenschritten organisiert werden können und nacheinander durchlaufen werden.

Da dieser Gesamtablauf sich ab hier insgesamt immer wieder wiederholt, könnte man da die moderneren Ansätze zum Projektmanagement zum Einsatz bringen, die eben diese wiederkehrenden Prozesse (inkl. des Probens des älteren Materials!) berücksichtigen, das allerdings könnte selbst den hartgesottensten Freund von Mikro-Management vom Musikmachen abhalten und darum ging es ja eigentlich:

Mehr Zeit zum Musik machen, weniger Zeit mit Fleißarbeiten zu verbringen!

Zukünftig werden wir euch beispielhaft noch einige Tools vorstellen, die bei der Umsetzung dieses Ziels helfen können.

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